Samstag, 25. November 2017
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FIA WEC
16.10.2017

Stefan Mücke verpasst Podium nur knapp

Nach dem Abstecher über den Atlantik nach Amerika ging es für die FIA World Endurance Championship am vergangenen Wochenende nach Japan. Auf dem Fuji International Speedway wurde das finale Asien-Triple eingeläutet. Stefan Mücke und sein Team Ford Chip Ganassi reisten an die Strecke am Fuße des Fuji, um an die Saisonerfolge anzuknüpfen. 51.000 Fans kamen über das gesamte Wochenende an den Speedway und wurden bei den 6 Stunden von Fuji Zeugen eines chaotischen Rennens. 

Regen hatte den 4,563 Kilometer langen Kurs durchgehend im Griff. Keine einzige Session fand unter trockenen Verhältnissen statt. Entsprechend schwierig die Bedingungen für das gesamte Feld, doch im Qualifying schlugen sich Mücke und sein Teamkollege Olivier Pla beachtlich und sicherten sich den dritten Startplatz. 

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Das sechsstündige Rennen war geprägt von mehreren Safety-Car-Phasen sowie Gelben und Roten Flaggen. Dabei erlebte Mücke in seinem knapp dreieinhalbstündigen Stint ein Auf und Ab der Gefühle. Zwischenzeitlich lag er an letzter Stelle, im Mittelfeld der stark besetzten LMGTE PRO-Klasse und sogar in Führung. Entsprechend dem wechselhaften Wetter und den sich ständig ändernden Streckenbedingungen hatten die Strategen bei Ford Chip Ganassi alle Hände voll zu tun und haben für den letzten Rennabschnitt auf einen vollen Tank gesetzt. 

Ein vorzeitiger Rennabbruch beendete die Siegambitionen des Ford GT mit der Startnummer #66, denn das Team konnte den strategischen Vorteil nicht mehr ummünzen. Vor Rennabbruch lag das Duo auf dem vierten Rang. Lediglich sechs Sekunden trennten Mücke und Pla vom Klassensieger. 

In knapp drei Wochen geht es für Mücke und sein Team nach China. Bei den 6 Stunden von Shanghai (4./5. November) will das Duo auf der starken Performance in Japan aufbauen. 


Vier Fragen an Stefan Mücke 


Das Podium war diesmal in greifbarer Nähe, Stefan. Wie lief dein Stint?
Stefan Mücke: „Es war ein sehr chaotisches Rennen. Die Streckenbedingungen waren äußerst schwierig, wir hatten eine Menge Safety-Car-Phasen und das Rennen wurde unterbrochen, bis es schließlich wegen Nebels ganz abgebrochen wurde. Mein Stint war eine richtige Achterbahn der Gefühle. Mal lagen wir ganz vorn, mal ganz hinten, mal im Mittelfeld. Letztlich spielte die Strategie eine essenzielle Rolle. Ist man beispielsweise davon ausgegangen, dass das Rennen abgebrochen wird, hat man während einer Safety-Car-Phase nicht die Box angesteuert, um nachzutanken. Ginge es dann aber weiter, hätte man der Konkurrenz gegenüber einen eklatanten Nachteil, weil man unter normalen Rennbedingungen beim Stopp viel mehr Boden auf die Gegner verliert.“

Ihr hattet nach dem Fahrerwechsel die besten Voraussetzungen, um den Sieg mitzukämpfen...
Stefan Mücke: „Nachdem Olivier das Auto übernommen hatte, hatten wir ausreichend Sprit im Tank, um das Rennen mit nur einem weiteren Boxenstopp zu Ende fahren zu können. Alle anderen Autos um uns herum hatten wesentlich weniger Benzin an Bord und hätten wahrscheinlich zweimal zum Nachtanken an die Box kommen müssen. Leider ging unsere Strategie aber nicht auf, weil wieder starker Nebel einsetzte und das Rennen endgültig abgebrochen werden musste. Das ist natürlich schade, weil wir strategisch ziemlich gute Karten hatten. Zudem waren wir von der Pace her über weite Strecken absolut konkurrenzfähig.“

Euer Rennen war nicht frei von Handicaps. Was genau ist passiert?
Stefan Mücke: „In Runde acht ist unser Scheibenwischer kaputt gegangen. Das war eine starke Einschränkung. Ich saß dreieinhalb Stunden im Auto und die Sicht war durch den Defekt stellenweise stark beeinträchtigt. Nach den Stopps war es anfangs immer okay, weil wir ein Mittel auf die Scheibe bekommen haben, das Wasser abperlen lässt. Aber das hat nicht allzu lang geholfen. Es war jedoch nicht nur Wasser, das die Sicht beeinträchtigte, sondern auch Öl und Dreck der Vordermänner oder bei Überrundungen Prototypen. Ich bin mir sicher, wir hätten sonst ein Wörtchen um den Sieg mitreden können.“

In Shanghai in drei Wochen folgt der nächste Angriff auf das Podium. Oder ist sogar mehr möglich?
Stefan Mücke: „In Shanghai waren wir letztes Jahr schon gut unterwegs. Wir hoffen natürlich darauf, dass in China das Wetter mitspielt und nicht so chaotische Verhältnisse vorherrschen wie in Japan. Denn dann können wir unser volles Potenzial zeigen. Ich bin mir aufgrund des Streckenlayouts, das eine spannende Mischung aus schnellen und langsamen Kurven sowie langen Geraden aufweist, sicher, dass wir mit unserem Ford GT um das Podium, wenn nicht sogar um den Sieg mitfahren können. Lediglich die erste Kurve ist etwas eigen, trägt aber zum einzigartigen Charakter der Strecke entscheidend bei. Ich freue mich schon sehr auf das kommende Rennwochenende.“