Freitag, 24. November 2017
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Automobilsport
28.10.2017

BMW-Junior Mikkel Jensen im Interview

Fünf vielversprechende Talente sind in der Saison 2017 Teil des BMW Motorsport Junior Programms. Sie alle stehen noch am Anfang ihrer Karrieren, haben aber bereits einen interessanten Werdegang hinter sich. Im Rahmen einer Interviewserie stellen werden nun die einzelnen BMW Motorsport Junioren vorgestellt. Diesmal: Mikkel Jensen (DK).

Mikkel Jensen überzeugte die Verantwortlichen von BMW Motorsport beim Shootout potenzieller neuer Junioren für die Saison 2017 so sehr, dass sie ihm auf Anhieb den Einsatz im BMW M6 GT3 zutrauten. Der Däne erhielt in der Blancpain Endurance Series den Platz an der Seite von Nico Menzel (DE) und dem dritten Fahrer Christian Krognes (NO) bei Walkenhorst Motorsport. Zudem sammelte er erste Erfahrungen auf der Nürburgring-Nordschleife (DE). Jensen gewann 2014 den Titel im ADAC Formel Masters und trat in den vergangenen beiden Jahren in der europäischen Formel-3-Meisterschaft an. Am vergangenen Wochenende war er beim DTM-Finale in Hockenheim (DE) vor Ort.

Mikkel, Sie haben sich in Ihrer Karriere jahrelang auf den Formelsport konzentriert. Warum nun der Wechsel in den GT-Bereich?
Mikkel Jensen: „Im Prinzip war mir immer klar, dass dieser Wechsel für mich eines Tages kommen würde, da ich nie das ganz große Budget hatte, das man braucht, um im Formelsport ganz nach oben zu kommen. Es war immer ein harter Kampf, das Geld für jede einzelne Saison zusammen zu bekommen. Irgendwann habe ich dann keine Chance mehr gesehen, auch weil ich teilweise gegen sechs oder sieben Junior-Fahrer eines Formel-1-Teams antreten musste, die natürlich viel mehr gefördert wurden als ich und ganz andere Möglichkeiten hatten. Dennoch blicke ich gerne auf meine Jahre im Formelsport zurück, denn ich habe dort sehr viel gelernt, von dem ich auch im GT-Sport profitieren kann.“

Welchen Stellenwert hat der Motorsport in Ihrer Heimat Dänemark?
Jensen: „Natürlich ist der Stellenwert nicht so hoch wie in Deutschland, aber gemessen an der Größe des Landes kann sich die Zahl der guten Rennfahrer, die aus Dänemark kommen, sehen lassen. In Dänemark selbst finden zwar keine nennenswerten Rennen statt, aber nationale Motorsport-Stars wie Tom Kristensen, Chris Nissen oder Jan Magnussen unterstützen uns junge Fahrer bei der Planung unserer Karrieren.“

Haben Sie Vorbilder im Motorsport?
Jensen: „Generell habe ich keine Vorbilder, da ich denke, dass es nicht diesen einen perfekten Fahrer gibt. Jeder hat seine ganz besonderen Stärken, von denen ich als junger Fahrer versuche, mir etwas abzuschauen. Sehr gute Fahrer sind für mich zum Beispiel Lewis Hamilton und Fernando Alonso.“

Wie kam der Kontakt zu BMW zustande?
Jensen: „BMW Motorsport hat mich zum ersten Mal kontaktiert, als ich 2014 den Titel im ADAC Formula Masters gewonnen habe. Doch damals stand schon fest, dass ich in die Formel 3 wechseln würde. Im vergangenen Winter hatte ich dann Probleme, das Budget für diese Saison zusammenzubekommen und war sehr glücklich, als sich BMW Motorsport erneut bei mir gemeldet und mich zum Shootout in Miramas eingeladen hat. Ich musste mich damals zwischen zwei Tests entscheiden, die am gleichen Tag angesetzt waren. Zum Glück habe ich mich für den Test mit BMW Motorsport entschieden.“

Sie konnten im Rahmen des BMW Motorsport Junior Programms direkt im BMW M6 GT3 Rennen bestreiten. Eine große Herausforderung...
Jensen: „Das stimmt. Für Nico Menzel und mich als Fahrer und auch für unser Team Walkenhorst Motorsport war die Blancpain GT Series völlig neu. Es war hart, hat aber auf der anderen Seite auch unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel gelernt und freue mich darauf, hoffentlich im kommenden Jahr wieder im BMW M6 GT3 Rennen fahren zu können.“

Was macht mehr Spaß: den BMW M6 GT3 fahren oder auf der Nürburgring-Nordschleife unterwegs sein?
Jensen: „Ich mag die Nordschleife sehr, und es macht großen Spaß, dort mit dem BMW M235i Racing ans Limit zu gehen. Doch der BMW M6 GT3 ist für mich als Rennfahrer das aufregendere Fahrzeug. Auch die Detailarbeit mit den Ingenieuren und den Fahrerkollegen, die Abstimmungsarbeit am Auto – all das, was hinter den Kulissen des GT-Sports passiert, gefällt mir extrem gut.“

Das hat man an Ihrem Facebook-Post gemerkt, als der neue BMW M8 GTE präsentiert wurde. Würden Sie dieses Fahrzeug gerne einmal testen?
Jensen: „Das ist auf jeden Fall eines meiner Ziele. Ich denke, der GT-Sport hat eine gute Zukunft vor sich. Viele Hersteller treten dort auf höchstem technischem und sportlichem Niveau gegeneinander an. Irgendwann einmal im BMW M8 GTE in Le Mans an den Start zu gehen, wäre für mich ein Traum.“

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Junioren?
Jensen: „Ich kannte einige schon vorher aus anderen Rennserien, aber wir haben uns einige Jahre nicht mehr getroffen. Gegen Beitske Visser bin ich in meinem ersten Jahr im ADAC Formula Masters gefahren. Im Jahr danach dann gegen Nico Menzel und Dennis Marschall. Nun treffen wir uns alle als BMW Motorsport Junioren wieder. Das ist sehr interessant, denn zum ersten Mal sind wir keine Gegner auf der Strecke sondern arbeiten zusammen. Auf diese Art und Weise lernen wir uns ganz neu kennen – und wir verstehen uns sehr gut.“

Wie würden Sie Ihren Charakter in drei Stichworten beschreiben – auf und neben der Rennstrecke?
Jensen: „Ich bin ein Perfektionist. Bei allem, was ich tue, habe ich diesen Anspruch. Hingabe an eine Aufgabe ist auch einer meiner Charakterzüge. Beide hängen eng zusammen, denke ich. Außerdem bin ich ein positiver Mensch.“

Was können Sie abgesehen vom Rennfahren am besten?
Jensen: „Ich war ein ziemlich guter Fußballer, bevor ich mit 15 Jahren angefangen habe, Kart zu fahren. Dann haben sich meine Interessen in Richtung Motorsport verschoben.“

Auf welcher Position haben Sie gespielt?
Jensen: „Ich war Stürmer. Ich war schnell und hatte einen guten Torriecher.“

Welches war ihr schönster Karriere-Moment und welches Ihr schlimmster?
Jensen: „Der beste Moment ist leicht: Das war mein Titelgewinn im ADAC Formula Masters in 2014. Dadurch sind die Verantwortlichen im Motorsport auf mich aufmerksam geworden und ich habe Angebote bekommen – unter anderem kam damals auch der erste Anruf von BMW Motorsport. Am schlimmsten war 2016 mein letztes Jahr in der Formel 3. Die Ergebnisse haben nicht gepasst, ich hatte Budgetprobleme – es lief einfach nichts zusammen. Aber ich habe auch in diesem schwierigen Jahr viel gelernt. Und ich hatte Glück, dass sich BMW Motorsport an meine guten Leistungen aus den Jahren zuvor erinnert hat.“