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Formel 1
01.07.2014

Pirellis Vorschau auf den England Grand Prix

Die Formel 1-Teams sind auf dem Weg nach Silverstone, der Heimat des britischen Motorsports. Nicht weniger als acht Teams haben ihren Sitz in Großbritannien. Für Pirelli ist der Grand Prix quasi das zweite Heimrennen der Saison, denn der Logistik-Hub und das „Centre of Excellence“ des Reifenherstellers befinden sich in Didcot, nur knapp eine Stunde von der Strecke entfernt.

Der Circuit zählt zu den Schnellsten in der gesamten Saison. Große Mengen an Energie werden hier in den Highspeed-Kurven durch die Reifen geleitet und belasten sie entsprechend stark. Verschärft wird die Herausforderung häufig durch die unbeständigen Witterungsbedingungen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es an mindestens einem Tag des Rennwochenendes wieder regnen.

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Hinzu kommen starke Temperaturschwankungen und oft wechselnde Windgeschwindigkeiten. Aufgrund dieser wechselhaften Rahmenbedingungen kann es für die Teams bisweilen sehr schwierig sein, anhand der in den freien Trainings erhaltenen Daten akkurat auf die Bedingungen während des Rennens zu schließen. Um für diese Herausforderungen in Silverstone gewappnet zu sein, nominierte Pirelli die beiden härtesten Mischungen aus der Formel 1-Reifenkollektion 2014: den harten P Zero Orange und den Medium-Slick P Zero White.

„Das Rennen in Silverstone zählt zweifellos zu den besonderen Highlights des Jahres. Dieser Ort hier ist tief in der Geschichte des Motorsports verwurzelt. Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten sind die Rennen für die Fahrer wie auch für die Fans immer sehr aufregend. Zudem sind die britischen Motorsportfans außergewöhnlich fachkundig und begeistert. Es ist schlicht fantastisch, wie lautstark und engagiert sie ein Rennen begleiten. Und, unnötig zu erwähnen, natürlich bei jedem Wetter. Stichwort Wetter, die Witterungsbedingungen sind in Silverstone stets ein Thema, in den vergangenen Jahren reichte das Spektrum von strahlendem Sonnenschein bis zu wolkenbruchartigen Regenfällen. Daher kommt es auch entscheidend auf die Fähigkeit der Teams an, umgehend mit den richtigen strategischen Entscheidungen auf die äußeren Bedingungen zu reagieren. Denn auf die vorher erhobenen Daten kann sich hier niemand verlassen“, sagt Paul Hembery, Motorsport Direktor von Pirelli.

Und weiter: „Wir haben unsere beiden härtesten Mischungen im Gepäck. Sie sollten mit den Bedingungen in Silverstone sehr gut zurechtkommen. Nach dem Rennen freuen wir uns auf den letzten Reifentest während der laufenden Saison. Er findet von Dienstag bis Mittwoch statt. Ferrari und Marussia werden für uns am ersten Tag fahren, Red Bull und Lotus am Folgetag. Dabei werden wir unsere Entwicklung künftiger Produkte fortsetzen.“

Jean Alesi, Pirelli Berater, fügt hinzu: „Silverstone ist einzigartig, obwohl der Kurs heute ganz anders ist als noch vor einigen Jahren. Damals gab es insgesamt nur sechs Kurven, darunter die ‚Stowe‘, die mit irrem Tempo durchfahren wurde. Seither hat sich viel verändert, auf dem aktuellen Circuit bin ich nur in GT-Autos gefahren. Doch in einigen Abschnitten ist Racing am Limit immer noch möglich. So wird zum Beispiel die ‚Becketts‘ genannte Abfolge von Kurven immer noch mit hohem Speed genommen. Jeder Fahrer benötigt auf dieser Strecke ein perfekt ausbalanciertes Auto und erstklassige Reifen, um jene entscheidende Zehntelsekunde herauszuholen, die im Qualifying eine gute Rundenzeit ausmacht. Und um in einem sehr anspruchsvollen Rennen ein hohes Tempo halten zu können. Das Layout des Circuits ermöglicht ein flüssiges Fahren. Für die Fahrer liegen die Herausforderungen der Strecke daher eher im mentalen als im körperlichen Bereich.“



Die Anforderungen der Strecke an die Reifen

Die erste Hälfte der Runde enthält einige sehr schnelle Kurven. Daher tendieren die Teams dazu, mit einem mittleren bis hohen Abtrieb zu fahren, um die bestmögliche Kurvengeschwindigkeit zu erhalten. Dieses Setting stellt auf den relativ kurzen Geraden kein allzu großes Handicap dar. Eine Reihe kurzer Bremszonen verteilt sich über die gesamte Strecke. Daher kann es für die Fahrer eine ziemliche Herausforderung sein, Konkurrenten zu überholen. Silverstone gilt als „High-Energy“-Strecke. Aufgrund des schnellen und flüssig zu fahrenden Kurses, werden die Reifen permanent starken unterschiedlichen Kräften ausgesetzt. In manchen Abschnitten wirken mehrere Kräfte gleichzeitig auf sie ein. Die Querbeschleunigung erreicht in der Spitze 5 G. Die Laufflächen der Reifen können deutlich über 110 Grad Celsius heiß werden.

Der Medium-Reifen hat ein relativ schmales Einsatzfenster und liefert auch bei niedrigeren Temperaturen maximale Leistung. Der harte Slick hat ein breiteres Arbeitsfenster und ist insbesondere für höhere Temperaturen und schwierige Streckenbedingungen ausgelegt. Auf kaum einer anderen Strecke der Formel 1 sind die Temperaturschwankungen so extrem wie in Silverstone. Zwischen zwei Sessions kann die Streckentemperatur bis zu 15 Gard Celsius steigen oder fallen. Das macht das Prognostizieren einer Strategie zusätzlich enorm schwierig.

Die Strecke von Silverstone wird im Verlauf der gesamten Saison sehr intensiv genutzt. Während des Formel 1-Wochenendes finden dort unter anderen auch die Rennen der GP2 und der GP3 statt. Aus diesem Grund spielt der Veränderung der Strecke keine so maßgebliche Rolle wie auf anderen Circuits. Im vergangenen Jahr war eine zwei-Stopp-Strategie erfolgreich. Sebastian Vettel, der als Dritter ins Rennen gestartet war, absolvierte zwei Stints auf den Mediums, bevor er auf den harten Slicks das Rennen für Red Bull gewann.
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