Donnerstag, 24. Juni 2021
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24h Nürburgring
07.06.2021

Jacob Erlbacher: „Viel Mehr als nur ein 24h Rennen“

Jacob Erlbacher erfüllt sich seinen Traum und setzt ein Ausrufezeichen mit der schnellsten Runde im Team #331. Mit Yannick Fübrich, Philipp Leisen und Marvin Kobus fährt das Team mit dem BMW 330i G20 von Adrenalin Motorsport auf Platz 3 beim 49. ADAC Total 24h-Rennen am Nürburgring.

Am Mittwoch ging es bei schönstem Sommerwetter noch mit dem Rad über die Nordschleife und Jacob Erlbacher lernte das frisch zusammengestellte Team für das 24h-Rennen kennen. Yannick Fübrich und Philipp Leisen ersetzten zwei Fahrer des ursprünglich geplanten Teams für die 331. 

Donnerstags dann das erste große Highlight, die Nachtqualifikation. Das erste Mal in der Dunkelheit auf der Nordschleife zu fahren, Corona bedingt ohne das Licht der Lagerfeuer und Campingplätze rund um die Strecke, ist eine finstere Angelegenheit. Gegen 22 Uhr ging es erstmals auf die wohl anspruchsvollste und gefährlichste Rennstrecke der Welt, der Puls von Erlbacher entsprechend hoch.

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„Nachts kommt einem im Auto alles viel schneller vor. Durch die dichten Wolken war es stockfinster. Ich musste mich erst daran gewöhnen, im Dunklen das Tempo der GT3s und Caymans, die angeflogen kommen, zu unterscheiden und die Distanzen richtig einzuschätzen. Die meisten setzen die Lichthupe schon ewig bevor sie da sind, ein. Es macht mega viel Spaß, denn alles ist intensiver als tagsüber. Gerne hätte ich die Camper und Zuschauer an den Camping- und Parkplätzen gesehen. Durch die Pandemie waren nur vereinzelt die Streckenposten als kleine Grüppchen wahrzunehmen“, schildere Erlbacher seine Eindrücke vom Nachtrennen.

Freitags stand das 3. Qualifikationsrennen von einer Stunde am Plan, wurde jedoch vom Team nicht gefahren, da die erreichte Platzierung bereits mehr als zufriedenstellend war und somit das Risiko eines Unfalls nicht verhältnismäßig zum Ergebnis erschien. Die Fahrereinteilung bis Mitternacht für die 24 Stunden wurde durchgeplant und das Fahrzeug mit der Startnummer 331 rennfertig gemacht.

Samstags ging es planmäßig um 15.30 Uhr von Platz 4 der VT2 ins Rennen. Das Wetter hatte sich gedreht, war unbeständig, stark bewölkt und Regenschauer wirbelten sämtliche Platzierungen durcheinander. Gestartet wurde mit Regenreifen. Fübrich sollte zwei Stints im Regen fahren, um dann an Erlbacher zu übergeben. Nach der ersten Runde entschied man sich auf Slicks zu wechseln, da der größte Teil der mehr als 25 km langen Strecke schneller als gedacht trocknete. Ein fataler Fehler, denn schon nach dem Verlassen der Boxengasse ging ein Regenschauer nieder. So musste erneut auf Regenbereifung gewechselt werden. „Die ersten 2 Stunden waren verrückt. Regen ohne Ende und extrem viele Autos hatten Unfälle“, fasst Erlbacher zusammen. Nachdem es beim Fahrerwechsel noch immer regnete, blieb die Regenbereifung am Fahrzeug und Erlbacher ging damit in seinen Stint. „In der zweiten Runde hat die Strecke angefangen, schnell aufzutrocknen und die Regenreifen haben stark abgebaut. Die Teamorder lautete per Funk, ich solle 2 Runden damit weiterfahren, um zeitgleich auch den Fahrerwechsel zu machen. Kein Leichtes für mich, konnte aber die Pace soweit halten und das Fahrzeug an Philipp Leisen übergeben.“

Leisen bekam in seinem Stint einen Schlag auf die linke Felge, wodurch der Querlenker kaputt ging und somit gewechselt werden musste. Der Frikadelli Porsche #30 hatte ihm diesen beim Vorbeifahren verpasst. Das bedeutete 10 Minuten Zeitverlust in der Box durch die notwendige Reparatur. Die bis dahin herausgefahrene Zeit war weg und es ging wieder von Platz 4 zurück ins Rennen. Danach verlief alles nach Plan, doch der Nebel zog immer stärker zusammen, bis um ca. 21.30 Uhr das Rennen wegen „Nullsicht“ abgebrochen werden musste. „Von der Box aus konnte man die gegenüberliegende Tribüne nicht mehr sehen und mit 15 Code-60 Streckenabschnitten war das dann auch kein Rennen mehr. Ich hätte einen Doppelstint um Mitternacht gehabt, aber daraus wurde leider nichts.

Der Restart wurde immer wieder verschoben. Um 6 Uhr morgens sollte es dann konkrete Infos geben, doch auch dann wurde immer wieder weiter nach hinten verschoben. Erst um 11.40 Uhr war es endlich soweit. Der Nebel war zumindest so, dass man entscheiden konnte, das Rennen fortzusetzen.

Erlbacher fuhr den Restart. „Auf meiner Einführungsrunde konnte ich mir die Streckenverhältnisse anschauen. Schmieriger, feuchter Asphalt und teilweise schlechte Sicht. Eigentlich sowieso das was ich fahren und üben wollte.“ Der Restart lief gut. Erlbacher fuhr in seiner zweiten Runde nach dem Restart mit 9:54.304 die schnellste Rennrunde im Team ein. Er konnte mit seiner konstanten Leistung eine Position gut machen und den BMW auf Platz 3 und einem Vorsprung von rund 3 Minuten an Kobus abgeben.

Weitere Zwischenfälle blieben aus und eine Platzierung unter den besten Drei für Erlbacher ein Ergebnis, mit dem er nicht gerechnet hatte. „Die Strecke ist schwierig, das Wetter unvorhersehbar und wenn man bedenkt, dass von 121 Teams 22 das Rennen nicht beendet konnten, dann ist das schon eine vorzeigbare Gesamtleistung. Wir hätten natürlich gerne die 10 Minuten Reparatur wieder aufgeholt, aber dafür war die Restzeit zu knapp. Auch die Zeitstrafe von 6:07 Minuten hat uns bis zum offiziellen Rennergebnis zittern lassen, ob es wirklich für P3 reicht. Das Team hat hervorragend funktioniert, das Rennen war mit insgesamt 9 Stunden verdammt kurz und bei so vielen Unfällen sind wir alle erleichtert, ohne weiteren Schaden mit diesem Ergebnis ins Ziel gekommen zu sein“, resümiert Erlbacher.

Ein trauriger Rekord wurde auf jeden Fall bei Erlbachers Debüt gebrochen. 2021 wird in die Geschichte eingehen als das kürzeste 24h-Rennen auf der Nordschleife. 1992 wurden vom schnellsten Team noch 76 Runden gefahren. In 2021 waren es nur 59 Runden mit mehr als 14 Stunden Rennunterbrechung. Der Grund war der gleiche. „Nullsicht“ in den Streckenpassagen Döttinger Höhe und Hohe Acht sowie starker Nebel über großen Teilen der Nordschleife. Das Wetter in der Eifel ist unberechenbar und wird es wohl auch bleiben.

„Das Feeling des 24h-Rennens kam bei mir nicht auf. Ich nehme es als Anfang und bin mir sicher, ich werde noch viele Rennen hier bestreiten. Ich freue mich jetzt schon ganz besonders auf 2022, denn dann ist es die 50. Auflage. Hoffentlich mit vielen Zuschauern rund um die gesamte Strecke und dem so unvergleichlichen Pulsieren die ganze Nacht. Das ist was ich will. Rumsitzen und warten ist definitiv nicht mein Ding.“


Fragen und Antworten


Wie war der Restart? 
Jacob Erlbacher: „Es war abgemacht, dass ich den fahre und ich war einfach nur froh noch Fahrzeit zu bekommen. Es war ja unklar, ob nicht noch einmal abgebrochen wird“

Warst du bei Unfällen nah dran?
Jacob Erlbacher: „Es waren etliche. Der Bilstein Mercedes in Hohenrein gegen Anfang vom Restart ist das was noch hängen geblieben ist. Als ich vorbei gefahren bin war schon Code-60 und der Mercedes unter der Leitplanke. Ich konzentriere mich auf das was ich tue und achte nicht so auf das was rund um mich schon passiert ist. Das sehe ich mir nachher im Stream an.“

Welche Momente waren brenzlig?
Jacob Erlbacher: „Es ist immer wieder mal knapp, das gehört aber zum Rennen dazu. Also keine besonderen Vorkommnisse.“

Wann hast du realisiert, dass du das legendäre 24h-Rennen gefahren bist?
Jacob Erlbacher: „Leider noch gar nicht. Durch die lange Unterbrechung hat es sich wie zwei Sprintrennen angefühlt. Und es war noch bei weitem nicht das was ich mir vorstelle. Daher muss ich unbedingt im nächsten Jahr wieder an den Start.“

Was ging dir durch den Kopf als du das erste Mal aus der Box auf die Strecke gefahren bist?
Jacob Erlbacher: „Ich war total entspannt und voller Vorfreude auf die lange Zeit und die vielen Runden auf der Nordschleife.“

Wie war es, an der Mercedes Benz Tribüne vorbei zu fahren und im Auto zu sitzen?
Jacob Erlbacher: „Mega! Die Leute zu sehen und vor allem nachts über die Start-Ziel-Gerade zu fahren mit der beleuchteten Boxengasse und der Tribüne.“

Wie war das ewige Warten?
Jacob Erlbacher: „Total nervig, denn eigentlich bin ich hierhergekommen um viel zu fahren und letztendlich hatte ich weniger Fahrzeit als bei der NLS3. Das war schon sehr enttäuschend und frustrierend.“

Einsetzender Regen und Nebel, war das ein Problem für dich?
Jacob Erlbacher: „Nein, das war genau das was ich üben und machen wollte. Nur das bringt mich weiter und da konnte ich Erfahrung und Selbstvertrauen sammeln.“

Was ist dir wichtig für das 24h-Rennen in 2022?
Jacob Erlbacher: „2022 ist ein Jubiläums Jahr. Das 50. 24h-Rennen auf der Nordschleife und da steht ganz klar der Klassensieg im Fokus. Am besten mit einem eigenen Auto. Ich möchte ganz vorne mitfahren, also bei den GT3 Fahrzeugen und da soll es auch um den Gesamtsieg gehen.“