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Sportwagen Allgemein
05.07.2020

Beide Porsche 911 RSR auf dem Podest – Champions jetzt in der Tabelle vorn

Porsche hat auch im zweiten Saisonlauf der IMSA WeatherTech SportsCar Championship mit beiden 911 RSR das Podest erreicht. Im Rennen über 2:40 Stunden auf dem Daytona International Speedway (USA) fuhren Earl Bamber aus Neuseeland und der Belgier Laurens Vanthoor im Werksauto mit der Startnummer 912 auf den zweiten Platz in der GTLM-Klasse.

Damit konnten die amtierenden Champions Bamber und Vanthoor auch die Tabellenführung in der Fahrerwertung übernehmen. Die Markenkollegen Frédéric Makowiecki (Frankreich) und Nick Tandy (Großbritannien) kamen im Schwesterauto mit der Nummer 911 auf Rang drei ins Ziel. Beim 24 Stunden langen Saisonauftakt im Januar an gleicher Stelle waren die beiden Autos auf exakt den gleichen Positionen gewertet worden.

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Das Sprintrennen in Florida konnte aufgrund einer starken Gewitterfront erst mit rund einer halben Stunde Verspätung gestartet werden. Auf anfangs nasser Strecke wagte die Einsatz-Crew des Porsche 911 RSR mit der Startnummer 911 eine besondere Strategie. Im Gegensatz zu allen Konkurrenten aus der GTLM-Kategorie ging Tandy von Startplatz sechs zunächst mit Regenreifen in den Wettbewerb. Der Vorteil dieser Wahl wurde sofort offensichtlich. Innerhalb von nur einer Runde setzte sich der Brite nicht nur an die Spitze der Klasse, sondern überholte sogar zwei der schnellen Fahrzeuge aus der Prototypenklasse. Das Feuerwerk war auf der schnell abtrocknenden Strecke jedoch nur von kurzer Dauer. Tandy musste wegen abbauender Reifen bereits nach fünf Runden zu einem frühzeitigen Radwechsel, der die Startnummer 911 weit zurückwarf. Mit kluger Strategie, schnellen Boxenstopps und konstanten Rundenzeiten fuhren sich Tandy und Makowiecki in der Folge bis auf den dritten Rang nach vorn.

Die Mannschaft des Schwesterautos setzte auf eine vorsichtigere Taktik und startete auf Slickreifen. In der Frühphase konnte Vanthoor zunächst Platz zwei halten, fiel aber im Verlauf seines Stints phasenweise bis auf Rang fünf zurück. Ein enorm schneller und beeindruckend konstanter Stint von Bamber über 32 Runden zur Mitte des Rennens war der Schlüssel auf dem Weg zum zweiten Platz. Der Neuseeländer lag in der Schlussphase sogar kurz in Führung, musste sich aber letztlich der später siegreichen Corvette geschlagen geben. Bei Zieldurchfahrt hatte der rund 515 PS starke Porsche 911 RSR, der auf dem Hochleistungs-Sportwagen 911 GT3 RS* basiert, nur einen Rückstand von 1,977 Sekunden auf die Spitze.

In der GTD-Klasse erreichte Werksfahrer Patrick Long (USA) gemeinsam mit seinem Landsmann Ryan Hardwick am Steuer des Porsche 911 GT3 R von Wright Motorsports den siebten Platz. Das Kundenteam aus dem US-Bundesstaat Ohio zeigte im Rennen eine fehlerlose Leistung und rangiert in der GTD-Meisterschaft nun auf Rang vier. In der Herstellerwertung liegt Porsche nach dem zweiten Lauf der Saison mit 64 Punkten auf Platz drei. Der Rückstand auf die Spitze beträgt nur einen einzigen Zähler. In der Fahrerwertung haben die amtierenden GTLM-Champions Bamber und Vanthoor vor dem dritten Saisonrennen am 18. Juli in Sebring (USA) die Führung übernommen.

Steffen Höllwarth (Einsatzleiter IMSA Championship): „Gratulation an die Kollegen von Corvette zum 100. Sieg in der IMSA-Serie. Für uns hat es leider nicht ganz gereicht. Es war nach dem Qualifying klar, dass wir nicht das schnellste Auto im Wettbewerb haben würden. Deshalb haben wir beim Start mit der Nummer 911 etwas riskiert, das sich nicht ausgezahlt hat. Mit dem Schwesterauto wollten wir uns aus allem Ungemach heraushalten. Das hat sehr gut funktioniert. Die Konstanz war erstklassig, die Fahrt fehlerlos und die Boxenstopps extrem schnell. Wir haben heute alles in die Waagschale geworfen. Mit Platz zwei und drei sind wir zufrieden.“

Nick Tandy (Porsche 911 RSR #911): „Wir haben ganz bewusst auf eine Strategie gesetzt, die anders war als bei allen Mitbewerbern. Es war im Nachhinein betrachtet die falsche Wahl. Es hätte aber nur zwei oder drei Runden lang weiterhin nass bleiben müssen. Dann hätte es funktioniert, weil wir einen ausreichend großem Vorsprung hätten herausfahren können. Wir haben insgesamt noch das Beste daraus gemacht. Es waren erneut beide Porsche 911 RSR auf dem Podest. Darüber darf man sich keinesfalls beschweren.“

Frédéric Makowiecki (Porsche 911 RSR #911): „Der starke Regenguss vor dem Start hat die Möglichkeit für einen Strategiepoker eröffnet. Wir haben es versucht. Leider ist es schiefgegangen. Die Strecke wurde zu schnell trocken, außerdem kam einfach keine Gelbphase, die uns sicherlich geholfen hätte. Unser Tempo im Rennen war sehr stark. Darauf wollen wir im kommenden Rennen ausbauen. In Sebring waren wir in den vergangenen Jahren immer schnell und erfolgreich. Wir möchten unbedingt den ersten Saisonsieg einfahren.“

Earl Bamber (Porsche 911 RSR #912): „Unser Porsche 911 RSR war wieder sehr gut, aber heute sicherlich nicht das schnellste Auto im harten Wettbewerb der GTLM-Klasse. Wir haben das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht und viele Punkte geholt. Die Fahrt auf Platz zwei hat uns nun sogar an die Spitze der Fahrermeisterschaft gebracht – perfekt! Vielen Dank an Porsche, die IMSA und alle weiteren Beteiligten, dass endlich wieder realer Rennsport möglich gemacht wurde. In zwei Wochen in Sebring greifen wir erneut an. Ich freue mich schon darauf.“

Laurens Vanthoor (Porsche 911 RSR #912): „Wir waren dem ersten Sieg mit dem neuen Porsche 911 RSR in den USA so nahe. Platz zwei ist okay. Die Tatsache, dass wir in der Meisterschaft nun die Führung übernommen haben noch umso mehr. Ich bin tatsächlich hin- und hergerissen zwischen Zufriedenheit und leichter Enttäuschung. Wir werden versuchen, es beim nächsten Rennen in Sebring noch ein bisschen besser zu machen. Erst einmal war es klasse, endlich wieder ein echtes Rennen zu fahren.“

Patrick Long (Porsche 911 GT3 R #16): „Es war ein anstrengender Tag, vor allem in meinem Doppelstint im Rennen. Dank einer soliden Leistung des Teams sind wir auf Platz sieben ins Ziel gekommen. Die Boxenstopps waren perfekt, die Strategie war grundsätzlich gut. Allerdings haben wir im intensiven Wettbewerb nicht so viel Sprit sparen können wie ursprünglich geplant. Daher mussten wir kurz vor dem Ende noch einmal an die Box. Unter den gegebenen Voraussetzungen war Platz sieben das Maximum.“

Ergebnis GTLM-Klasse
1. Garcia/Taylor (E/USA), Chevrolet Corvette C8.R #3, 90 Runden
2. Bamber/Vanthoor (NZ/B), Porsche 911 RSR #912, 90 Runden
3. Tandy/Makowiecki (GB/F), Porsche 911 RSR #911, 90 Runden

Ergebnis GTD-Klasse
1. Hawksworth/Telitz (GBR/USA), Lexus RC F GT3 #14, 87 Runden
2. Bell/Montecalvo (USA/USA), Lexus RC F GT3 #12, 86 Runden
3. Farnbacher/McMurry (D/USA), Acura NSX GT3 #86, 86 Runden