Dienstag, 7. Juli 2020
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Kartsport Allgemein
07.02.2013

Sophia Floersch: Schnell aber ohne Fortune in La Conca

Am vergangenen Wochenende eröffneten 185 Piloten aus 34 Ländern mit der WSK MASTER SERIES die internationale Kartsportsaison. Mit dabei war auch die schnelle Grünwalderin Sophia Floersch, trotz einer guten Vorstellung verpasste sie am Ende den Finaleinzug.

Auf dem 1.250 Meter langen Kurs im Süden Italiens gingen in der Klasse KFJ 58 Jungen und drei Mädchen an den Start. Das Feld umfasste die besten Fahrer aus 21 Nationen, darunter Italien, England, Frankreich, Spanien, Russland, USA, Kanada, Indien, Belgien, Rumänien, Niederlande, Finland, Türkei und China.
Mit ihren 12 Jahren war Sophia Floersch, Förderkandidatin der ADAC Stiftung Sport, eine der jüngsten Rennfahrer in der Klasse der 12-15-jährigen Nachwuchstalente. Nach Team- und Materialwechsel zum Ende der Saison 2012, startete Sophia erstmals für das in Schweden beheimatete WARD Racing Team auf Tony Kart/VORTEX Material. Die Rennmotoren bereitet Olé Haugard von ONE ENGINES vor.

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Die meisten Fahrer nutzten den offiziellen WSK-Test-Termin am Wochenende zuvor zur optimalen Vorbereitung auf die erste Rennveranstaltung. Sophia musste diese Trainingschance auslassen, die bei Schülern sehr beliebte Schulskilagerwoche fand zeitgleich statt und sollte nicht versäumt werden.
Sophia und WARD RACING konzentrierten sich deshalb auf acht Trainingssitzungen am Mittwoch und Donnerstag. Das Kart sollte für das Zeittraining am Freitag bestmöglich abgestimmt werden.
Im Qualifying setzte Sophia den ersten Höhepunkt: Mit der viertschnellsten Zeit in ihrer Gruppe qualifizierte sich erstmals ein deutscher Pilot für den Kampf um die Super Pole der KFJ. Die Super Pole wird zwischen den sechs schnellsten Piloten der Gruppen eins und zwei, in einer eigenen zehnminütigen Qualifyingsession ermittelt. In der Super Pole erreichte Sophia den 10. Gesamtplatz - dies bedeutete die Heatgruppe E. Alle vier Heats waren stets vom vierten Startplatz – d.h. außen – zu bestreiten. Die äußere linke Bahn ist für den Start in La Conca sehr nachteilig, da auf die Start/Ziel-Gerade zwei sehr schnelle Rechtskurven und dann eine rechtsgehende Spitzkehre folgen.

Der erste Vorlauf verlief sehr gut: Sophia kämpfte im Pulk um die Positionen zwei bis sieben. Nach acht Runden querte sie auf dem ausgezeichneten vierten Platz die Ziellinie. Im zweiten Vorlauf legte Sophia nach. In der Startphase zog sie zur Vermeidung eines Unfalls zurück und wurde auf die elfte Position durchgereicht. Bereits in der dritten Rennrunde auf Platz acht vorgefahren, kam es  wegen eines Unfalls zum Rennabbruch. Den Restart ging Sophia erneut von Platz elf an. Mit schnellen Rundenzeiten überholte Sophia in der letzten Runde noch die beiden Führenden und fuhr als Erste über die Ziellinie. Die Freude war jedoch von kurzer Dauer: Zehn Minuten nach Rennende wurden Sophia und drei weitere Piloten von der Wertung ausgeschlossen. Sie hatten während des Restarts mit grüner Flagge vor der Start/Ziellinie einen Fahrer überholt. Der langsame Fahrer hatte in der Startphase wohl ein technisches Problem, ein Abbremsen hätte vermutlich zu einer Kollision geführt. Die WSK Kommissare urteilten streng nach Reglement - Wertungsausschluss und 27 Strafpunkte.

Nach dem Rückschlag griff sie im dritten Heats aber wieder voll an. Leider blieb ein Überholangriff  im Kampf um den vierten Platz nicht ohne Kontakt. Beide Piloten verloren einige Positionen und Sophia kam nur als Neunte ins Ziel. Das unglückliche Überholmanöver wurde im Nachhinein noch mit einer fünf Sekunden-Zeitstrafe bestraft, was im Ergebnis den 15. Platz bedeutete. Im vierten und letzten Vorlauf legte Sophia wieder sehr schnell los. Als Vierte gestartet schloss sie nach drei Rennrunden auf das Führungstrio auf. Jedoch timte ihr Hintermann einen Überholversuch schlecht und fuhr Sophia und sich selbst von der Strecke. Sophia konnte das Rennen mit Rückstand fortsetzen, mehr als der 17. Platz war aber nicht mehr möglich.

Nach den Ereignissen des Samstags addierten sich in der Penalita 62 Strafpunkte. Für das Prefinale A war es der 22. Startplatz – wieder auf der Außenbahn! Am Ende qualifizierten sich aber nur die ersten 17 aus Prefinale A und Prefinale B für das große Finale. Aufgrund der bisherigen Leistung und dem zweifelsfrei vorhandenen Rennspeed ging Sophia am Sonntagvormittag hoch motiviert ins Prefinale. Das Aus kam diesmal in Kurve drei, der ersten Spitzkehre. Neben ihr wurde ein Pilot von hinten attackiert, sein Kart stieg in die Luft und fiel auf Sophia’s Rennkart. Das Chassis verbog sich derart, dass ein Vorderreifen keinen Kontakt mehr zur Fahrbahn hatte. Nach zwei schiefen Runden musste Sophia die Box ansteuern und gab das Rennen auf. Damit platzte der erhoffte Einzug in das Finalrennen.

„Dieses Rennwochenende werde ich so schnell nicht vergessen: Meine erste Super Pole, der zehnte Platz im Zeittraining, einen Heat als Sieger beendet und die schnellste Rennrunde gefahren – das war wahnsinnig toll. Die schlechten Momente habe ich aus meiner Erinnerung gelöscht. Mit der Zusammenarbeit in meinem neuen Team bin ich sehr glücklich. Alle Leute arbeiten hochprofessionell und haben mich jeden Tag motiviert. WARD RACING did a great job! Thanks to Joakim, Ciccio, Pavel, Andreas und Ole. I am very happy to race with you”, zeigte sich die Nachwuchspiloten zuversichtlich.
Schon in 14 Tagen geht es zum nächsten großen Event, dem 18. Winter Cup in Lonato. 291 Einschreibungen, davon 97 Starter in der Klasse KFJ. „61 Piloten davon kenne ich jetzt schon. Und ich weiß, dass ich sie schlagen kann“, lautet Sophias Kampfansage.