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Rallye DM
26.03.2013

Wallenwein gewinnt bei den Wikingern

Diese ADAC Wikinger Rallye (21.-23. März 2013) wird in den Geschichtsbüchern des Rallye-Sports einen besonderen Platz einnehmen. Der zweite Lauf zur Deutschen Rallye-Meisterschaft und die Auftakt-Veranstaltung der Dänischen Top-Liga sollte wie immer eine anspruchsvolle Asphalt-Rallye im Herzen Angelns werden.

Doch knapp eine Woche vor der Rallye entschied sich der Frühling, der so gerne ein Winter sein möchte, zu einem erneuten Wintereinbruch. Schneefälle und vor allem die starken Ostwinde wehten die Straße teilweise bis zu zwei Metern Höhe zu.

Nur durch den Einsatz von Radladern konnten die Wertungsprüfungen überhaupt befahrbar gemacht werden. Doch manchmal machte der Wind innerhalb von nur wenigen Stunden die gesamten Räumarbeiten wieder zunichte. Trotz aller Bemühungen und dem gleichzeitigen Einsatz von vier Radladern und bis zu sieben Traktoren mit Schneepflügen konnten nur acht der geplanten 14 Wertungsprüfungen gefahren werden. Die restlichen mussten aus Sicherheitsgründen annulliert werden, teilweise waren sogar die öffentlichen Zuwegungen zugeschneit.

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„Das war wohl die unberechenbarste Rallye, die ich bislang gefahren bin. Danke an den Veranstalter, dass wir bei den Bedingungen hier überhaupt fahren konnten, Hut ab vor dieser Leistung“, freute sich Sandro Wallenwein im Ziel. Der Stuttgarter hatte zusammen mit Copilot Marcus Poschner (Lautrach) im Subaru Impreza R4 die Rallye vom Start weg dominiert und klar gewonnen. Das Podest vervollständigen Steen Andersen / Iben Louring Mortensen (DK / DK) im Mitsubishi Lancer und Jan Becker / Bianka Hutzfeld (Hamburg / Kiel) in ihrem Subaru Impreza WRX.

Andersen freute sich neben dem zweiten Gesamtrang vor allem darüber, bester Däne geworden zu sein, „das ist ein toller Start in unsere Meisterschaft. Ich liebe diese Rallye.“ Für Jan Becker stand fest, „Ich habe noch nie in meinem Leben etwas Vergleichbares gemacht wie diese Rallye heute. Das war der Hammer.“

Bis kurz vor dem Ziel lagen Georg Berlandy / Peter Schaaf (Stromberg / Mayen) im Peugeot 207 S2000 auf dem zweiten Gesamtrang. Der Ausrutscher in eine Schneewehe stoppte den Vorwärtsdrang, dennoch war Berlandy zufrieden, letztlich konnte er den zweiten Platz in der Meisterschaftswertung verteidigen, „das war großes Kino, meine ganz private Rallye Monte-Carlo." Härter traf es Peter Corazza, der als Tabellenleader angereist war. Bei einem Ausrutscher auf der Freitagsetappe beschädigt er seinen Mitsubishi Lancer und musste ohne Punkte abreisen. „Ich habe eine Eisplatte erwischt und war die berühmten zweieinhalb Stundenkilometer zu schnell.“

Die neuen Tabellenleader sind Dirk Riebensahm / Kendra Stockmar-Reidenbach (Andernach / Elchweiler). Im Subaru Impreza N16 sammelten sie mit dem vierten Gesamtrang die dazu erforderlichen Punkte, für Riebensahm ein nachträgliches Geschenk zu seinem Geburtstag am Freitag. „So eine Rallye habe ich noch nie erlebt. Es kam nicht aufs schnell fahren an, sondern anzukommen. Ich hatte einige Aha-Erlebnisse und bin froh, dass wir im Ziel sind. In der Meisterschaft liegen wir jetzt vorn. Das ist zwar toll, aber die Saison ist noch lang."

Bestes Team der 2-WD-Wertung in der DRM wurden Willi Wiegmann / Bastian Kotulla (Seelscheid / Troisdorf) Das Duo gewann damit auch die Wertung zur Renault Twingo R1-Trophy. Die Favoriten Lars Mysliwietz (Piesbach / Citroën DS3 R3T) und Carsten Mohe (Crottendorf / Renault Mégane RS) landeten nach zeitraubenden Ausrutschern weit abgeschlagen im Feld.

Citroën DS3 R1 Trophy

Wie schon beim Auftaktlauf bei der Pfalz Westrich Rallye waren auch diesmal Julius Tannert / Maik Trommler (Lichtentanne / Langenberg) in ihrem Citroën DS3 R1 nicht zu schlagen. Sie lagen im Ziel deutlich vor Dark Liebehenschel (Hamm) und Philipp Knof (Wülfrath). In der Gesamtwertung fuhr Tannert in einem der kleinsten Fahrzeuge des gesamten Feldes bis auf den achten Gesamtrang nach vorn.

Als Gaststarter war Felix Herbold (Ingolstadt) in der Trophy dabei, der in den beiden vergangenen Jahren, die Wikinger Rallye gewann. Damals war er allerdings auf einem Ford Fiesta S2000 unterwegs. Er lieferte sich mit Tannert einen spannenden Zweikampf mit mehreren Führungswechseln. Der siegreiche Tannert im Ziel: „Dass ich die Citroën Trophy erneut gewinnen konnte ist für mich ein riesiger Erfolg. Das kann man gar nicht in Worte fassen. Ich musste nicht wirklich auf Felix (Herbold) achten, da er nur Gaststarter war, ich habe nur auf die anderen Trophy-Teilnehmer geachtet. Durchkommen und keine Fehler machen, das war mein Rezept.“

Wikinger bezwingen das Schneechaos

Selbst die Anlieger an den Wertungsprüfungen waren sprachlos und können sich nicht erinnern, innerhalb der letzten 20 Jahre jemals solche Bedingungen erlebt zu haben. Es ist nicht der Anfang der Woche entgegen aller Prognosen wieder einsetzende Schneefall, der den Wikinger-Organisatoren das Leben so schwer macht, es war der starke Ostwind. Der wehte so heftig, dass er zuvor frei geräumte Passagen innerhalb weniger Stunden wieder mit einer bis zu einem Meter hohen Schneewehe bedeckte.

Der Shakedown, ein letzter Test unter Wettbewerbsbedingungen, gab den Teilnehmern am Donnerstagabend bei heftigem Schneetreiben einen ersten Vorgeschmack auf die Aufgaben am Freitag und Samstag. Lange Jahre war die bayrische Oberland-Rallye der Saisonauftakt der Deutschen Rallye-Meisterschaft. Sie war nicht nur die höchstgelegene, ihre Wertungsprüfungen führten teilweise bis auf 1.000 Meter, sie galt auch als Schneesicher.

Die höchste Erhebung im Umfeld der Wikinger-Rallye ist gerade mal 70 Meter hoch, aber in diesem Jahr komplett schneebedeckt. Bis zu zwei Meter hoch waren die höchsten Schneewehen, die beseitigt werden mussten, damit die Teams eine befahrbare Strecke vorfinden konnten. Bernd Becker (Klappholz), der Leiter der Streckensicherung flachste, „dann sind wir halt jetzt die Oberland, aber die im Norden.“

Damit die Wertungsprüfungen überhaupt befahren werden konnten, war seit Dienstag das Technische Hilfswerk (THW) mit schwerem Gerät auf den Prüfungen unterwegs. Für die Besichtigung der Strecken durch die Teilnehmer waren diese alle am Freitagmorgen passierbar. „Auch am Freitagmorgen haben wir auf jeder Prüfung nochmals geräumt, damit die Teilnehmer bestmögliche Bedingungen vorfinden konnten“, erläutert Organisationsleiter Rainer Haulsen (Schleswig). Dennoch musste auf der ersten Etappe am Freitagabend die letzte Wertungsprüfung annulliert werden, da sie innerhalb nur einer Stunde durch Schneeverwehungen unpassierbar wurde.

Am Samstag früh waren ab 05.00 Uhr wieder vier Radlader und bis zu sieben Traktoren mit Schneepflügen unterwegs, um die Vormittagsprüfungen befahrbar zu machen. Bei der Prüfung ‚Voldewraa’ gelang dies, vor den über Nacht angesammelten Schneemassen auf der WP ‚Hollehit’ mussten die Räumfahrzeuge kapitulieren. „Wenn wir diese tolle Unterstützung mit Radladern und Traktoren nicht gehabt hätten, hätten wir schon am Freitag nicht starten können“, berichtete Bernd Becker. „Alles was in der Nähe an Räumgeräten zur Verfügung stand hat mitgeholfen, vielen, vielen Dank dafür.“

Die Hilfe kam teilweise sehr spontan. Ein ortsansässiger Bauunternehmer hörte an der Startrampe, mit welchen Schnee-Problemen der Veranstalter zu kämpfen hatte. „Er kam zu mir und hat nur noch gefragt, wo er seinen Radlader jetzt hinschicken solle“, erläutert Rallyeleiter Jürgen Krabbenhöft an einem Beispiel die fantastische Hilfsbereitschaft. „Nicht nur an dieser Stelle möchte ich unseren über 500 Helfern ausdrücklich danken. Sie haben bei diesen wirklich extremen Bedingungen dafür gesorgt, dass unsere Veranstaltung überhaupt ablaufen konnte. Das Gesicht der diesjährigen Wikinger Rallye ist Bernd Becker. Er und seine Truppe waren rund um die Uhr im Einsatz und so die Veranstaltung erst möglich gemacht."

Bürgermeister Friedrich Bennetreu hatte am Freitag den Dänischen Meister Christian Jensen im Peugeot 207 S2000 als Ersten auf die Strecke geschickt, den musikalischen Rahmen dazu bot der Spielmannszug aus Schleswig. Bennetreu erklärte augenzwinkernd, „wir wollten den Fans der Wikinger-Rallye mit diesem Wetter mal etwas ganz Besonderes bieten, eine richtig große Herausforderung. Diese Bedingungen bedeuten für den Veranstalter einen riesigen Kraftakt und wir versuchen als Gemeinde Süderbrarup dabei zu helfen. Die Süderbraruper sind stolz darauf, dass die Wikinger Rallye hier stattfindet und hoffentlich auch noch lange bleibt.
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