Mittwoch, 30. September 2020
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
PCHC
31.08.2020

Klasse Motorsport der PCHC in Assen – Vetter schlägt doppelt zu

Georg Vetter (993 GT2) war beim dritten Lauf der Porsche Club Historic Challenge nicht zu schlagen. In zwei packenden Rennen behielt der Schwarzwälder die Oberhand. Vor allem im zweiten Durchgang vollbrachte der GT2 Pilot mit dem Ritt durch das ganze Feld eine Glanzleistung.

Was sich schon im Qualifying andeutete, bewahrheitete sich in den Rennen. Mit zwei Siegen im Gepäck trat Georg Vetter die Heimreise an. Leicht machten es ihm seine Kontrahenten in beiden Rennen nicht. Beim Start zum ersten Rennen auf noch leicht feuchter Piste überrumpelte der von Platz drei kommende Maximilian Ertl (997 GT3 Cup) die erste Startreihe. Auch Thorsten Rose (991 GT3 Cup) wäre fast noch an Vetter vorbeigeschlüpft, stecke aber noch Ende Start und Ziel zurück. Vor allem Klaus Horn, im 997 GT3 R Trainingszweiter, hatte im Startgetümmel viele Positionen eingebüßt. An der Spitze setzten sich Ertl und Vetter schnell vom restlichen Feld ab. Vor alle auf den Geraden war der bärenstarke GT2 immer wieder neben dem Cup Auto von Ertl. Doch der Youngster machte sich mächtig breit. Schließlich spielte der spätere Gesamtsieger in der vierten Runde jedoch seine Turbo-Power aus und ging vorbei. Erst einmal in Führung baute Vetter diese schnell aus. Als Ertl in der zwölften Runde wegen eines Plattfußes an die Box musste, konnte sich der Schwarzwälder endgültig zurücklehnen. „Beim Start war ich auf der trockenen Spur und ich dachte da wird keiner im Feuchten an mir vorbei gehen. Maximilian hat es gemacht. Er ist ein super Fahrer. Für mich war es sogar gut, dass ich hinter ihm war. Mit dem Auto war ich noch nie hier. Er hat mir quasi die Linie gezeigt. Im Geschlängel kam ich aber an ihm vorbei. Er konnte der Power des Fahrzeuges auf die Distanz nicht standhalten“, zollte der Sieger für seinen Kontrahenten Respekt. Durch den Stopp fiel Ertl bis auf Rang 16 zurück. „Der Start war super. Ich habe wieder einige Runden geführt und konnte mich etwas absetzen. Nach der Hälfte des Rennens war ich noch auf Platz zwei. Den hätte ich wahrscheinlich auch ins Ziel gebracht. Dann musste ich leider mit einem Reifenschaden hinten an die Box. Das war es dann. Es wäre cool gewesen mit diesem Ergebnis ins Ziel zu kommen“, so Ertl.

Vetter fährt von ganz hinten zum Sieg

Im zweiten Heat überschlugen sich die Ereignisse gleich beim Start. Während der Startphase hatte es zu nieseln begonnen. Trotzdem brachte Vetter die Leistung perfekt auf den feuchten Asphalt und bog als erster in die Rechts ein. Jürgen Lauscher (997 GT3 Cup), von Startplatz vier kommend, schätzte seinen Bremspunkt wohl etwas zu optimistisch ein. Zwischen Klaus Horn und Jürgen Albert (991 GT3 MR) rutschte er beim Anbremsen Georg Vetter ins Heck. Beide legten eine Pirouette hin, das Feld flog an den beiden vorbei. Während Vetter Glück im Unglück hatte und auf der Strecke blieb, rutschte Lauscher ins Kies. Durch die anschließende Safety-Car Phase konnte Vetter wieder zum Feld aufschließen. Vor dem Restart führte Klaus Horn vor Kurt Ecke (997 GT3 Cup), Albert, Christian Voigtländer (997 GT3 Cup) und dem erneut stark gestarteten Ertl das Feld an. Nachdem Albert schon vor der Startfreigabe an die Box kam, machte Ertl weiter Boden gut. Innerhalb einer Runde ging der 997er Pilot in Führung und fuhr scheinbar mühelos auf und davon. Ganz hinten pflügte Vetter durch das Feld. Die erste harte Nuss mit dem ebenfalls auf dem Vormarsch befindlichen Heinz-Bert Wolters (997 GT3 R) knackte er gleich zu Beginn. Nach acht Runden lag er hinter Ertl, zwei Umläufe später war er vorbei. Auf über 14 Sekunden baute Vetter den Vorsprung zu seinem insgesamt dritten Saisonsieg aus. „Das war ein Teufelsritt im zweiten Rennen. Nachdem ich kurz draußen war, startete ich die Aufholjagd. Ich war zu Beginn noch etwas vorsichtig, da einige Stellen noch schlüpfrig waren. Das Auto lief hervorragend und ich konnte Runde um Runde aufholen, noch die Spitze übernehmen und ausbauen“, freute sich Vetter über den zweiten Erfolg des Tages. Diesmal reichte es für Maximilian Ertl zum zweiten Rang und dem Sieg in der Klasse 7.

Hochspannung auf allen Plätzen

Waren schon die Rennen auf dem Hockenheimring spannend, toppten die beiden Durchgänge in Assen eigentlich noch einmal alles in Sachen Dramatik und Spannung. Genau wie Vetter im zweiten Durchgang schnitt Jürgen Albert in Rennen eins durch das Feld wie das berühmte heiße Messer durch die Butter. Von ganz hinten gestartete, landete Albert schließlich auf dem zweiten Gesamtrang. „Ich bin vom letzten Platz aus, warum auch immer, gestartet. Man hatte mich offenbar in der Liste vergessen. Ich war richtig sauer und habe im Rennen ordentlich Gas gegeben, so dass ich bis nach ganz vorne gekommen bin. Es hat dann doch Spaß gemacht und ich danke meinen Jungs, dass sie den Wagen so gut gerichtet haben“, berichtete Albert nach dem ersten Rennen. Als Gesamtdritter durfte Klaus Horn aufs Podium klettern, nachdem sich nach dem Restart zwei seiner Mitkonkurrenten verabschiedet hatten. Auf der Start- und Zielgeraden war der Landauer an Rose vorbeigegangen, während Wolters direkt dahinter zurückstecken mussten. Im folgenden Rechtsknick schmiss Rose die Tür zu. Nur wenige Meter später touchierte Wolters den vor ihm fahrenden Rose am Heck. Wolters drehte sich ins Aus, während Rose weiterfahren konnte. „Das war ein Rennunfall. So etwas passiert halt mal. Ich stand dann im Gras, die Achse war verbogen und der Kühler vorne war kaputt“, schilderte Wolters die Situation aus seiner Sicht.

Anzeige
Zwar war Georg Vetter für Wolters im zweiten Durchgang nicht zu halten, doch der Doppelsieger von Hockenheim bot dennoch eine starke Leistung. In Runde elf kassierte er Rose, zwei Umläufe später noch Kurt Ecke. Damit hatte sich Wolters immerhin noch auf die dritte Gesamtposition, sowie Klassenrang zwei nach vorne gearbeitet. Schadensbegrenzung. „Mit vereinten Kräften haben wir den Schaden aus dem ersten Rennen wieder hinbekommen. Ich möchte mich auf jeden Fall bei einigen Leuten im Fahrerlager bedanken, wo wir von überall her Ersatzteile bekamen. Die Aufholjagd hat noch geklappt. Mit dem Platz auf dem Podium darf ich den Umständen entsprechend zufrieden sein“, so Wolters. Hinter Wolters landete noch dessen Dauerkonkurrent Klaus Horn, der zwischenzeitlich auf die sechste Position zurückgefallen war. In der letzten Runde fing er noch Ecke ab. „Mir ist das Dashboard ausgefallen und es war größtenteils alles dunkel. Du weißt dann nicht in welchem Gang du bist und hast auch sonst keine Infos. Ich habe es ausgeschaltet, wieder angemacht. Gefühlte 90 Prozent hatte ich Blindflug. Gegen Schluss ging es wieder. Da konnte ich nochmals etwas rankommen“, so Horn.

Keck mit Premierensieg bei den 991er

Bei den 996er war Dr. Florian Keck in den vergangenen Jahren eine Klasse für sich. Mit dem modernen 991er kann sich Keck jedoch immer mehr anfreunden. Nach dem Unfall von Rose lag Keck plötzlich in Front.  Nach rundenlangem Zweikampf mit Eduard Heinz fuhr Keck im ersten Rennen zu seinem ersten Klassenerfolg. „Ich bin mit dem Rennen und dem ersten Klassensieg natürlich sehr zufrieden. Den Start hatte ich etwas verpennt. Doch dann lief es gut. Ich habe kaum Fehler gemacht und zunächst etwas abgewartet. Ich habe mit Eduard Heinz schön gekämpft, das war super. Ich konnte ihn aber bis zum Ende des Rennens auf Distanz halten“, so Keck. Eine enge Entscheidung gab es im zweiten Rennen. Zeitweise auf Platz drei fahrend, fiel Thorsten Rose im Verlauf des Rennens immer weiter zurück. Zum Schluss wurde es noch einmal eng. Bis auf 0,131 Sekunden war Keck noch einmal herangekommen. Dritter in der Klasse wurde diesmal Eduard Heinz.

Durch den unfreiwilligen Boxenstopp von Maximilian Ertl im ersten Rennen erbte Jürgen Lauscher als Gesamtvierter den Sieg in der Klasse 7. Lauscher konnte sowohl Kurt Ecke als auch den Drittplatzierten Thomas Prager auf Distanz halten. Im zweiten Rennen belegte Prager diesmal hinter Ertl und Ecke erneut den dritten Rang. Bei den älteren 997er war Vorjahresmeister Christian Voigtländer eine Klasse für sich. Der Berliner siegte zweimal auf Gesamtrang sechs deutlich. Thomas Kleber und Wolfgang Bensch belegten in beiden Rennen die Plätze dahinter. Bei den Porsche Cayman hieß Rangfolge in beiden Rennen Henk van Norel vor Robert Sulma und Helmut Piehler. Letzterer lieferte sich einen sehenswerten Zweikampf mit Klasse 3 Sieger Arne Bast (993). Weiter geht es für die Piloten der PCHC in rund einem Monat. Dann steht vom 25.-26. September der vierte Saisonlauf auf dem Sachsenring an.