Dienstag, 14. August 2018
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
FIA WEC
07.05.2018

Ford Chip Ganassi Racing startet mit Sieg in neue WEC-Saison

Beim Saisonauftakt zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) auf der Ardennen-Achterbahn von Spa-Francorchamps feierte der Ford GT mit der Startnummer 66 den Sieg in der GTE Pro-Wertung. In einem ereignisreichen Sechsstundenrennen triumphierte der Berliner Stefan Mücke gemeinsam mit seinen beiden Teamkollegen Olivier Pla (FR) und Billy Johnson (USA). Damit startet das Trio des Werksteams Ford Chip Ganassi Racing mit maximaler Punktausbeute in die neue Super-Saison der WEC, die sich erstmals über zwei Kalenderjahre erstreckt. Weniger erfreulich verlief das Rennen für den zweiten Ford GT mit der Nummer 67: Harry Tincknell (GB), Andy Priaulx (GB) und Tony Kanaan (BR) fielen aufgrund eines Unfalls in der zweiten Rennstunde aus der Wertung.

„Wir haben hier ein Rennen der Extreme erlebt“, fasste George Howard-Chappell, WEC-Teamchef von Ford Chip Ganassi Racing, zusammen. „Das Wichtigste: Harry Tincknell hat den Unfall unverletzt überstanden. Das zeigt, wie sicher der Ford GT ist. Wir werden genau analysieren, was passiert ist. Andererseits freuen wir uns natürlich über das hervorragende Ergebnis unseres Nummer-66-Fahrzeugs. Die Jungs haben zwei Jahre lang auf diesen Sieg hingearbeitet, sie sind fantastisch gefahren. Das Überholmanöver von Olivier Pla vor der Eau Rouge war eines der besten, die ich jemals gesehen habe.“

Anzeige
Die beiden Ford GT hatten im Qualifikationstraining die Plätze eins und zwei in der GTE Pro-Klasse erobert und gingen aus der ersten Reihe ins Rennen. Nach dem Start kam Harry Tincknell im Ford GT mit der Nummer 67 etwas von der Ideallinie ab. Diese Chance nutzte Stefan Mücke im Schwesterauto, um die erste Position zu übernehmen. Im weiteren Rennverlauf setzte sich das Führungstrio sukzessive vom Rest des Feldes ab. Hinter Mücke jagte Tincknell den Porsche von Gianmaria Bruni.

„Direkt nach dem Start war die Strecke beim Anbremsen zur ersten Kurve ziemlich rutschig“, erklärte Mücke. „Ich habe gesehen, dass Harry genau wie ich mit blockierenden Rädern zu kämpfen hatte. Ich konnte an ihm vorbeiziehen – das war für uns vermutlich die rennentscheidende Szene.“

Dank der perfekten Arbeit von Ford Chip Ganassi Racing eroberte der Ford GT mit der Startnummer 67 nach dem ersten Boxenstopp die zweite Position zurück. Damit führten die Autos von Stefan Mücke und Harry Tincknell das GTE Pro-Feld an. Kurz nach Beginn der zweiten Rennstunde jagten beide Autos im Formationsflug durch die Eau Rouge. Während Mücke die Bergaufpassage problemlos passierte, kam Tincknell in der Raidillon-Kurve von der Strecke ab und prallte heftig in die Reifenstapel. Trotz des harten Aufpralls bliebt der Brite unverletzt. Zunächst wurde er zur medizinischen Untersuchung ins Streckenhospital gebracht, konnte aber bereits wenig später zu seinem Team zurückkehren.

„Ich war auf meiner normalen Rennlinie unterwegs. Als ich vom Kerb zurück auf den Asphalt kam, setzte das Auto hart auf – von da an war ich nur noch Passagier“, erklärte Tincknell. „Es fühlte sich an, als sei mit dem Auto irgendetwas nicht in Ordnung gewesen. Das Team wird diesen Unfall nach dem Rennen genau analysieren. Derzeit fühle ich mich noch etwas durchgeschüttelt, denn der Aufprall war mit 29 g doch ziemlich heftig. Aber die Tatsache, dass ich unverletzt blieb und einfach aussteigen konnte, zeigt, wie sicher unser Ford GT ist.“

Unterdessen wurde der Ford GT mit der Nummer 66 von einem Fahrzeug der LMP2-Kategorie von der Strecke gedrängt und verlor dadurch die Führung. Danach übernahm Billy Johnson das Steuer von Stefan Mücke und machte sich auf die Jagd des nun führenden Porsche. Der US-Amerikaner spulte einen perfekten Doppelstint ab und übergab das Cockpit zwei Stunden vor Rennende an Olivier Pla, der das letzte Drittel absolvierte.

Der Franzose verkürzte den Rückstand sukzessive. Eine Stunde vor Schluss lag die Nummer 66 nur noch 14 Sekunden hinter dem Führenden. In der Folge profitierte Pla von einer Safety Car-Phase. Beim anschließenden Restart lag er in Schlagdistanz und setzte zum Angriff an. Was folgte, war die vermutlich beste Szene des gesamten Rennens: Mit einem sehenswerten Manöver zog Pla in der Eau Rouge am Nummer-91-Porsche vorbei und konnte sich in der Folge sogar einen Vorsprung herausfahren. Unter dem tosenden Applaus des Teams Ford Chip Ganassi Racing überquerte der Ford GT 45 Minuten später die Ziellinie als Sieger.

„Ich wusste, dass ich den Porsche so schnell wie möglich überholen und danach ein Zeitpolster herausfahren musste. Toll, dass das geklappt hat“, freute sich Olivier Pla. „Die vergangene Saison war nicht einfach für uns. Wir waren stets sehr schnell unterwegs, aber leider häufig vom Pech verfolgt. Diverse Zwischenfälle brachten uns immer wieder um den verdienten Lohn. Umso glücklicher sind wir heute nach diesem tollen Erfolg! Meine Teamkollegen haben über das gesamte Wochenende einen perfekten Job gemacht, das Auto war einfach fantastisch. Ich hoffe, dass wir bei den folgenden Rennen an diese Vorstellung anknüpfen können.“

„Als einer der Entwicklungsfahrer des Ford GT ist es für mich eine große Ehre, mit diesem Fahrzeug Rennen zu bestreiten“, betonte Billy Johnson. „Mit diesem Sieg schließt sich der Kreis – für mich wird ein Traum Wirklichkeit. Ich liebe es, mit diesen tollen Teamkollegen und unserer starken Mannschaft an den Start zu gehen. Ein fantastischer Auftakt für die Super-Saison 2018/2019!“

Der Berliner Stefan Mücke zeigte sich nach dem Rennen ebenfalls begeistert: „Auf dieses Ergebnis haben wir lange gewartet. Diesmal lief für uns alles nach Plan und ich hoffe, dass wir dem Team auch in Zukunft noch einige tolle Momente bescheren können.“

Für George Howard-Chappell war der Sieg des Ford GT besonders ergreifend: „Dieser Triumph bedeutet mir persönlich besonders viel. Aufgrund der Terminüberschneidung mit dem Sechsstundenrennen konnte ich nicht an der Beerdigung von John Miles teilnehmen. Er war es, der mich in den Motorsport gebracht hat. Daher möchte ich ihm diesen Sieg widmen.“