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Auto & Straße
04.11.2023

Tipps für den automobilen Winterschlaf

Für die meisten Oldtimer-Freunde endet im Herbst die aktive Fahrsaison. Denn nun steht überwiegend nasskaltes Schmuddelwetter auf der Tagesordnung. In den kommenden Wochen werden sich mancherorts dann auch Schnee und Straßenglätte hinzugesellen, die zum Einsatz von Tausalz und Splitt führen. Derartigen Bedingungen sollte man einem Liebhaber-Fahrzeug nicht aussetzen, erst recht nicht, wenn dieses schon einige Jahre auf dem sprichwörtlichen Buckel hat. Denn insbesondere die älteren Autosemester von den 1990er Jahren zeigen sich in Sachen Korrosionsschutz nahezu unbewaffnet. Wer seinen automobilen Klassiker nicht mit vielen aufwändigen Maßnahmen auf den Wintereinsatz vorbereitet hat, ist besser beraten seinem Fahrzeug eine Winterpause zu gönnen. Bevor der Klassiker eingemottet wird, sind Besitzer von OIdtimern und anderen Sammler-Fahrzeugen gut beraten ein paar Handgriffe abzuarbeiten, damit das „heilige Blechle“ bei guter Konstitution im nächsten Frühling wieder erwachen kann.

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat einige Tipps und Hinweise für einen geruhsamen Winterschlaf zusammengestellt ...


Es beginnt mit einer guten Vorbereitung

Den Anfang sollte eine gründliche Fahrzeugwäsche machen, wobei auch die Radhäuser und der Unterboden nicht außer Acht bleiben sollten. Idealerweise wird das anschließende Trocknen des Autos durch das vorsichtige Auspusten der Karosseriefugen mit Druckluft komplettiert.

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Im Anschluss bietet sich an, eventuell anstehende Versiegelungsarbeiten an den Hohlräumen, wie z. B. Schwellern vorzunehmen. Dabei gilt das alte Motto: Viel hilft viel. Das Auto muss dazu wirklich „knochentrocken“ sein, sonst kann die Versiegelung Feuchtigkeitsnester einschließen, die das Blech von innen heraus angreifen.

Um Rostbildung im Inneren des Kraftstofftanks vorzubeugen, reicht es, den Tank bis zur Überlaufgrenze vollzutanken. Um eine eventuellen Kraftstoffalterung müssen sich Autobesitzer keine Gedanken machen, weil die Zeit bis zum Frühling dafür zu kurz ist.

Es bietet sich an, die Fahrt zur Tankstelle gleich mit der Erhöhung des Reifenluftdrucks auf das empfohlene Maximum zu verbinden. Da die Fahreigenschaften für die Einlagerung irrelevant sind und es vielmehr darum geht, die Reifen vor Verformungen als Folge des Stillstands zu schützen, empfiehlt der AvD als Zielwert den maximalen, vom Reifenhersteller für den entsprechenden Pneu genannten Luftdruck. Dieser ist auf der Reifenflanke vermerkt. Wer über einen mobilen Luftkompressor verfügt, kann den Reifendruck zudem während der Standzeit im Blick halten und nötigenfalls nachjustieren. Entsprechende Geräte mit Akku sind im Handel bereits für unter 60 Euro erhältlich.

Eine gute Idee ist auch, den Kühlerfrostschutz zu checken und diesen gegebenenfalls anzupassen. Ist ein Behälter für Scheibenwaschwasser vorhanden, sollte der Frostschutz hier ebenso geprüft und auf frostige Temperaturen angepasst werden.

Zum Schutz der Türgummis und Dichtungen diese mit einem Glyzerin-Stift pflegen oder mit Puder abreiben. Beide Mittel halten die Gummiteile geschmeidig und frei von Feuchtigkeit. So hat Frost keine Chance und die Türen können nicht festfrieren.

Beim Thema „Ölwechsel“ scheiden sich die Geister an der Frage, ob dieser nach Saisonende oder unmittelbar vor Beginn der neuen Saison erfolgen soll. Entscheidender als der Wechselzeitpunkt ist allerdings, dass überhaupt gewechselt wird. Dabei ist es ratsam auch den Ölfilter durch ein Neuteil zu ersetzen. Der Öl-Wechsel sollte jedoch stets in einer Fachwerkstatt mit entsprechender Ausrüstung erledigt werden und nicht in der heimischen Garage mit improvisiertem Equipment. Nur so ist gewährleistet, dass das Altöl zuverlässig aufgefangen und fachgerecht entsorgt wird.


Auch im Winterquartier braucht es eine Versicherung

Im Vorfeld der Einlagerung sind ein paar Gedanken über den Versicherungsschutz angebracht. Wird der Oldie über den Winter abgemeldet, fehlt der Schutz einer Kaskoversicherung gegen Beschädigung und Diebstahl. Dann ist es umso wichtiger, dass der Klassiker über den Versicherungsschutz des Stellplatzes abgesichert ist oder eigens eine Versicherung abgeschlossen wird, die mögliche Risiken abdeckt.

Für eine längerfristige Unterbringung sollten Fahrzeuge grundsätzlich an einem geschützten, aber gut gelüfteten Standplatz untergebracht sein. Wegen der zumeist schwächelnden Rostvorsorge gilt das umso mehr für ältere Fahrzeuge. Beheizte Räumen sind keine gute Idee, weil die Heizung ein sehr trockenes Raumklima schafft, das Gummi- und Kunststoffteilen zusetzt, sie spröde macht und schneller altern lässt. Andererseits kann sich in nicht beheizten Garagen die Luftfeuchtigkeit in Folge von Temperaturschwankungen sammeln und auf dem Auto absetzen. Diesem Phänomen lässt sich sowohl durch regelmäßiges Lüften als auch durch den Einsatz von Raumentfeuchtern begegnen, die im Baumarkt sowie bei einigen Discountern erhältlich sind.


Finale Handgriffe und Tipps

Hat das Auto seinen Standplatz erreicht, empfiehlt der AvD, dieses mit eingelegtem Gang gegen Wegrollen zu sichern. Eine angezogene Feststellbremse kann während der kommenden Monate festkorrodieren. Auch auf das Aufbocken des Klassikers als Schutz vor Standplatten sollten Oldtimerbesitzer verzichten. Zu groß ist das Risiko, dass die dauerhafte Entlastung des Fahrwerks zu Schäden an Gelenken, an Buchsen und Lagern führt. Wurde der Reifenfülldruck wie zuvor beschrieben angepasst, bieten spezielle Matten – sogenannte Reifenwiegen – einen zusätzlichen Schutz. Ein vergleichbarer Effekt lässt sich aber auch mit halbgefüllten Sandsäcken erzielen.

Auch die Elektrik braucht ein paar Handreichungen. Ein Tipp ist, die Batterie abzuklemmen und an ein Batterie-Erhaltungsgerät anzuschließen. Ist das nicht möglich, erhalten die Batteriepole auch zum Schutz gegen Feuchtigkeit eine ordentliche Fettpackung. Das ist insbesondere bei 6-Volt-Batterien wichtig, da diese zum Ausgasen neigen. Der finale Batterietot wäre die Folge.

Durch die bereits erwähnten Temperaturschwankungen und Wetterwechsel erhöht sich während des „Winterschlafs“ auch im Autoinneren die Luftfeuchtigkeit. Diesem Effekt lässt sich ebenfalls mit Raumentfeuchtern aus dem Baumarkt gut begegnen. Einfach ein bis zwei Kartuschen im Interieur platzieren. Zudem ist es ratsam, die Fußmatten aus dem Auto herauszunehmen und diese trocken einzulagern.

Als Schutz gegen Staub kann ein Autopaletot gute Dienste leisten. Die gibt es in vielen Farben für nahezu jede Autogröße und Karosserieform im Fachhandel. Wichtig: Unbedingt Paletots für die Verwendung in Innenräumen nutzen, da diese aus unbeschichteten, atmungsaktiven Geweben gefertigt sind. Gummierte Auto-Pyjamas für den Außeneinsatz sind ungeeignet, da sie das Ablüften von Feuchtigkeit verhindern und sich so unter der Plane Staunässe bildet.

Zum Schluss bleibt nur dem automobilen Schätzchen vor dem Verlassen der Garage noch einmal sanft über den Kotflügel zu streicheln und das Garagenlicht zu löschen, bevor sich das Tor schließt.
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