Sonntag, 5. Februar 2023
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15.01.2023

Porsche Coanda Esports gewinnt Meistertitel in der virtuellen Le-Mans-Serie

Mit Platz zwei bei den virtuellen 24 Stunden von Le Mans hat sich das Porsche Coanda Esports-Werksteam den Titel gesichert. Joshua Rogers, Mitchell deJong, Ayhancan Güven und Laurin Heinrich fehlten im Ziel trotz mehrerer Rückschläge nur 21 Sekunden auf den Sieger. Ihre Teamkollegen im LMP-Rennwagen mit der Startnummer 23 wurden Sechste.

Das Porsche Coanda Esports Racing Team hat die virtuelle Le-Mans-Serie 2022/2023 für sich entschieden. Die Werksfahrer Joshua Rogers (Australien) und Mitchell deJong (USA) sind gemeinsam mit den ehemaligen Porsche-Junioren Ayhancan Güven (Türkei) und Laurin Heinrich (Deutschland) bei den virtuellen 24 Stunden von Le Mans auf den zweiten Platz gefahren. Das Quartett erreichte das Ziel auf dem digitalen Circuit des 24 Heures trotz zweier Durchfahrtsstrafen und unverschuldeten Zeitverlusten aufgrund von Server-Verbindungsproblemen nur 21,1 Sekunden hinter dem siegreichen LMP2-Fahrzeug des Teams Redline. Dieses Ergebnis genügte, damit das Nummer-20-Auto des Porsche-Coanda-Werksteams beim fünften und letzten Meisterschaftslauf auf der Simulationsplattform rFactor 2 die Tabellenführung übernehmen konnte. Im Schwesterauto mussten auch Mack Bakkum (Niederlande), Dayne Warren (Australien), Morris Schuring (Niederlande) und der neue Porsche-Junior Bastian Buus (Dänemark) im Verlauf des Rennens mit unglücklichen Rückschlägen kämpfen. Für sie sprang nach 24 Stunden der sechste Rang heraus.

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„Die virtuelle Le-Mans-Serie gehört zu den prestigeträchtigsten Meisterschaften im Simracing – so gesehen ist der Titelgewinn für uns der Wahnsinn. Er zeigt, wie hart wir über eine Saison gearbeitet haben, die am Anfang für uns etwas schwierig begonnen hatte“, betont Philip Stamm, Teamchef Porsche Coanda Esports Racing. „Natürlich ist es schade, am Ende eines 24-Stunden-Rennens mit knapp 20 Sekunden Rückstand Zweiter zu werden. Aber wir stehen am Anfang eines neuen Jahres und hoffen, dass noch viele weitere schöne Ergebnisse folgen werden.“

Die virtuellen 24 Stunden von Le Mans bildeten den Höhepunkt und den Abschluss der virtuellen Le-Mans-Rennserie. Besonderheit dieser Meisterschaft: Am Steuer der digitalen Rennwagen wechseln sich gestandene Profis aus dem realen Motorsport mit Simracing-Experten ab.

Beide Porsche Coanda-Rennwagen starteten aus der ersten Reihe

Bereits im Qualifying am Freitagabend konnte das Simracing-Werksteam von Porsche seine Konkurrenzfähigkeit unter Beweis stellen: Joshua Rogers setzte sich mit einer souveränen Bestzeit um fast eine Dreiviertelsekunde vom Zweitplatzierten ab. Der Australier zog damit ebenso wie sein Teamkollege Mack Bakkum im zweiten Porsche-Coanda-Rennwagen in die Hyperpole-Sitzung der schnellsten Sechs ein. Dort sorgten die beiden für eine optimale Ausgangssituation für das 24-Stunden-Rennen: Rogers eroberte die Pole-Position, Bakkum belegte den Platz neben ihm in der ersten Startreihe.

Das Rennen begann am Samstag um 14 Uhr turbulent: Mit einem ambitionierten Manöver in der ersten Schikane konnte der amtierende Formel-1-Weltmeister Max Verstappen zunächst die Führung an sich reißen. Startfahrer Laurin Heinrich behauptete mit der Nummer 20 die zweite Position, Porsche Supercup-Pilot Morris Schuring belegte Rang vier. Wenig später korrigierte Heinrich diese Reihenfolge wieder und setzte sich an die Spitze. Nach gut 3,5 Stunden im Rennen musste das Schwesterauto einen unverschuldeten Rückschlag einstecken: Ein technisches Problem entkoppelte Dayne Warren vom Server. Der Nummer-23-Rennwagen fiel zunächst auf Platz 23 zurück, erhielt später aber eine Zeitgutschrift von 250 Sekunden. Er kehrte dadurch in die Top 10 und die gleiche Runde der Spitzengruppe zurück. Weitere Server-Probleme auf der Simulationsplattform führten am frühen Abend dann zu längeren Rennunterbrechungen. Ab 21:30 Uhr nahmen die virtuellen 24 Stunden von Le Mans den regulären Betrieb wieder auf.

Die Nacht stellte die Nummer 20 vor besondere Herausforderungen. Ayhancan Güven geriet unter Druck durch die beiden Team-Redline-Autos, verteidigte seine Führung aber Runde für Runde mit Händen und Füßen. Dabei kam es auch zu leichten Berührungen zwischen den Rennwagen. Gegen 23:30 Uhr musste der Porsche-Junior von 2020 und 2021 hierfür eine Boxen-Durchfahrtsstrafe antreten. Sie warf Güven auf die neunte Position zurück. Knapp zwei Stunden später rückte das Auto, inzwischen in den Händen von Laurin Heinrich, wieder auf die zweite Position vor. Aufgrund eines „Unsafe Release“ beim folgenden Boxenstopp verhängte die Rennleitung gegen die Startnummer 20 jedoch eine weitere Durchfahrtstrafe. Heinrich kehrte auf Rang sechs auf die Strecke zurück, die Aufholjagd begann von Neuem.

Die Pechsträhne fand damit aber noch kein Ende. Bei Tagesanbruch kam es bei beiden Porsche-Coanda-Rennwagen und anderen erneut zu Serverproblemen. Sie vergrößerten den Rückstand auf die Spitze auf über zwei Minuten. Doch auch die Konkurrenz blieb nicht verschont: Kurz vor 7:00 Uhr am Sonntagmorgen fiel das führende Auto von Max Verstappen erst zurück und 90 Minuten später dann ganz aus. Gut vier Stunden vor Schluss belegte die Nummer 20 wieder die zweite Position, die Nummer 23 lag mit Minutenrückstand auf Rang vier. Sie erhielt gut zwei Stunden vor Rennende noch eine Durchfahrtsstrafe wegen Überschreitens der Streckenbegrenzung und kam auf Platz sechs ins Ziel. Dank einer ambitionierten Aufholjagd speziell in den letzten beiden Stunden konnten Rogers, deJong, Güven und Heinrich ihren Rückstand auf die Nummer 2 des Teams Redline zwar noch halbieren, aber nicht mehr vollständig aufholen. Für sie sprang die zweite Position heraus.

Starker Auftritt von Proton Coanda Esports in der GTE-Klasse blieb unbelohnt

Sechs digitale Porsche 911 RSR haben sich in der GTE-Kategorie der 24-Stunden-Herausforderung gestellt. Als bester Teilnehmer erreichte der Rennwagen von Project 1 by Dörr Esports das Ziel nach 322 Runden auf Rang vier. Dem Ungaren Norbert Kiss und seinen deutschen Teamkollegen Marc Gassner, Moritz Löhner, und Leonard Krippner fehlte eine Runde auf den Klassensieger. Raoul Hyman (Südafrika), Alexander Tauscher (Deutschland), Bryn Collins (Großbritannien) und der Niederländer Kevin van Dooren belegten mit dem Nummer-88-Auto von Proton Coanda Esports die vierte Position trotz eines Unfalls und einer 90-sekündigen Reparaturpause. Der 911 RSR von Oracle Red Bull Racing beendete das virtuelle 24-Stunden-Rennen auf Klassenrang zehn. Das zweite Auto von Proton Coanda musste morgens um 2:00 Uhr wegen eines Defekts aufgeben. Bis dahin konnten Loek Hartog (Niederlande), der Brasilianer Jefferson Giassi, Paschalis Gkergkis (Griechenland) und vor allem der Brite Charlie Collins der GTE-Wertung mit überlegenen Rundenzeiten klar den Stempel aufdrücken.

Mitchell deJong (Porsche Coanda Esports Racing Team #20): „Wir beenden die Saison als Meister, aber natürlich wollten wir auch ,Le Mans‘ gewinnen. Dennoch war es ein gutes Rennen für uns. Es ging hin und her, ich denke hier vor allem an die Strafen, die gegen uns verhängt wurden. Aber wir haben als Team immer weitergekämpft. Zum Schluss konnten wir den Rückstand noch bis auf 21 Sekunden verkürzen – es war also wirklich knapp. Am Ende des Tages hat es heute nur für den zweiten Platz gereicht.“

Laurin Heinrich (Porsche Coanda Esports Racing Team #20): „Es war ein sehr, sehr langes und mental anstrengendes Rennen – auch wegen der Unterbrechungen per Roter Flagge. Daraus hat sich eine sehr interessante Dynamik entwickelt, von der einige mehr und andere weniger profitieren konnten. Das liegt nicht immer in deiner Hand. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir konnten heute den zweiten Platz einfahren und damit auch die Meisterschaft gewinnen. Das ist ja auch einiges wert. Wir waren eigentlich immer das schnellste Auto auf der Strecke. Doch um eine 24-Stunden-Rennen zu gewinnen, brauchst du eben auch das nötige Glück.“

Mack Bakkum (Porsche Coanda Esports Racing Team #23): „Wir sind natürlich enttäuscht, wie sich die Dinge letztlich entwickelten. Wir haben viel Zeit verloren, ohne dass wir etwas dafür konnten. So etwas ist immer ärgerlich. Jeder hatte Probleme, manche waren stärker betroffen als andere. Ich bin wirklich sehr stolz auf das Team und darauf, wie wir zusammengearbeitet haben. Das ist am Ende das Wichtigste. Hoffentlich gelingt uns im kommenden Jahr ein besseres Rennen.“

Bastian Buus (Porsche Coanda Esports Racing Team #23): „Porsche Coanda Esports hat wirklich viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt – noch mehr, als ich ohnehin erwartet hatte. Es war großartig, Teil davon sein und daraus lernen zu dürfen. Mit Blick in die Zukunft bin ich mir sicher, dass ich von der hier gesammelten Langstreckenerfahrung auch in der realen Welt profitieren kann. Vom Ergebnis her lief es natürlich etwas unglücklich. Ein paar Dinge, die nicht in unserer Hand lagen, haben uns daran gehindert, ein besseres Ergebnis abzuliefern. Fahrerisch haben wir alle vier einen sehr guten Job gemacht. Mein Fazit lautet daher: Es hätte besser, aber auch deutlich schlechter laufen können.“
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