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24h Le Mans
12.06.2011

Vier Porsche unter den besten Zehn in der Nacht

Nach den ersten acht Stunden des Langstreckenklassikers ziehen die fünf Porsche-Kundenteams in Le Mans eine gemischte Bilanz. Am besten kam das belgische Team ProSpeed Competition ins Rennen.

Nach dem ersten Drittel der Distanz liegen Porsche-Werksfahrer Marco Holzer (Lochau), Marc Goossens (Belgien) und Jaap van Lagen (Niederlande) mit dem Porsche 911 GT3 RSR auf dem dritten Platz in der Sportwagen-Klasse GTE Pro. Flying Lizard Motorsports aus den USA folgt mit den Werksfahrern Jörg Bergmeister (Langenfeld) und Patrick Long (USA) sowie Routinier Lucas Luhr (Ermatingen) auf Platz sechs der am stärksten besetzten Klasse des 24-Stunden-Rennens.

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Die Vorjahressieger Marc Lieb (Ludwigsburg), Richard Lietz (Österreich) und Wolf Henzler (Nürtingen) vom Team Felbermayr-Proton wurden durch doppeltes Pech weit zurückgeworfen, kämpfen sich aber wieder nach vorne. Die Porsche-Werksfahrer liegen eine Stunde vor Mitternacht lediglich auf dem zehnten Rang der GTE-Pro-Klasse. „Wir standen nach dem Tankstopp während der Safety-Car-Phase lange an der roten Ampel der Boxenausfahrt“, erklärt Marc Lieb. „Als es dann wieder lief, hatte ich einen Reifenschaden, weil ich mir irgendwas aufgesammelt hatte. Leider hat es mich bei der ersten Schikane getroffen, also circa zehn Kilometer vor den Boxen.“ Lieb kam auf der Felge an die Box und verlor weitere Zeit, weil auch Karosserieteile in Mitleidenschaft gezogen waren.

Bei ProSpeed Competition herrscht dagegen verhaltene Freude. „Die ersten acht Stunden waren problemlos“, berichtete Marco Holzer. Der 22-Jährige war im vergangenen Jahr noch Le-Mans-Neuling und hat jetzt die Rolle des Team-Leaders. Für Jaap van Lagen ist es die Premiere auf dem 13,629 Kilometer langen, anspruchsvollen Rennkurs. „Ich weiß noch genau, wie das ist“, sagt Holzer. „Man braucht eine ganze Weile, bis man seinen Rhythmus findet und Vertrauen ins Auto und in die eigenen Fähigkeiten hat. Unser Elfer läuft gut, die Boxenstops vom Team sind super. Unser Ziel ist, uns aus allen Rangeleien rauszuhalten.“

Reifenpech traf auch das US-Team Flying Lizard Motorsports. Hier war gleich in der Anfangsphase Jörg Bergmeister Opfer eines Reifenschadens. „Mein erster Stint war außerdem schwierig, weil die Abstimmung nicht hundertprozentig gepasst hat“, so Bergmeister. „Wir haben dann etwas verändert und nun ist die Balance sehr viel besser. Das Tempo an der Spitze können wir nicht ganz mitgehen, aber wir schauen nach vorne. Platz sechs ist ausbaufähig.“

Die französische Equipe IMSA Performance Matmut ist mit Platz acht zum Beginn der Nacht nicht zufrieden. Werksfahrer Patrick Pilet stand wie Lieb lange an der roten Ampel der Boxenausfahrt. „Das war echt blöd“, schimpfte der Franzose. „Aber ich musste zum Tanken kommen, sonst wäre ich liegengeblieben. Der Verkehr auf der Strecke ist brutal, die Fahrer der Prototypen teilweise sehr aggressiv. Wir haben mit Nicolas Armindo einen Newcomer im Team, aber er fährt sehr kontrolliert.“ Dritter im Bunde ist der in Le Mans erfahrene Teambesitzer Raymond Narac (Frankreich).

Der zweite Elfer des Felbermayr-Teams liegt nach acht Stunden auf Platz 13 der GTE-Pro-Klasse. Am Steuer sind die Le-Mans-Debütanten Nick Tandy (Großbritannien) und Abdulaziz Al Faisal (Saudi-Arabien) sowie der US-Amerikaner Bryce Miller, der bereits im Vorjahr beim Langstreckenklassiker gestartet ist.

In der Sportwagen-Kategorie GTE Am, in der lediglich ein Profirennfahrer pro Fahrzeug eingesetzt werden darf, liegt das Team Larbre Competition mit dem 911 GT3 RSR in Vorjahres-Spezifikation (das ist in dieser Klasse vorgeschrieben) auf dem tollen ersten Platz. Der zweite Elfer von Flying Lizard Motorsports hat sich auf Rang vier etabliert, das Fahrerteam von Proton Competition auf dem sechsten Platz.

Daten und Fakten

Das 55 Fahrzeuge starke Starterfeld des 24-Stunden-Rennens von Le Mans wird von zwei unterschiedlichen Sportfahrzeug-Kategorien gebildet: Sportprototypen und modifizierte Seriensportwagen. Am Technischen Reglement des Langstreckenklassikers orientieren sich auch die europäische Le Mans Series (LMS) und die American Le Mans Series (ALMS). Alle Rennwagen starten in Le Mans gleichzeitig; es gibt eine Gesamtwertung und eine Wertung der einzelnen Klassen.

Die vier Klassen in Le Mans:
Klasse GTE Pro: Die beliebteste Klasse der Fahrzeughersteller (bislang als GT2-Klasse ausgetragen) ist traditionell am stärksten besetzt. Modifizierte Seriensportwagen mit bis zu 500 PS und einem Mindestgewicht von 1.245 Kilogramm.
Klasse GTE Am: Wie GTE Pro, aber 2010er-Fahrzeug-Spezifikation. Außerdem darf pro Auto höchstens ein per Reglement definierter Profifahrer eingesetzt werden.
Klasse LMP1: Sportprototypen mit bis zu 550 PS und einem Mindestgewicht von 900 Kilogramm.
Klasse LMP2: Sportprototypen mit rund 440 PS starken, in der GT-Klasse homologierten Motoren und 900 Kilogramm Mindestgewicht.