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Formel 1
21.11.2013

Renault-Rückblick: Abschied vom V8-Motor

Am kommenden Wochenende endet in der FIA Formel 1-Weltmeisterschaft nach acht Jahren die Ära der V8-Triebwerke mit 2,4 Litern Hubraum. Beim Saisonfinale, dem Großen Preis von Brasilien, bestreitet mit dem RS27-Weltmeistermotor von Renault auch das erfolgreichste Triebwerk der Achtzylinder-Epoche sein letztes Rennen.

Renault Sport F1 hat den ikonischen V8-Saugmotor im Verlaufe der vergangenen acht Jahre stetig weiterentwickelt. Zahlreiche Innovationen sorgten für eine herausragende Leistungsfähigkeit und eine beeindruckende Siegesbilanz: Renault hat in der V8-Ära bislang 59 Grands Prix gewonnen, 51 davon mit dem aktuellen RS27* – dem erfolgreichsten Motor dieser achtjährigen Epoche. In der Saison 2014 löst ihn der neue 1,6-Liter-V6-Turbo Renault Energy F1-2014 ab.

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In den vergangenen acht Jahren sorgte Renault für eine beeindruckende Dominanz in der Königsklasse des Motorsports. V8-Triebwerke des französischen Automobilherstellers gewannen jeweils fünf von acht möglichen Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeistertiteln (2006, 2010, 2011, 2012 und 2013). Renault ist damit der erfolgreichste Motorenhersteller der V8-Epoche. Zusätzlich zu den 59 GP-Siegen erzielten die RSF1-Achtzylinder aus Viry-Châtillon bislang 65 Pole-Positionen und 55 schnellste Rennrunden. Beim Saisonfinale in Interlagos will Renault Sport F1 diese glorreiche Statistik mit weiteren Bestmarken krönen.

Fahren nach Zahlen: Die Statistik der V8-Motoren von Renault*
  • 8 Jahre fuhr die Formel 1 mit Achtzylinder-Triebwerken
  • Bei 59 Rennen siegten die V8-Motoren von Renault – das entspricht einer Quote von 40 Prozent
  • 65 Mal eroberten die Partnerteams von RSF1 die Pole-Position
  • Auf das Konto der Achtzylinder von Renault gehen 55 schnellste Rennrunden und 3.665,5 WM-Punkte
  • 5 Konstrukteurs-Weltmeistertitel
  • 5 Fahrer-Weltmeistertitel
  • 750 PS leistet der RS27-V8 in seiner letzten Ausbaustufe des Jahres 2013 (bei normaler Lufttemperatur, Luffteuchte und normalem Luftdruck)
  • 18.000 Umdrehungen pro Minute beträgt die vom Reglement diktierte Maximaldrehzahl in der Ausbaustufe für die Saison 2013
  • 95 Kilogramm wiegt der RSF1 nach FIA-Norm
  • 1.271 Exemplare wurden gebaut, 683 kamen auf der Rennstrecke zum Einsatz, 588 auf dem Motorenprüfstand
  • Mehr als 2 Millionen Kilometer spulten die V8-Motoren in dieser Zeit ab
  • Über 7,6 Millionen Bauteile wurden in der V8-Epoche insgesamt verwendet
  • Jeder Motor besteht aus mehr als 5.000 Einzelteilen
Insgesamt wurden verwendet
  • 21.800 Kolben
  • 43.200 Einlassventile
  • 45.900 Auslassventile
  • 43.800 Pleuelschrauben
  • 22.000 Zündkerzen
  • 10.600 Ölfilter
* Stand nach dem Großen Preis der USA 2013

Rémi Taffin, Leiter des Renault Sport F1 Einsatzteams, berichtet über seine persönlichen Highlights in der V8-Ära: „Der Große Preis von Brasilien stellt eine Zäsur dar. Ich kenne die Formel 1 praktisch nur mit hochdrehenden Saugmotoren – und ich denke, so werden viele im Fahrerlager denken. In der V8-Ära ging es zuletzt vor allem darum, die Rennwagen schneller zu machen, ohne an der Leistungsschraube drehen zu können – dafür haben wir gelernt, viele andere Parameter zugunsten einer verbesserten Leistungsfähigkeit zu verändern. So wie zum Beispiel die Integration der Motoren in die Chassis, eine höhere Kraftstoffeffizienz oder den Umgang mit den Auspuffabgasen.

Unser Denken konzentrierte sich in dieser Zeit immer darauf, wie wir ein noch besseres Ergebnis erzielen können. Und fairerweise dürfen wir sicherlich behaupten, dass wir dabei sehr viel erreicht haben und stolz auf uns sein können. Gemeinsam mit seinen Partnerteams hat Renault gezeigt, wie effizient ein Formel 1-Motor konstruiert und eingesetzt werden kann, damit am Ende der schnellste Rennwagen herauskommt. Sicherlich hätten wir noch mehr Grands Prix ohne Probleme beenden können, als uns dies ohnehin schon gelungen ist – doch wer sich nicht traut, bis ans technische Limit zu gehen und dabei auch einmal einen Schaden in Kauf zu nehmen, wird unter seinen Möglichkeiten bleiben. Mancher Sieg ist das Resultat eines zuvor erlittenen Defekts.

Innerhalb der V8-Ära erinnere ich mich besonders gerne an die Saison 2006. Nach einem Motorproblem beim Großen Preis von Italien in Monza spürten wir starken Gegenwind, Michael Schumacher übernahm die Führung in der WM-Tabelle. Unsere Chancen, noch einmal zurückzuschlagen, waren eigentlich minimal – die Ferrari schienen zu diesem Zeitpunkt deutlich überlegen zu sein. Aber wir dachten gar nicht ans Aufgeben und den nächsten Grand Prix in Japan haben wir gewonnen. Dieses Mal war es der italienische Motor, der den Geist aufgegeben hatte. Noch vor dem Finale in Brasilien lagen wir wieder vorn – das perfekte Beispiel, wie schnell sich die Dinge im Rennsport drehen können. Seinerzeit standen die V8-Motoren noch am Beginn ihrer Entwicklung, aber wir hatten ihr Potenzial in dieser Phase bereits maximal ausgereizt. Durch den Defekt in Monza wussten wir, wo das Limit lag.

Ich habe die zurückliegenden Achtzylinder-Jahre sehr genossen. Nun wartet eine nochmals größere Herausforderung auf uns. Als Heranwachsender haben mich die Turbos in der Formel 1 sehr fasziniert – damals wurde mir klar, womit ich mich in meinem Berufsleben einmal beschäftigen möchte. Deswegen fühlt es sich für mich ein wenig so an, als würde ich in meine eigene Zukunft zurückkehren …“

Jean-Michel Jalinier, Präsident und Geschäftsführer Renault Sport F1: „Die V8-Ära war für Renault in der Formel 1 eine besonders erfolgreiche Zeit. Sie erinnert mich stark an die außergewöhnlich hohen Standards, die wir mit den V10-Aggregaten in den 90er Jahren setzen konnten. Wir dürfen auf unsere Sieg- und Pole-Position-Rate sehr stolz sein – ebenso wie auf die Fortschritte, die uns trotz des eingefrorenen Motorenreglements gelungen sind. Überaus zufriedenstellend ist aus unserer Sicht auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnerteams verlaufen. Gemeinsam ist es uns gelungen, unsere Achtzylinder so in die Chassis zu integrieren, dass sie stets ein Höchstmaß an Fahrbarkeit erreicht haben – auch wenn dies zuweilen auf Kosten der reinen Motorleistung ging. Dafür haben wir dann auf anderen Feldern wie zum Beispiel Energierückgewinnung und Kühlluftbedarf gemeinsam große Erfolge erzielt, um die Formel 1-Autos als Gesamtpaket schneller und konkurrenzfähiger zu machen. Die Tatsache, dass unsere V8 mit vier verschiedenen Rennställen und sechs verschiedenen Fahrern Grand Prix-Erfolge errungen haben, dient als Beweis für diese fruchtbaren Kooperationen.

Während der V8-Ära ist Renault als Automobilhersteller außerhalb von Europa gewachsen. In dieser Zeit haben unsere Erfolge in der Formel 1 die Bekanntheit und das Markenbild unseres Unternehmens in den betreffenden Ländern gestützt und einen wichtigen Beitrag für unsere internationale Entwicklung geleistet. Zugleich diente jeder einzelne Rennsieg natürlich auch den Kolleginnen und Kollegen in den Werken von Renault als Quell der Motivation. Jetzt konzentrieren wir uns auf die neuen Herausforderungen, die das Formel 1-Jahr 2014 mit sich bringen wird – die Leidenschaft für diesen Sport und unser Siegeswille sind ungebrochen.“