Montag, 5. Dezember 2022
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FIA WEC
13.11.2022

Unermüdlicher Kampf zum Abschied des Werksteams bleibt unbelohnt

Das Porsche GT Team verabschiedet sich mit den Plätzen drei und vier aus der GTE-Pro-Klasse der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. In einem intensiven Kampf beim Saisonfinale in Bahrain verpasste die Werksmannschaft den Gewinn des Hersteller- und Fahrertitels nur knapp. In der GTE-Am-Klasse waren die beiden Porsche 911 RSR von Project 1 das Maß der Dinge. Das Kundenteam aus dem niedersächsischen Lohne feierte im 8-Stunden-Rennen einen Doppelsieg.

Das Porsche GT Team hat zum Abschluss des zehnjährigen Werksprogrammes in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC eine beeindruckende kämpferische Leistung gezeigt. Im hart umkämpften 8-Stunden-Rennen auf dem Bahrain International Circuit leisteten die beiden Porsche 911 RSR anfangs Führungsarbeit. Zwei Gelbphasen, die unglücklichlicherweise direkt nach Tankstopps eintraten, warfen die beiden Werksautos nach rund zwei Stunden deutlich hinter die Konkurrenz zurück. Trotz beeindruckender Vorstellungen der Fahrer und einer fehlerfreien Arbeit des Teams blieb die Aufholjagd unbelohnt.

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Der Franzose Kévin Estre und Michael Christensen aus Dänemark beendeten das Saisonfinale in Bahrain am Steuer der Startnummer 92 auf Platz drei der GTE-Pro-Klasse. Das Schwesterauto mit den Werksfahrerkollegen Gianmaria Bruni aus Italien und Richard Lietz aus Österreich kam auf Position vier ins Ziel. Diese Resultate reichten nicht, um ausreichend Punkte für den erhofften Gewinn von Hersteller- und Fahrer-Weltmeisterschaft zu erreichen. Kurz vor dem Ende des finalen Rennens der Saison 2022 tauschten die beiden 911 RSR ihre Positionen. Hintergrund: Bei einem Ausfall der angeschlagenen Startnummer 51 von Ferrari hätten Estre/Christensen die Fahrer-WM im letzten Moment noch gewinnen können.

„Es ist ein für uns ein enttäuschendes Ergebnis: Wir wollten zum Abschied des Werks-Neunelfers unbedingt die Titel gewinnen“, fasst Thomas Laudenbach zusammen. Der Leiter Porsche Motorsport ergänzt: „Wir haben fehlerfrei agiert und alles herausgeholt – waren aber dennoch nicht in der Lage, aus eigener Kraft zu gewinnen. Zweimal hatten wir mit Gelbphasen wirklich Pech. So wurde es für uns zu einem bitteren Abschied aus der GTE-Pro-Kategorie. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen: Im Juni haben wir mit dem 911 RSR unsere Klasse in Le Mans gewonnen.“

„Unter dem Strich waren wir zu langsam, zudem hatten die Konkurrenten mehr Glück mit den Gelbphasen“, analysiert Alexander Stehlig, Leiter Werksmotorsport FIA WEC. „Ob uns wegen der Reifen oder aufgrund der BoP-Einstufungen das Tempo fehlten, werden wir noch ergründen. Wir sind traurig. Wir hatten uns das Ende dieses tollen Werksprogramms anders vorgestellt.“

Erheblich besser verlief das Finale für das Kundenteam Project 1 in der GTE-Am-Kategorie. Nach beeindruckenden Vorstellungen der Fahrer Nicolas Leutwiler (Schweiz), Mikkel Pedersen (Dänemark) und Matteo Cairoli (Italien) erreichte die Startnummer 46 den Klassensieg vor dem Schwesterauto. Bemerkenswert: Im Porsche 911 RSR mit der Nummer 56 feierten die beiden Amerikaner Gunnar Jeannette und PJ Hyett ihre Premiere in der FIA WEC. Auf dem Weg zu Platz zwei wurden sie vom britischen Stammfahrer Ben Barnicoat unterstützt. „Gratulation an unsere starken Kunden“, kommentiert Thomas Laudenbach. Alexander Stehlig fügt hinzu: „Project 1 hat einen Doppelsieg errungen – genau solch ein Saisonfinale wünscht sich jedes Team. Die Mannschaft wird nun bester Stimmung in Richtung 2023 arbeiten, dem letzten Einsatzjahr des 911 RSR in der GTE-Am-Klasse der FIA WEC.“ Die beiden Kundenautos von Dempsey-Proton Racing fuhren auf den Positionen acht und zwölf ins Ziel, der Neunelfer von GR Racing erreichte Rang sechs.

Mit dem Abschluss der Saison 2023 endet eine Ära im Langstrecken-Sport: Die beliebte und meist hart umkämpfte GTE-Pro-Klasse der FIA WEC wird eingestellt. Der Porsche 911 RSR geht 2023 dennoch an den Start: Kundenmannschaften werden das rund 378 kW (515 PS) starke Fahrzeug in der GTE-Am-Kategorie einsetzen. Das neue Werksteam Porsche Penske Motorsport kämpft ab dem kommenden Jahr mit dem LMDh-Prototypen 963 in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-WM um Gesamtsiege.

Michael Christensen (Porsche 911 RSR #92): „Fahrerisch und strategisch haben wir restlos alles in die Waagschale geworfen. Schon früh im Rennen sind wir durch Pech in einer Gelbphase weit zurückgefallen. Da war eigentlich schon alles gelaufen. Sehr schade, aber es gibt solche Tage.“

Kévin Estre (Porsche 911 RSR #92): „So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir sind angetreten, um beide Titel zu holen – nun stehen wir mit leeren Händen da. Wir hatten im finalen Rennen einfach nicht den notwendigen Speed. Wir haben dann versucht, strategisch noch etwas zu erreichen, aber dabei fehlte uns das nötige Glück. Wir haben alles versucht. In der zweiten Saisonhälfte war Ferrari leider immer schneller als wir.“

Gianmaria Bruni (Porsche 911 RSR #91): „Am Ende war es knapp – aber das ändert nichts an der Gesamtsituation. Unser Auto fühlte sich im Rennen gut an. Wir hatten bei unserer Boxencrew einige krankheitsbedingten Ausfälle zu kompensieren. Selbst die Neulinge, die kurzfristig eingesprungen sind, haben tadellose Arbeit abgeliefert. Wir haben alles getan, was in unseren Händen lag. Es hat einfach nicht gereicht. Vielen Dank für eine einmalige Zeit mit dem Werksteam in der FIA WEC. Nun freuen wir uns auf eine neue Ära mit tollen Prototypen.“

Richard Lietz (Porsche 911 RSR #91): „Wir haben alles richtig gemacht und hatten trotzdem keine Chance. Woran das lag, das konnten sicherlich viele erkennen. Ich habe die Handhabung der Balance of Performance in diesem Jahr nicht verstanden. Ich wünsche unseren Kollegen im Werksprogramm mit dem 963 ab dem kommenden Jahr auch mehr Glück bei der BoP.“

Matteo Cairoli (Porsche 911 RSR #46): „Im letzten Saisonrennen haben wir endlich unseren ersten Sieg eingefahren. Besser geht es wirklich nicht. Das gesamte Wochenende lief wie am Schnürchen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, den Porsche 911 RSR auf der Strecke zu bewegen. Meine Kollegen haben im Cockpit Großartiges geleistet, unsere gesamte Mannschaft alles richtig gemacht. Wir haben diesen Erfolg verdient. Ein Doppelsieg zum Abschluss des Jahres – mehr können wir uns nicht wünschen.“

Ergebnisse Rennen

GTE-Pro-Klasse:
1. Molina/Fuoco (E/I), Ferrari 488 GTE #52, 231 Runden
2. Milner/Tandy (USA/UK), Corvette C8.R #64, 230 Runden
3. Christensen/Estre (DK/F), Porsche 911 RSR #92, 230 Runden

GTE-Am-Klasse:
1. Cairoli/Pedersen/Leutwiler (I/DK/CH), Porsche 911 RSR #46, 226 Runden
2. Hyett/Jeannette/Barnicoat (USA/USA/UK), Porsche 911 RSR #56, 226 Runden
3. Bovy/Frey/Gatting (B/CH/DK), Ferrari 488 GTE #85, 226 Runden
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