Mittwoch, 14. November 2018
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Sportwagen Allgemein
15.10.2018

Ford gewinnt die GTLM-Herstellermeisterschaft in der IMSA-Serie

Mit dem Überqueren der Startlinie hat sich das Werksteam Ford Chip Ganassi Racing (CGR) beim Saisonfinale der nordamerikanischen IMSA-Sportwagenserie mit dem Ford GT zum Meister in der GTLM-Herstellerwertung gekürt. Am Ende des zehnstündigen „Petit Le Mans“ auf der 4,088 Kilometer langen Rennstrecke von Road Atlanta sicherten sich Dirk Müller (Burbach im Siegerland) und Joey Hand (USA) zugleich den Titel im Tequila Patrón North American Endurance Cup (TPNAEC) für die besten Fahrer der IMSA-Langstrecken-Wettbewerbe, zu denen neben den 24 Stunden von Daytona und den 12 Stunden von Sebring auch die Läufe in Watkins Glen und Atlanta zählten. Mit Klassenplatz fünf schlossen Richard Westbrook (GB) und Ryan Briscoe (AU) die IMSA-Saison als Vizemeister der GTLM-Fahrerwertung vor ihren Teamkollegen Müller und Hand ab.

Am anderen Ende der Welt, im japanischen Fuji, beendete der Ford GT von Andy Priaulx und Henry Tincknell (beide GB) das Sechsstundenrennen der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC (World Endurance Championship) auf Rang drei der Klasse GTE Pro. Das Schwesterauto von Stefan Mücke (DE) und Olivier Pla (FR) belegte Rang sechs und verteidigte damit nach vier von acht Läufen der WEC-„Supersaison“ – die noch bis zu den 24 Stunden von Le Mans 2019 andauert – den zweiten Platz in der GTE-Fahrertabelle.


IMSA: Titelgewinn beim Saisonfinale, dem Zehnstundenrennen Petit Le Mans

„Das Petit Le Mans ist immer ein hartes Rennen auf einer schwierigen Strecke mit einer Menge Überholverkehr“, erläuterte Joey Hand, der gemeinsam mit Dirk Müller in Atlanta Unterstützung durch Sébastien Bourdais (FR) erhielt und im Rennen auf GTLM-Platz sieben fuhr. „Wir haben es uns gut eingeteilt und in der Frühphase exakt das getan, was nötig war, um nach vier der zehn Stunden erstmals Punkte für die TPNAEC-Wertung einzufahren. Dieses Spiel hat sich an der Achtstundenmarke wiederholt – darauf kam es heute für uns an. Der Titelgewinn in der Herstellermeisterschaft für Ford ist ein großartiger Erfolg und zeigt, wie stark dieser Rennstall ist. Welche andere Marke hat im Laufe der IMSA-Saison fünf Siege davongetragen? Wir arbeiten als Team wirklich eng und freundschaftlich zusammen, nach der Zieldurchfahrt gibt es kein Nummer-66- und Nummer-67-Auto mehr. Ich betone es ja immer wieder: Es macht mit dieser Truppe enorm viel Spaß. Wenn du dich in einer Gruppe richtig wohlfühlst, dann stellen sich die Erfolge unweigerlich ein, das haben wir erneut bewiesen“.

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„Wir haben ein solides Rennwochenende abgespult“, betont Ryan Briscoe nach GTLM-Rang fünf, den er und Westbrook zusammen mit Scott Dixon (NZ) herausgefahren haben. „Die Jungs von Chip Ganassi lieferten einmal mehr einen tollen Job ab, wir waren eigentlich auf der richtigen Strategie unterwegs und haben unseren Ford GT an die Spitze gebracht. Bis zur zehnten Rennstunde durften wir noch auf den Gewinn der Fahrermeisterschaft hoffen. Ich habe in der ersten Hälfte meines letzten Stints eine Qualifying-Runde nach der anderen herausgehauen, das lief ab wie im Film – doch in den 30 Schlussminuten wendete sich das Blatt gegen uns. Dennoch können wir auf eine wirklich gute Saison zurückblicken, auch wenn es das eine oder andere Auf und Ab gab. Daran müssen wir für das kommende Jahr arbeiten.“

„Der Gewinn der GTLM-Herstellermeisterschaft ist ein großartiger Beweis, wie erfolgreich unser Rennprogramm mit dem Ford GT auch im dritten Jahr unseres Engagements läuft“, freut sich Mark Rushbrook, als Direktor von Ford Performance für die Motorsportaktivitäten des Unternehmens weltweit verantwortlich. „Wir haben die bei weitem beste IMSA-Saison erlebt, wie fünf Siege mit unseren beiden Ford GT unterstreichen. Von unseren Ingenieuren über das Team von Chip Ganassi und den Fahrern bis hin zu unseren Partnern Michelin, Roush Yates Engines und Multimatic waren alle auf das eine Ziel konzentriert: den Titel. Ich bin so glücklich, diese Trophäe für alle Mitarbeiter von Ford auf der ganzen Welt nach Hause zu bringen.“


WEC: Turbulentes Sechsstundenrennen und Rang drei für den Ford GT

Am Ende eines ereignisreichen Sechsstundenrennens am Fuße des Mount Fuji fuhren Andy Priaulx und Henry Tincknell beim vierten Lauf der WEC-Supersaison auf Podestplatz drei der LM GTE-Wertung, Stefan Mücke und Olivier Pla wurden Sechste. Der japanische WEC-Lauf hatte auf regennasser und damit rutschiger Strecke begonnen. Speziell in der hektischen, von Safety-Car-Phasen geprägten Anfangsphase rückten die beiden Ford GT in der Rangliste vor und zurück, bevor sie nach gut 60 Minuten die Positionen zwei und vier für Tincknell und Mücke belegten.

Auch als sich die äußeren Bedingungen verbesserten und die Wahl profilloser Slick-Reifen erlaubten, setzten sich die Wechselspiele an der Spitze munter fort. Praktisch jeder der fünf in der LM GTE-Wertung engagierten Hersteller lag zu einem bestimmten Zeitpunkt des Rennens in Führung mit Chancen auf den Sieg. Speziell Andy Priaulx im Ford GT mit der Startnummer 67 durfte sich über so viele spannende Positionskämpfe freuen, darunter auch mit dem später siegreichen Fahrzeug, dass er sich bereits in seine Zeit als Tourenwagen zurückversetzt wähnte. Seinem Teamkollegen Harry Tincknell erging es nicht anders.

„Ausgehend von unserer Performance an diesem Wochenende hatten wir fest damit gerechnet, um einen Podestplatz kämpfen zu können – so lange wir konzentriert bleiben und uns keine Fehler erlauben“, so Tincknell. „Das Rennen verlief dann auch ohne große Probleme. Andy und ich kamen gut durch den Überrundungsverkehr und unsere Mechaniker haben auch bei den Boxenstopps alles richtig gemacht. Das war nicht selbstverständlich, denn speziell die Gelbphasen verlangten uns im Hinblick auf die Reifenwahl und dem Timing der Tankstopps mutige Entscheidungen ab. Jede einzelne Runde heute mussten wir im Qualifying-Modus fahren, um in den Kurven die Zeit zu kompensieren, die wir auf der langen Start-Ziel-Geraden verloren haben – das ist aber auf Dauer sehr ermüdend. Ich bin sehr froh, dass alles glatt gelaufen ist.“

Stefan Mücke und Olivier Pla erlebten dafür ein Sechsstundenrennen zum Vergessen. Das deutsch-französische Duo, das 2016 in Fuji noch die Pole-Position erobern konnte, konzentriert sich bereits auf den nächsten WEC-Lauf, der am 18. November in Shanghai auf dem Programm steht.

„Heute war eine Enttäuschung für uns“, nimmt der Berliner kein Blatt vor den Mund. „Als ich gesehen hatte, dass es nass ist, freute ich mich schon – ein Regenrennen eröffnet immer ungeahnte Möglichkeiten. Wir hatten uns mit den Regenreifen auch für die richtige Strategie entschieden und der Ford GT fühlte sich wirklich stark an, als das Safety-Car auf die Strecke ging. Das war der erste Rückschlag. Auch danach lief es für uns in die genau falsche Richtung, denn wir griffen anschließend zu den falschen Pneus und konnten nicht mehr zurückschlagen. Ich freue mich jetzt auf China. Olivier und ich mögen den dortigen Grand Prix-Kurs.“

„In Fuji haben wir eines dieser typischen Rennen erlebt, in denen es permant auf und ab geht“, fasst Teamchef George Howard-Chappell zusammen. „Am Ende sind wir etwas enttäuscht, da wir zwischenzeitlich mit einem Sieg gerechnet hatten. Wir müssen eingestehen, nicht immer zur passenden Zeit die richtigen Reifen gewählt zu haben, wenn wir etwas mehr hätten riskieren können – aber das lässt sich im Rückblick natürlich immer leicht sagen. Alles in allem hat das Team einen guten Job abgeliefert, jeder gab sein Bestes, mehr können wir nicht verlangen.“