Donnerstag, 9. Juli 2020
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Porsche Super Cup
21.09.2010

Norbert Siedler: „Ich habe meine Saisonziele punktgenau erreicht!“

Es hätte keinen stimmungsvolleren Schauplatz für ein „Grande Finale“ geben können als den königlichen Park von Monza, wo der Porsche Mobil 1 Supercup am vorletzten Sonntag noch einmal Werbung in eigener Sache machte. VELTINS-MRS-Pilot Norbert Siedler zieht seine persönliche Bilanz.

Am Ende noch einmal ein Podium und Platz 3 in der Gesamtwertung. Hättest Du dieses ‚Happy End‘ nach den verkorksten Rennen in Ungarn und Belgien überhaupt noch für möglich gehalten?
„Es waren mit Sicherheit keine einfachen Voraussetzungen, weil wir im Vorfeld ja leider nicht mehr in Monza testen konnten. Ich bin einfach dorthin gefahren, hab mein bestes gegeben, und nicht mehr an Spa und Budapest gedacht. Am Ende war es eines meiner besten Rennen und ohne das kleine Getriebeproblem in den letzten Runden hätte sich sogar Nick Tandy noch einmal strecken müssen.“

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Immerhin hast Du in der ersten Rennhälfte sogar einmal kurz die Führung übernommen…
„Da war ich so spät auf der Bremse, dass ich in der ersten Schikane den Notausgang nehmen musste. Und weil ich keine Durchfahrtsstrafe kassieren wollte, hab ich vorsichtshalber gleich drei Autos überholen lassen. Den Sean Edwards hab ich dann später noch einmal in der ‚Ascari‘ überholt, aber dann ging auf einmal das Hochschalten von 4 auf 5 nicht mehr richtig sauber, deshalb bin ich das Rennen auf Nummer sicher nach Hause gefahren.“

Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist gerade im Supercup sehr schmal. Es war wahrscheinlich nicht einfach für Dich, mit dieser Drucksituation fertig zu werden?
„Sagen wir es mal so, ich bin erleichtert und vor allem dankbar, dass es doch eine Art ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Man darf nämlich eines nicht vergessen: Ich bin gleich im ersten Rennen abgeschossen worden. Da ist mein Teamkollege, Jan Seiffarth , der hinter mir gestartet ist, immerhin Dritter geworden. Und in Monaco, Hockenheim und Spa bin ich aus verschiedenen Gründen leider auch weit hinter meinen Möglichkeiten geblieben. Man spürt mit der Zeit einfach, wo etwas geht und warum man von vornherein auf verlorenem Posten steht.“

Lass uns über die Highlights der Saison reden…
„Der Sieg in Barcelona, der zweite Platz in Valencia und ganz sicher das Finale in Monza. Ich wollte heuer mein erstes Rennen im Porsche Supercup gewinnen und in den Top-3 der Gesamtwertung klassiert sein, und diese beiden Ziele habe ich punktgenau erreicht. Wenn wir noch ein paar Kleinigkeiten ändern, kann 2011 mein Jahr werden.“

Nach Porsche-Werksfahrer Richard Lietz, der die 24 Stunden von Le Mans und die Le Mans Serie gewinnen konnte bist Du heuer offenbar der erfolgreichste Österreicher auf vier Rädern. Wird dieser Porsche Mobil 1 Supercup bei Deinen Landsleuten auch entsprechend gewürdigt?
„Leider nicht ganz so, wie das in Deutschland der Fall ist, wo es bei den Tourenwagen und bei den Sportwagen eine große Fangemeinde gibt. Bei uns sind es einerseits Leute, die sich selbst schnelle Autos leisten oder eben diejenigen, die sich etwas intensiver mit dem Motorsport auseinandersetzen. Die breite Masse interessiert natürlich nur die Formel 1.“

In den 13 Rennrunden von Monza habt Ihr die „Tifosi“ jedenfalls bestens eingestimmt und ihnen mehr Positionskämpfe geboten, wie sie 2 Stunden später bei ihrem Heim-Grand-Prix mit verfolgen konnten…
„Das zeigt, wie gut der Supercup in das Rahmenprogramm der Formel 1 passt. Wir fahren zwar nicht 350 sondern nur 290 km/h, aber dafür können wir uns auch einmal berühren, ohne gleich das Auto zu beschädigen. Ich mag diese Art des Rennfahrens und was ich am meisten schätze: Dass bei uns jeder mit den gleichen Waffen kämpft und nicht von Haus aus chancenlos ist, weil die Aerodynamik nicht stimmt oder der Motor.“

Ein letzter Blick zurück ins „Autodromo Nazionale“, wo vor 40 Jahren eine der größten Rennfahrerpersönlichkeiten verunglückte. Welche Gedanken löst der Name Jochen Rindt bei Dir aus?
„Wilder Hund, lässiger Typ, gefährliche Zeiten. Die Geschichte ist ja nirgends so präsent wie in Monza und wann immer man in den königlichen Park hineinfährt, muss man daran denken, wie lange hier schon Rennen gefahren werden und, vor allem, wer hier schon gefahren ist. Es war damals natürlich ein enormes Risiko im Spiel, aber auf gewisse Art und Weise war vieles auch einfacher und ehrlicher. Jochen Rindt hat es jedenfalls als erster geschafft und als dann noch Niki Lauda mit seinen 3 WM-Titeln dazugekommen ist, war Österreich endgültig als Land der guten Rennfahrer bekannt.“