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11.03.2012

Für Audi beginnt in Sebring eine neue Ära

Das 12-Stunden-Rennen in Sebring (US-Bundesstaat Florida) am 17. März steht im Zeichen großer Entwicklungen: Für Audi beginnt mit der neuen FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) eine ganz neue Epoche. Die Marke mit den vier Ringen hat zuletzt 1984 einen WM-Titel errungen - damals noch im Rallyesport. Gleichzeitig hat Audi die Chance, bei der 60. Ausgabe des Langstrecken-Klassikers seinen zehnten Gesamtsieg einzufahren.

Audi startet in seine bislang wichtigste Sportwagen-Saison: Zum ersten Mal kämpft die Marke auf der Rundstrecke um einen Weltmeistertitel. Seit 1999 bestreitet Audi erfolgreich Sportwagenrennen und gewann bereits viele Serien, darunter neun Mal die American Le Mans Series. In diesem Jahr vergibt der Automobil-Weltverband FIA erstmals seit 1992 wieder einen WM-Titel für die Le-Mans-Prototypen, die technologisch derzeit anspruchsvollsten Rennwagen überhaupt.

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Die technische Entwicklung bei Audi Sport in Ingolstadt und Neckarsulm läuft auf Hochtouren: Nicht weniger als drei verschiedene Versionen des LMP1-Rennwagens R18 kommen im Lauf der Saison zum Einsatz. Die Ende Februar präsentierten Audi R18 e-tron quattro und Audi R18 ultra durchlaufen aktuell ein umfangreiches Testprogramm und erleben ihr Renndebüt Anfang Mai in Spa-Francorchamps (Belgien). Beim WM-Auftakt in Sebring vertraut das Audi Sport Team Joest noch einmal auf den im vergangenen Jahr in Le Mans siegreichen R18 TDI.

Die Motorleistung der Diesel-Fahrzeuge soll ab sofort durch ein geändertes Reglement um etwa sieben Prozent reduziert werden. Dazu werden die Luftmengenbegrenzer von 47,4 auf 45,8 Millimeter Durchmesser verkleinert. Der Ladedruck sinkt von 3.000 auf 2.800 Millibar. Ebenso ist das Tankvolumen verringert worden: Der Audi R18 TDI darf beim Boxenstopp maximal 60 statt wie zuvor 65 Liter Dieselkraftstoff aufnehmen. Zudem muss er 15 Kilogramm Ballastgewicht einladen. Sie dienen als Kompensation dafür, dass die komplexen, ab 2012 vorgeschriebenen aerodynamischen Änderungen an den Kotflügeln beim R18 TDI nicht mehr umgesetzt werden, sondern erst bei seinen Nachfolgern. Ein Kuriosum: Zu seinem Abschied erlebt der bekannte R18 TDI eine Premiere, denn beim 12-Stunden-Rennen in Sebring war der geschlossene Sportwagen bisher noch nicht am Start. Von vielen Testkilometern aus der Vergangenheit verfügen die Ingenieure allerdings über wertvolle Daten des Audi R18 TDI auf der berühmten Rennstrecke in Florida.

Der anspruchsvolle 12-Stunden-Klassiker auf dem alten Flughafenareal von Sebring steht beim Saisonauftakt für einen berüchtigten Härtetest: Die Buckelpiste, die aus Asphalt und Betonplatten besteht, setzt den Rennwagen und der Konstitution der Fahrer hart zu. Große Hitze war in der Vergangenheit oftmals eine weitere Belastungsprobe. Und mit zwölf Stunden Renndauer ist der Wettbewerb in Florida ohnehin der zweitlängste im WEC-Kalender 2012. Mit aktuell 61 Nennungen - davon 31 aus der American Le Mans Series und 30 aus der WEC - erfordert das Rennen höchste Konzentration. Denn dichter Verkehr auf einer Strecke, die knapp sechs Kilometer lang ist, birgt die Gefahr von Berührungen und Unfällen beim Überrunden. Für Audi geht es bei der 60. Ausgabe des Rennens ebenfalls um ein Jubiläum: Zum zehnten Mal seit dem Jahr 2000 kann ein Rennwagen mit den vier Ringen den Sieg erringen. Beim neunten Erfolg stellte Audi 2009 mit Dindo Capello/Tom Kristensen/Allan McNish einen bis heute ungeschlagenen Distanzrekord auf: 2.280,5 Kilometer legte das Trio damals im Audi R15 TDI zurück.

War das Audi Sport Team Joest bei den vergangenen Einsätzen in Sebring mit jeweils zwei Fahrzeugen beteiligt, stehen nun drei R18 TDI am Start. Die Startnummer "1" teilen sich Marcel Fässler/André Lotterer/Benoît Tréluyer (CH/D/F). Jeder der drei Le-Mans-Vorjahressieger erlebt dabei eine Premiere: Fässler war in Sebring noch nie mit einem Sportprototypen am Start. André Lotterer und Benoît Tréluyer sind in Sebring noch kein Rennen gefahren, kennen den Kurs aber von Tests. Die Startnummer "2" teilen sich Dindo Capello/Tom Kristensen/Allan McNish (I/DK/GB). Kristensen ist mit fünf Siegen Rekordhalter, Capello hat das Langstreckenrennen vier Mal gewonnen, McNish drei Mal. Die Startnummer "3" pilotieren Timo Bernhard (D) und Romain Dumas (F), die bereits 2008 gemeinsam auf dem Siegerpodest standen. Sie teilen sich ihren R18 TDI mit Audi-Neuzugang Loïc Duval (F). Der Franzose bringt ein passendes Einstandsgeschenk mit: Er ließ sich im Vorjahr beim 12-Stunden-Rennen in Sebring als Sieger feiern. Damit vereinigen die neun Fahrer nicht weniger als 15 individuelle Sebring-Erfolge auf sich.

Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef): "Sebring steht unmittelbar vor der Tür; wir haben unsere Vorbereitungen abgeschlossen. Das wird ein großer und gewiss spannender Auftakt der neuen WEC. Es starten die kompletten Felder der WEC und der American Le Mans Series gemeinsam. Das Starterfeld besteht also aus mehr als 60 Autos. Das ist für die Fans und für den Motorsport ein toller Beginn einer Weltmeisterschaft. Für diejenigen, die dort fahren und ihre Autos heil ins Ziel bringen wollen, ist das aber eine recht aufwendige und anstrengende Aufgabe. Wir sind mit drei Autos dabei, um auch die Mannschaft frühzeitig im Jahr wieder gut einzuspielen. Es wird schwierig, ein solches Rennen ohne Kollisionen zu überstehen. Man muss sich aus allem heraushalten und trotzdem ein gutes Tempo gehen, was in Sebring immer wichtig ist. Nur dann hat man eine Chance, am Ende ganz oben zu stehen. Im Vorjahr hatten wir ein schnelles Auto, waren aber leider nicht erfolgreich. In diesem Jahr wollen wir das natürlich ausmerzen und für Audi den zehnten Sieg auf dieser historisch bedeutsamen Rennstrecke holen."

Ralf Jüttner (Technischer Direktor Audi Sport Team Joest): "Das ist der erste WM-Lauf für uns alle. Zum ersten Mal starten wir mit drei Autos in Sebring, was eine große Herausforderung werden wird. Wir freuen uns natürlich, dass die Saison dort beginnt und starten mit dem angepassten Vorjahresmodell. Es geht so weiter, wie wir es im Vorjahr in Atlanta erlebt haben - mit einem wahnsinnig vollen Starterfeld von mehr als 60 Autos. Man muss ohne Probleme und Fehler durchkommen, dann hat man gute Chancen auf vordere Plätze. Unsere Aufgaben sind klar: Wir müssen in den Rhythmus für die komplette Saison kommen und möglichst viele Punkte für die Weltmeisterschaft sammeln."

Marcel Fässler (35/CH), Audi R18 TDI #1 (Audi Sport Team Joest): "Uns steht ein spannendes Rennen bevor, denn mit mehr als 60 Autos auf der Strecke wird es für jeden ein bisschen eng. Natürlich erwarte ich, dass wir an der Spitze das Tempo angeben können. Persönlich freue ich mich, zum ersten Mal in einem LMP-Fahrzeug in Sebring um den Gesamtsieg kämpfen zu können. Ich hoffe, wir haben auch das nötige Quäntchen Glück dazu."

André Lotterer (30/D), Audi R18 TDI #1 (Audi Sport Team Joest): "Ich freue mich schon sehr, denn die neue Weltmeisterschaft wird sicher sehr interessant. Die Erwartungen sind hoch: Wir fahren natürlich, um zu gewinnen. Dieses 12-Stunden-Rennen habe ich noch nie bestritten. Ich habe in Sebring aber schon viele Testkilometer abgespult. Die Strecke liegt mir sehr, sie macht mir viel Spaß, ich fahre gerne dort. Deshalb ist die Vorfreude groß."

Benoît Tréluyer (35/F), Audi R18 TDI #1 (Audi Sport Team Joest): "Ich freue mich sehr auf meinen Einsatz. Ich werde zum ersten Mal in einem Rennen auf dieser Strecke starten, die ich bislang nur von Tests kenne. Das wird sicher keine einfache Aufgabe, aber die Atmosphäre ist exzellent, mit vielen Zuschauern und einer sympathischen Stimmung. Ich habe schon viel von diesem Rennen gehört - jetzt bin endlich auch ich dabei."

Dindo Capello (47/I), Audi R18 TDI #2 (Audi Sport Team Joest): "In Sebring gab es schon so viele schöne Erfolge für die Marke Audi und für uns Fahrer. Ich selbst habe dort schon vier Mal gewonnen. Natürlich wäre ein erneuter Sieg mit dem Audi Sport Team Joest eine tolle Sache, über die ich mich riesig freuen würde. Zuletzt ist uns das 2009 gelungen. Das ist subjektiv eine ganz schön lange Zeit. Unser Adrenalinspiegel steigt schon wieder an. Ein Erfolg bei der 60. Ausgabe dieses in den USA so bedeutenden Langstreckenrennens wäre besonders schön und wichtig."

Tom Kristensen (44/DK), Audi R18 TDI #2 (Audi Sport Team Joest): "Die Saison 2012 startet mit einem schönen, großen Rennen - den 12 Stunden von Sebring. Beim 60. Geburtstag der Veranstaltung kommt dort erstmals unser Audi R18 TDI zum Einsatz. In all den Jahren hat sich der Kurs fast nicht verändert. Der Charakter der Strecke, die Bodenwellen, der Asphalt - alles ist fast genau so wie früher. Eine legendäre Strecke, dazu mehr als 60 Starter bei der Jubiläumsausgabe: Die Saison könnte nicht besser, aber auch kaum härter starten."

Allan McNish (42/GB), Audi R18 TDI #2 (Audi Sport Team Joest): "In diesem Jahr steht Sebring für etwas ganz Besonderes: Die neue Weltmeisterschaft zieht viele Blicke auf sich. Und wie immer ist Sebring ein hartes Rennen. Für die vielen Fans ist das ein schöner Saisonauftakt. Die Atmosphäre und die Leidenschaft sind unvergleichlich. Für Audi Sport sind viele schöne Erfolge damit verbunden. Hoffentlich können wir diese Liste mit dem R18 TDI fortsetzen. Das ist ein ungewöhnliches Gefühl: Wir haben das Auto fast eine Saison lang eingesetzt, allerdings noch nicht in Sebring. Normalerweise hatten unsere Rennwagen dort ihr Debüt, aber diesmal ist es der letzte Einsatz für die bisherige Version des Autos. Ich bin mir nach unserem Test im Dezember sicher, dass der R18 TDI dort stark sein wird."

Timo Bernhard (31/D), Audi R18 TDI #3 (Audi Sport Team Joest): "Ich freue mich sehr auf Sebring. Zum ersten Mal bin ich dort 2001 gefahren. Das war auch mein erstes Langstreckenrennen und ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Strecke. Mit Romain Dumas gelang mir dort 2008 der Gesamtsieg. Im Vorjahr war unser Tempo gut, aber wir hatten zwei Reifenschäden, was uns alle Chancen auf den Sieg gekostet hat. In diesem Jahr gehe ich mit hohen Erwartungen dorthin. Sebring ist immer ein toller Auftakt, eine anspruchsvolle Rennstrecke und eine Super-Veranstaltung. Ich freue mich, wieder dabei zu sein."

Romain Dumas (34/F), Audi R18 TDI #3 (Audi Sport Team Joest): "Sebring ist eines der schönsten Rennen des Jahres. Gleichzeitig ist es aber sehr schwierig - 2012 starten mehr als 60 Autos. Man muss auf der Strecke bleiben und Problemen aus dem Weg gehen. Ich glaube, alles wird sich wirklich erst in der letzten Rennstunde entscheiden. Timo (Bernhard) und ich haben 2008 gewonnen, Loïc (Duval) im Vorjahr. Wir drei haben eine gute Chance auf den Sieg."

Loïc Duval (29/F), Audi R18 TDI #3 (Audi Sport Team Joest): "Das ist ein ganz besonderer Saisonbeginn für mich: Zum ersten Mal fahre ich für Audi, was schon seit längerem ein Traum von mir war. In Sebring beginnt mit der Langstrecken-Weltmeisterschaft eine neue Epoche. Für mich bedeutet die Rückkehr nach Florida auch persönlich etwas Spezielles, denn im Vorjahr habe ich das Rennen mit zwei Teamkollegen gewonnen. Bei Audi trete ich zusammen mit Timo Bernhard und Romain Dumas an und bin gespannt, wie gut wir uns einspielen. Eines ist schon heute sicher: Bereits in meinen ersten Wochen habe ich gemerkt, dass der Teamgeist bei Audi hervorragend ist."

Marcel Fässler über Sebring: "Im Vergleich mit einer modernen europäischen Rennstrecke ist Sebring ein Relikt aus den Sechzigerjahren. Dadurch gewinnt die Strecke sehr viel Charakter. Die Betonplatten des alten Flughafens sind mit deutlich spürbaren Fugen und teilweise viel Versatz aneinandergereiht. Nicht zuletzt dadurch gibt es unglaublich viele Bodenwellen. Die erste und die letzte Biegung gelten als Mutkurven. In die erste Kurve kann man nicht hineinsehen - dort verringert sich die Streckenbreite von rund 20 auf nur noch acht Meter. Am Kurvenausgang muss man auf starke Bodenwellen achten. Das kann vor allem nachts heikel werden. Generell ist die Strecke spärlich beleuchtet, aber zum Glück haben wir bei Audi das LED-Licht. Es hilft uns sehr und ich möchte es nicht mehr missen. Die Atmosphäre an der Strecke ist einzigartig. Berühmt ist der Turn-10-Club: Wenn man in Kurve zehn ausfallen sollte, wird es besonders schwierig, zur Box zurückzukommen. Der treue Fanclub nimmt die Fahrer dort besonders gern und lang in Beschlag."
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