Sonntag, 16. Mai 2021
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Le Mans Series
20.07.2016

Starkes Ergebnis für Andreas Wirth in der Steiermark

Nur viel Pech verhinderte einen Podiumsplatz des Protoypenneueinsteigers im BR01-Le Mans-Rennwagen des SMP-Teams. Auf Platz zwei liegend wurde Teamkollege Stefano Coletti in der Schlussphase nach Kollision zu unfreiwilligen Boxenstopp gezwungen, was das ambitionierte Team auf Platz vier zementierte.
 
Nach einer zweimonatigen Pause, bedingt durch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wurde auf dem österreichischen Red Bull-Ring der dritte Lauf zur Europäischen Le Mans Series (ELMS) ausgefahren. Die in der Steiermark in eine grandiose Voralpenlandschaft eingebettete Rennstrecke gilt in Fahrerkreisen als eine der beliebtesten Rennstrecken im ELMS-Kalender. Ob der zahlreichen Wetterkapriolen bei den ersten Rennen freuten sich die Teilnehmer dieses Mal über überraschend trockene Bedingungen in einem seltsamen Sommer.
 
Das im südfranzösischen Le Luc stationierte SMP-Team mit Andreas Wirth (Waghäusel), Stefano Coletti (IT) und Julian Leal (CO) fühlte sich im Vorfeld des Wochenendes mit dem 460 PS starken BR01-Nissan für ein Top Resultat gut aufgestellt. Das SMP-Schwesterauto war im Juni beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf den feinen dritten Platz in der LMP2-Kategorie gefahren. SMP-Technikchef Paolo Cantone, der schon für Peugeot ein Le Mans-Siegerauto konstruierte, ist es mit dem BR offenbar glungen, wiederum ein Topauto zu bauen. In der ELMS fährt der einzige BR01-Nissan im Feld gegen eine Armada von Ligier- und Oreca-Protoypen an. Die Gegner profitieren dabei von Datenaustausch für das „Schnellermachen“, während SMP seine Informationen komplett erarbeiten muss.
 
In den beiden freien Trainingssessions am Freitag und Samstag sowie im zehnminütigen Qualifying kam der BR01 überraschend nicht richtig auf Tempo. „Wir konnten die Reifen nicht optimal zum „arbeiten“ bringen“, kommentierte Wirth das Malheur. Platz acht für die Startaufstellung lag dann etwas unter den Erwartungen, indes zeigte sich das Trio für das Rennen trotzdem recht zuversichtlich.
 
Startfahrer Wirth konnte gleich zu Beginn des Rennens zwei Positionen gut machen und in seinem Stint schnell einen weiteren Platz vorrücken. Der 31-Jährige fand schnell einen guten Rennrhythmus und bog dann an vierter Stelle liegend zum planmäßigen Boxenstopp mit Fahrerwechsel ab. Teamkollege Julian Leal gab gleichfalls eine starke Vorstellung ab. Obwohl er eine besonders haarsträubende Situation im Überrundungsverkehr mit einem GT-Sportwagen zu meistern hatte, gelang es ihm den Protoypen bis auf Platz zwei vorzufahren. Nach dem nächsten Fahrerwechsel sah es lange Zeit so aus, als ob Stefano Coletti ein feines Podiumsresultat im weiteren Rennverlauf sichern könnte. Doch es kam leider anders: Etwa eine Stunde vor Rennschluss war Coletti beim Überrunden eines langsameren Pulks in eine Kollision mit einem LMP3-Sportwagen verwickelt. Obwohl ohne Platzverlust der Ex-GP2-Star zunächst weiterfahren konnte, wurde er doch wenig später an die Boxen hereingerufen. Der LMP3 war bei dem Zwischenfall dem SMP-Coupè ins Heck gefahren, was den Diffuser leicht beschädigte und auch die Hecklichter außer Funktion setzte. Die durch den Dreher sowie durch die Rennleitung erzwungene Zwangsreparatur kostete so viel Zeit, so dass eine Klassierung in den Top-Drei schließlich verloren ging. Immerhin konnte, wie in Imola, noch der vierte Platz gesichert werden. 
 
„Unglücklicher Weise haben wir heute das Podium verpasst“, kommentierte Wirth das Rennergebnis. „Das ist wirklich schade, denn wiederum hatten unsere Techniker ein Auto hingestellt, mit dem ein Podiumsresultat möglich gewesen wäre. Es war wirklich Pech, dass Stefano in den Zwischenfall bei der Überrundung verwickelt war. Leider kostete das uns mehr Zeit als nur den Dreher, denn wir mussten die komplette Heckpartie nach den eigentlich nur leichten Beschädigungen wechseln. Am Ende können wir mit dem vierten Platz indes durchaus noch zufrieden sein. Mir tut die ganze SMP-Mannschaft leid, denn die haben einfach eine tolle Arbeit geleistet. Leider waren hinsichtlich der Meisterschaft die in der Zwischenwertung vor uns liegenden Teams jetzt auch in Österreich vor uns platziert, weshalb wir in der Tabelle auf Platz drei zurück gefallen sind – auch eine kleine Enttäuschung. Aber jetzt heißt es vorwärts schauen. Wir freuen uns schon jetzt auf das Rennen in Le Castellet. Vielleicht haben wir dort mehr Glück und uns gelingt endlich wieder ein Platz auf dem Treppchen. Wir werden in ein paar Wochen bei unserem Quasiheimspiel in Frankreich alles dafür geben.“
 
Der Wettbewerb in der ELMS ist sehr stark. Für die SMP Mannschaft stellte Spielberg jetzt zwar ein kleiner Rückschlag dar, es kommten jedoch wertvolle Erfahrungen konnten gesammelt werden. Das Team kann stolz auf sein kompromisslos auf Erfolg ausgerichtetes Engagement sein, als nur knapp ein zweites Podiumsresultat nach Silverstone (GB) in der aktuellen Saison verpasst wurde. Nur 16 Punkte hinter dem Tabellenführer liegend startet SMP durchaus optimistisch in der zweiten Saisonhälfte.
 
Die European Le Mans-Series fährt am 28. August in Le Castellet (FR) ihr nächstes 4-Stunden-Rennen aus.