Montag, 13. Juli 2020
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GTC
06.08.2019

12h von Templin: MSC Oberflockenbach beendet Leidenszeit

Was für ein Saisonstart für die MSC Oberflockenbach! Nach P5 zum Saisonauftakt sammelte man in den folgenden vier Läufen ganze 21 Punkte mit einem Platz 13 als beste Punktausbeute in Oppenrod. In der Meisterschaft abgeschlagen auf P12, gedemütigt und frustriert ob der anhaltenden Pechsträhne. Und dann kam Templin. Der entscheidende Kampf um die Pole fand für die Top-Ten als „Sonderprüfung“ statt. Keine Einführungsrunde, eine gezeitete Runde, stehender Start, kalte Reifen!

Der MSC Oberflockenbach sicherte sich die Pole vor Honda Spirit und Oberheiden Motorsport. Im Prinzip spiegelte die Sonderprüfung das Leistungsverhältnis der ersten Qualifyings wider, lediglich der WGKC (P10) verlor deutlich. Dies war einer Kupplung geschuldet, die stehende Starts gar nicht mag.

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Pünktlich um 11:30 Uhr setzte sich das 37 Team starke Feld in Bewegung und die Hatz über 12 Stunden begann. Zunächst passierte nicht viel, keiner fiel entscheidend zurück oder konnte sich deutliche Vorteile herausfahren. Es wurde im Quali-Modus gefightet. Um 14:18 Uhr dann stand der Tabellenführer von Honda Spirit mit 0,5 kg Untergewicht auf der Waage! Die fällige 1-Minuten-Strafe war schon ausgesprochen, als die erste Pace-Kart Phase nötig wurde, weil die MSC O Junioren mit abgerissener Spurstange strandeten. Als es unter Grün weiterging, war wohl die #13 von Sensory-Minds der Auslöser eines größeren Kuddel-Muddels in der ersten Haarnadel. Leidtragende waren gleich drei Top-Mannschaften. H&R Racing quälte sich ab, da mit einem krummen Chassis, und die Hausexperten mit einer leicht krummen Hinterachse. Schlimmer erwischte es den Tabellenführer in der Trophy. Talentfrei feats Ghost Busters stand für längere Zeit in der Box und musste die Lenksäule, Spurstangen und den Motor wechseln. Erneut wurde das Feld mit dem Pace-Kart um die Strecke geleitet bevor ein Gewitter das Rennen ganz stoppte. Die Rennleitung entschied sich für Reifenwechsel auf der Start-Ziel Geraden, bevor es nach einer Stunde Pause weiterging.

Es kam die große Show der Messebauer. Die #65 von DG Racing by Messebau pflügte förmlich durch das Feld und Kevin Glaubach wurde spontan der Ehrentitel „Regengott“ verliehen. Bei Halbzeit hatte er die #65 in Führung gebracht. Kurz darauf war die Show der #65 schon wieder vorbei. Erst eine 10-Sekunden-Strafe wegen Speedlimit Box und kurz darauf noch eine Stop&Go wegen des gleichen Vergehens eine Stunde später, vermasselte der 65 das Ergebnis. Auch Hondas Spirits Strafe wegen Untergewichts konnte mittlerweile abgesessen werden, die Jungs machten aber das Beste daraus und glänzten mit herrausragenden Regenzeiten und einem starken Reifenwechsels zurück auf Slicks, womit man nach 7 Stunden sogar P2 halten konnte, noch dazu rundengleich mit den nun in Führung liegenden Jungs von Oberheiden Motorsport. ATW Racing, ebenfalls bekannt durch schnelle Reifenwechsel und Speed auf dem feuchten Geläuf lag vor dem MSC Oberflockenbach auf P3. Der MSC Oberflockenbach verwachste beim richtigen Luftdruck bei den Wets und Tobi Dauenhauer war in der Regenphase chancenlos. Platz 5 hielten die Hausexperten mit der #11 von Schnitzelalm Racing im Nacken, die in der „Regenzeit“ ebenfalls mächtig Boden gutmachen konnten.

Kurz darauf erwischte es dann die Schnitzelalm Mädels. Mit staubtrockenem Tank strandeten sie am äußersten Ende der Strecke, kurz vor ihrem planmäßigen Boxenstopp. Bis das Kart geborgen werden konnte, wieder getankt und zurück auf die Strecke beschleunigte, waren neun Minuten beim Teufel. Aus der Traum vom Top-Resultat, zumal es dann noch eine Stop&Go für die Fahrtzeitüberschreitung gab. Das war es dann aber auch (fast) mit den Zwischenfällen bei den Top-Teams. Volle Attacke war angesagt für die verbleibenden fünf Rennstunden, davon die letzten zwei Stunden unter Flutlicht.

Doppelpacks nach neun Stunden: Honda Spirit rundengleich vor Oberheiden auf P1. Der MSC Oberflockenbach eine Runde zurück, dichtauf ATW Racing auf P4. Eine weitere Runde zurück das nächste Pärchen. Schnitzelalm Racing vor dem KSF Bosch. Diese Sechs werden wohl den Sieg unter sich ausmachen, obwohl die Hausexperten auch nur eine weitere Runde zurücklagen und fast alle mit unterschiedlichen Strategien unterwegs waren.

Nach zehn Stunden schob eine Pace-Kart Phase das Feld weiter zusammen. Mit jeweils 542 Runden führte nun Honda Spirit vor dem MSC Oberflockenbach und Oberheiden Motorsport. ATW Racing und der KSF Bosch dahinter (-1Rd.)

Kurz vor der elften Stunde wurde es immer verrückter. Eine weitere kurze Unterbrechung durch das Pace-Kart führte zu einem 5er-Feld an der Spitze, die nicht nur rundengleich waren, sondern auch, mit Ausnahme des KSF Bosch, ziemlich dicht zusammen lagen. Oberheiden Motorsport vor Honda Spirit, der MSC Oberflockenbach, ATW Racing dann der KSF Bosch. Lediglich die Schnitzelalm auf P6 lag nun zwei Runden zurück womit die Aussichten auf ein Podium wohl dahin waren.

Ein Blick auf das Boxenprotokoll brachte weitere Klarheit. Die ersten Drei mussten noch einmal in die Box, Der KSF Bosch und ATW sogar zweimal, weil sie ihre vorgeschriebenen zwölf Fahrerwechsel noch nicht absolviert hatten. Hochspannung auf der Strecke und in der Boxenfahrspur. Die Offiziellen mussten genau hinschauen, es ging um Sekunden. Auf der Strecke überholten sich die #22 und die #4 gleich mehrfach, beinhart mit Lackaustausch aber gerade noch fair. Dann für alle die finalen Boxenstopps. Während alle sauber durchkamen war Honda Spirit im letzten Teil der Boxengasse einen Tick zu schnell und kassierte eine 10-Sekunden-Penalty.

Auf der Strecke ging es in die letzten Runden. Der MSC Oberflockenbach konnte sich minimal absetzen, fünf Sekunden zurück Honda Spirit vor Oberheiden Motorsport, die aber nun nur folgten und keinen Angriff mehr starteten, schließlich wussten sie von der 10-Sekunden-Strafe für die #22.

Der MSC Oberflockenbach gewann also, genau wie im Vorjahr, ein äußerst spannendes Rennen und beendete damit eine unglaubliche „Pechsträhne“, Diese hätte um ein Haar eine Fortsetzung gefunden. Im Parc Fermee entdeckte man eine lockere Kupplungsschraube, die sich schon fast durch den Sitz gefräst hatte. 

Oberheiden Motorsport holt mit P2 ein paar Punkte auf die #22 auf, die mit P3 weiter auf eine komfortable Führung in der Meisterschaft blicken kann. Der KSF Bosch auf P4, acht Sekunden vor ATW Racing. Schnitzelalm Racing auf P6 vor den Hausexperten, wo die leicht krumme Hinterachse bis ins Ziel hielt. Das Kollektiv Seidel holte sich P8, zwei Sekunden vor dem WGKC. Beide Teams hatten eine Zeitstrafe zu verdauen, genau wie die auf P10 eingelaufenen Messebauer mit ihrer #65.

Mit einem erneut hochklassigen Langstreckenrennen in Templin wurde die zweite Saisonhälfte der GTC eingeläutet. Das Saison-Highlight folgt schon Ende des Monats. Beim Bavarian 24h in Wackersdorf dürfen sich alle auf das größte Starterfeld des Jahres freuen und fiebern jetzt schon dem Klassiker entgegen.