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Formel 1
11.03.2013

Die ultimative Formel 1-Saisonvorschau 2013

Diese Woche ist es endlich wieder soweit: Nach dreieinhalb Monaten Winterpause dröhnen ab diesen Freitag wieder die Motoren in der Königsklasse. Im Vorfeld des ersten Rennens der Saison wird es Zeit, einen Blick auf die Fahrer und Teams zu werfen: Welche Piloten werden um die WM-Krone kämpfen? Wie werden sich die Rookies in ihrem ersten Jahr schlagen? Und welche Fahrer können 2013 für Überraschungen sorgen? Motorsport XL hat die Antworten.

Die F1-Saison 2013 stellt in vielerlei Hinsicht eine besondere Saison in der Königsklasse des Motorsports dar: Zum einen verabschiedet sich der F1-Tross Ende des Jahres von den V8-Motoren, denn 2014 ist es Zeit für ein neues Reglement in der F1, welches den Wechsel zu V6-Turbo-Motoren mit sich zieht. Obwohl sich im Vergleich zu 2012 das Reglement kaum verändert hat, kommt die Saison 2013 dennoch ganz anders daher als 2012.

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Mit Michael Schumacher, Timo Glock und Heikki Kovalainen haben sich einige feste Größen aus der Königsklasse verabschiedet und Platz gemacht für diverse neue Piloten. Auch Lewis Hamiltons Wechsel von McLaren zu Mercedes hat in der Winterpause für viel Aufruhe gesorgt. Genug Gesprächsstoff hat die Königsklasse demnach auch in der Winterpause geliefert. Doch trotz all der Gerüchte und dem unglaublichen Hin-und-Her auf dem Fahrermarkt steht eines fest: Die Formel1-Saison 2013 wird ein Hit!

Titel Nummer vier für Vettel?

2013 stehen wie immer die üblichen Verdächtigen im Fokus, allen voran der amtierende Weltmeister Sebastian Vettel. Mit seiner beeindruckenden Leistung in der zweiten Hälfte der Saison 2012 hat er nicht nur seinen dritten Titel in Folge sichern können, sondern auch sämtlichen Kritikern bewiesen, dass er nicht zwangsläufig das beste Auto braucht, um Rennen zu gewinnen. Doch obwohl 2012 für Vettel ebenso traumhaft wie in den Jahren zuvor endete, zeigten sich doch einige Risse in dem als unschlagbar geltenden Duo Vettel/Red Bull. Ein Sieg und drei Podien war Vettels Bilanz nach 13 Rennen und hätte dem Deutschen am Ende der Saison um ein Haar den Titel gekostet.

Außerdem schlichen sich 2012 hier und da Fehler bei Vettel ein: Sein umstrittenes Manöver gegen Fernando Alonso in Monza und das unerlaubte Überholen von Jenson Button beim Deutschland-GP sind dabei nur zwei der Schwächen, die Vettel 2012 gezeigt hat. Daher stellt sich die Frage: Kann Sebastian Vettel 2013 seinen vierten Titel holen? Als Fahrer hat der 25-Jährige durchaus das Zeug für den vierten Titel in Folge, allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. Dadurch, dass kaum technische Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr erfolgt sind, hatten Fahrer und Teams Zeit sich auf andere Dinge als die technische Weiterentwicklung zu konzentrieren. Für Vettel wird es 2013 daher schwierig, denn die Konkurrenz scheint stärker denn je zu sein.

Psychospielchen, Tiefstapeln und Gelassenheit

Vettels Konkurrenten 2013 sind allem Anschein nach dieselben wie schon im Vorjahr: Teamkollege Mark Webber, Ferrari-Star Fernando Alonso, McLaren-Pilot Jenson Button und Lotus-Hoffnung Kimi Räikkönen. Während Vettel die neue Saison relativ ruhig anzugehen scheint, ist Alonso bereits im Vorfeld des ersten Rennens zu kleinen Psychospielchen aufgelegt: Der Spanier lässt sich bereits zu Kampfansagen hinreißen und macht deutlich, dass der Weg zum Titel 2013 nur an ihm vorbeiführt. „Das vergangene Jahr war das Beste meiner Karriere, aber ich bin besser als letztes Jahr“, so der Spanier.

Fest steht: Sollte es Alonso tatsächlich gelingen, seine fahrerische Leistung im Vergleich zum Vorjahr zu verbessern, werden die Konkurrenten das Nachsehen haben. Denn auch wenn Vettel 2012 verdient den Titel gewonnen hat, hat Alonso über den Großteil der Saison die bessere fahrerische Leistung gezeigt. Doch auch wenn Alonso sich in der Form seines Lebens befindet, muss Ferrari dem Spanier erst einmal einen Boliden geben, der zumindest das Potenzial hat, Podien einzufahren. Denn auch wenn Alonso ein wahrer Zauberer hinter dem Lenkrad ist, selbst er kann ein zu großes Defizit am Wagen nicht mit seinen fahrerischen Leistungen ausgleichen.

Wesentlich zurückhaltender zeigen sich da Webber und Button. Vettels Teamkollege hielt sich im Winter eher bedeckt, allerdings sollte Vettel auch von Webbers Seite mit Konkurrenz rechnen. Auch wenn die beiden im selben Team fahren, hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren gezeigt, dass Webber mit der ihm zugewiesen Nummer zwei im Team so seine Probleme hat. Dadurch wird Webbers Motivation, endlich den Teamkollegen zu schlagen, nur noch größer und daher sollte man im Hinblick auf den Kampf um den WM-Titel mit dem Australier rechnen.

Jenson Button und McLaren zeigen sich bisher weniger kampflustig: Für die Chrompfeile steht lediglich fest, dass die Saison 2013 unglaublich eng werden wird. Dennoch war Buttons Performance bei den Testfahrten durchaus beeindruckend und seine neue Rolle als Teamleader bei McLaren wird den Briten zusätzlich motivieren. Allerdings fordert Button vom Team, dass die zahlreichen Zuverlässigkeitsprobleme und die Inkonstanz des letzten Jahres beseitigt werden. Der Brite weiß genau, wie stark die Konkurrenz ist: „Alles muss nach Plan laufen, denn ich denke nicht, dass die Leute große Fehler machen werden. Es muss eine makellose Saison sein, doch dafür müssen wir entspannt bleiben, uns wirklich zusammenreißen und uns auf jedes kleine Detail am Auto und am Rennwochenende konzentrieren. Wir dürfen uns keine Fehler erlauben.“

Der einzige Titelfavorit, der sich scheinbar durch wirklich nichts aus der Ruhe bringen lässt, ist Lotus-Pilot Kimi Räikkönen. Sein unglaubliches Comeback im Vorjahr spricht für sich: Punkteplatzierungen in 19 von 20 Rennen und als einziger Pilot im ganzen Feld beendete der Finne jedes einzelne Rennen. Sowohl bei Red Bull als auch McLaren hat man den schnellen Finnen als Kandidaten für Siege und den Titel auf der Rechnung. Allerdings muss Räikkönen, um 2013 ein ernsthafter Titelkandidat zu sein, seine Performance im Qualifying verbessern. Während der Finne im Rennen einen unglaublichen Speed an den Tag legen kann, scheint er auf einer einzigen schnellen Runde Probleme mit den Reifen zu haben. Sollte der Finne dieses Manko allerdings ad acta legen, spricht nichts gegen einen zweiten WM-Titel für den Lotus-Piloten.

Greift Mercedes 2013 nach den Sternen?

Wie bereits in den Vorjahren ist es unglaublich schwierig, im Vorfeld der Saison Mercedes einzuschätzen. In den letzten Jahren konnten die Silberpfeile bei den Tests beeindrucken und machten Hoffnungen auf Rennsiege, wurden diesen Erwartungen letzten Endes allerdings nie wirklich gerecht. Auch bei den Testfahrten 2013 in Barcelona konnte Nico Rosberg mit einer unglaublichen Zeit zeigen, dass Mercedes durchaus schnell sein kann. Allerdings ist die große Frage, inwieweit Mercedes diese Vorstellung auch während der Saison zeigen kann. Fakt ist, dass Mercedes mit Rosberg und Lewis Hamilton eine der stärksten Fahrerpaarungen im gesamten Feld haben. Und sollte der Mercedes so schnell sein, wie es bei den Testfahrten aussah, wird insbesondere Hamilton ein Kandidat für Siege.

Der schnelle Brite ist für Mercedes die große Hoffnung auf den Durchbruch, der mittlerweile schon zu lange auf sich warten lässt. Im Vorfeld des ersten Rennens sieht Hamilton allerdings eher die Konkurrenz als sich selbst unter Leistungsdruck. Ferrari-Pilot Felipe Massa ist von der Zurückhaltung Hamiltons allerdings nicht überzeugt: „Lewis ist ein Fahrer, der jedes Mal um den Titel mitfahren kann. Er ist sehr schnell und wird um Siege und Titel mitfahren, wenn es das Auto zulässt."

Massa macht damit indirekt deutlich, was die wirkliche Frage ist: Es ist nicht die Frage, ob Hamilton Mercedes zu Erfolgen führen kann, denn die fahrerischen Qualitäten besitzt der Brite ohnehin. Die wirkliche Frage ist, wann Mercedes ihm ein Auto geben kann, mit dem er vorne mitfahren kann. Bei all diesem Wenn und Aber muss man allerdings die ersten Rennen abwarten, um ein genaues Bild von Mercedes‘ Möglichkeiten in der Saison 2013 zu erhalten.

Überraschungspaket Perez, Grosjean und Hülkenberg

Sergio Perez hat den Sprung von Sauber zu McLaren und damit in eines der Top-Teams geschafft. Jetzt liegt es an dem jungen Mexikaner zu beweisen, dass er dieses Cockpit auch verdient. Denn auch wenn Perez 2012 durchaus starke und beeindruckende Resultate zeigen konnte, war seine zweite Saisonhälfte allerdings mehr als nur enttäuschend: Er verursachte Unfälle, die durchaus hätten vermieden werden können und verlor wertvolle Punkte für sein Team. So etwas darf sich Perez bei McLaren nicht erlauben, denn im Kampf um den Konstrukteurstitel braucht McLaren jeden einzelnen Zähler. Dass Perez einer der talentiertesten jungen Piloten im Feld ist, kann man nicht verneinen, allerdings muss der Mexikaner weniger risikofreudig ans Werk gehen, um sein volles Potenzial bei McLaren zu entfalten. Sollte ihm das gelingen, liegen Rennsiege durchaus im Bereich des Möglichen.

Weniger Risikobereitschaft ist auch das Stichwort für den Lotus-Piloten Romain Grosjean. 2012 zeigte der Franzose, dass er ein unglaublich talentierter Pilot ist und noch dazu einer der schnellsten. Allerdings war er in diverse Startkollisionen verwickelt, die ihm am Ende zahlreiche Punkte kosteten. Dreimal schaffte er es im Vorjahr bereits aufs Podium und da gilt es anzuschließen, denn sollte Grosjean tatsächlich in der Startphase des Rennens überlegter handeln als im Vorjahr, könnte er durchaus eine der größten Überraschungen des Jahres werden.

Überraschen kann zweifellos auch Sauber-Pilot Nico Hülkenberg. Bereits mit Force India gelangen ihm im Vorjahr einige Überraschungen und seine Performance in der zweiten Saisonhälfte spricht für den Deutschen. Noch dazu könnte er 2014 die Chance auf ein Ferrari- oder Red Bull-Cockpit haben, was eine gute Performance in 2013 nur noch wichtiger macht. Fest steht, dass Nico Hülkenberg eines der größten deutschen Talente in der Königsklasse ist. Und sollte der Sauber eine ähnlich überzeugende Leistung wie 2012 ermöglichen, steht Hülkenberg eine vielversprechende Zukunft in der Formel 1 bevor.

Die Welt der reichen Männer

In der Winterpause blühte sie wieder auf, die leidige Diskussion über Pay-Driver in der F1. Seit die Kosten in der F1 allerdings quasi von Jahr zu Jahr steigen, gehören die sogenannten Bezahlfahrer allerdings einfach dazu. Allerdings scheint diese zwangsläufige Veränderung 2013 Überhand zu nehmen, denn mit Adrian Sutil, Valtteri Bottas, Esteban Gutiérrez, Giedo van der Garde, Max Chilton und Jules Bianchi scheint es 2013 sechs Pay-Driver im Feld zu geben. Allerdings ist dabei eine Differenzierung mehr als nur notwendig, denn oft genug werden all diese Piloten in denselben Topf geworfen.

Fest steht trotz aller Behauptungen, dass sich sowohl der zurückgekehrte Sutil, als auch Bottas und Bianchi ihren Platz in der Königsklasse durchaus verdient haben. Sutil zeigte bereits in seiner ersten F1-Karriere von 2007 bis 2011, dass er durchaus respektable Ergebnisse erzielen konnte und schickt sich nun an, mit Force India die Top-Teams zu ärgern. Auch Williams-Rookie Valtteri Bottas hat bei diversen Freitagseinsätzen 2012 bereits gezeigt, dass er schnell unterwegs ist und durchaus für die eine oder andere Punkteplatzierung für den britischen Traditionsrennstall sorgen kann.

Der langjährige Ferrari-Nachwuchspilot Jules Bianchi war einer der Kandidaten für das Cockpit bei Force India, verlor dieses allerdings an Sutil. Dennoch unterschrieb er in letzter Sekunde einen Vertrag bei Marussia und darf nach langen Warten 2013 nun endlich sein GP-Debüt geben. Schnell ist der Franzose allemal, doch im Marussia wird der Franzose eine schwere Zeit erleben. Doch sollte es ihm gelingen, die Caterham-Piloten zu schlagen, schafft er nächstes Jahr womöglich den Sprung in eines der Mittelfeld-Teams.

Anders sieht es da bei Gutiérrez, Chilton und van der Garde aus: Gutiérrez konnte in der GP2 bereits zeigen, dass er über einiges an Potenzial verfügt und unglaublich schnell ist, allerdings unterliefen ihm noch zu viele Fehler. Außerdem ist der 20-jährige Mexikaner noch sehr unerfahren. Es bleibt abzuwarten, wie gut er sich bei Sauber schlagen kann. Chilton und van der Garde sind die Paradebeispiele für Pay-Driver in der F1: Beide konnten in den F1-Nachwuchsserien nicht wirklich überzeugen und schafften es dennoch dank ihrer zahlreichen Sponsoren in die Königsklasse, während für den GP2-Champion 2012 Davide Valsecchi lediglich der Platz als Testfahrer bei Lotus blieb.

Dennoch ist das Fahrerfeld der F1-Saison 2013 stark und wird für viel Spannung und Action auf der Strecke sorgen. Der Kampf um die WM-Krone wird sicherlich ähnlich aufregend wie 2012 und alle Fahrer und Teams strotzen bereits vor Vorfreude und Motivation. Die Saison kann somit kommen.

Text: Antonia Grzelak - motorsport-xl.de
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