Mittwoch, 20. November 2019
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
VLN
29.11.2015

Legal und verdient die Nummer eins in der Klasse V6

Dass nach Rennen unterlegene Konkurrenten auch mal am rechtmäßigen Material des Gegners zweifeln und nicht den Fehler bei den eigenen technischen oder fahrerischen Fähigkeiten suchen, ist auch in der VLN Langstreckenmeisterschaft inzwischen zur Normalität geworden. Da es auch immer wieder das eine oder andere schwarze Schaf gibt, hat man zu Recht die Möglichkeit des Protestes und damit die Chance Regelüberschreitungen überprüfen zu lassen.

Was allerdings im Laufe der Saison 2015 und insbesondere nach dem zehnten Lauf in der Langstreckenmeisterschaft mit dem Klassensieger von Mathol Racing geschah, grenzte an Diffamierung und übler Nachrede. Und das ohne jegliche Grundlage, wie jetzt zweifach bewiesen wurde.
 
Sowohl Fahrer Claudius Karch, als auch Teamchef Matthias Holle waren am Abend des 31. Oktober emotional leicht aufgeladen. „Die sollen sich doch lieber mal fragen, was an ihrem Auto oder ihrer Fahrerpaarung falsch ist, wenn nicht nur wir schneller sind, sondern sie sogar von einem V5-Auto überholt werden“, meinte Holle. Gegen den Zimmermann-Cayman war durch das Team eines bekannten Fleischumformers ein Protest eingereicht worden, dessen Umfang der Teamchef interpretierte: „Die wollen keine Klärung der Performance, sondern uns einfach aus der Wertung haben. Für solche Industriellen-Teams sind natürlich auch die dazu notwendigen 15.000 EUR Protestkosten kein Hindernis.“ Die Wertung wurde ausgesetzt und in den folgenden Wochen das Auto umfangreich zerlegt und geprüft. Ergebnis: Alle Gewichte, Füllmengen, Leistungen und Teile entsprechen den Regeln, der Protest wurde als unbegründet zurückgewiesen. Jetzt jedoch bestätigte sich der Anfangsverdacht des Teamchefs, denn trotz eindeutiger Ergebnisse wurde seitens des Protestführers Berufung eingelegt und erneut viel Geld eingezahlt.
 
Erneut wurde die Leistung des Autos gemessen, diesmal sogar auf dem Wunschprüfstand des Protestführers, erneut einige Teile untersucht, aber das Ergebnis blieb unverändert und somit der Klassensieg amtlich. Immerhin zeigte jetzt auf Nachfrage der 1. Fahrer des Protestführers eine gewisse Größe und entschuldigte sich für die Vorwürfe. Durch seine schnelle Reaktion konnte das langwierige formale Verfahren der Berufung stark abgekürzt werden und am Freitagabend vor der Jahressiegerehrung der VLN die Ergebnisse nun als endgültig erklärt werden. Vielen Dank im Namen aller dafür.
 
„Manche hier am Ring beheimatete Teams können es offensichtlich nur schwer verkraften, wenn eine andere Mannschaft ihnen zeigt, wo der Hammer hängt“, ärgerte sich Holle. Die Vorwürfe, der Zimmermann-Cayman sei nicht regelkonform, stehen schon lange im Raum. Kein Wunder, bügelten die extrem starke Fahrerpaarung Claudius Karch und Ivan Jacoma doch schließlich bei jedem Rennen auch die versammelte 911er-Meute aus der Klasse V6 ab. Bei den neun gewerteten Rennen sah der Zimmermann-Porsche sechsmal die Zielflagge und jedes Mal stand das Auto am Ende auf Rang eins.
 
„Mir geht es nicht um den Protest als solches. Die Möglichkeit, zu protestieren und mögliche Mogeleien der Gegner aufzudecken ist richtig und wichtig“, betont Matthias Holle, „der gewählte Zeitpunkt und der Umfang waren dagegen fragwürdig.“ An alle Teams in der VLN richtet sich Holle mit seiner Bitte „gerade in einem gehobenen Clubsport wie der VLN sollte aber vor dem Protest das freundliche Gespräch mit dem Wettbewerber stehen. Sind Zweifel an der Leistung oder technischen Bauteilen vorhanden, so wird der legale Bewerber sicherlich keine Probleme damit haben, die Reglementkonformität auf freiwilliger Basis nachzuweisen. Sollten Unklarheiten in einer Reglementauslegung bestehen, können diese so auch ohne finanziellen oder Reputationsschaden geklärt werden. Erst bei einer Verweigerung dessen würde ich persönlich vor dem Wettbewerb einen Protest ankündigen und bei unveränderter Performance im Rennen dann auch durchziehen.“
 
Holle und Karch meinten unisono weiter: „Es entspricht nicht unseren Vorstellungen von fairem Motorsport, wenn man mit unerlaubten Mitteln kämpft, von daher kam das für uns auch nie in Frage. Wir hoffen, dass das Thema nun endgültig geklärt ist und wir im nächsten Jahr wieder packenden Motorsport auf der der Strecke bieten können.“
 
Die Verfügbarkeit der entsprechenden Autos vorausgesetzt, werden Karch und Jacoma sich mit gleichem Team und Sponsor jedoch dem Wettbewerb in einer neuen CUP-Klasse in der VLN stellen.