Samstag, 20. Oktober 2018
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DTM
10.06.2018

Drei Fragen an Ulrich Fritz

Mercedes-AMG Motorsport DTM Teamchef Ulrich Fritz blickt auf die Ereignisse von Budapest und den bisherigen Saisonlauf zurück.

Uli, mit ein paar Tagen Abstand, wie siehst du das Budapest-Wochenende? 
Ulrich Fritz: „Es war sicher eines der emotionsreichsten DTM-Wochenenden, die wir je hatten. Alles hat so gut angefangen. Wir waren uns zu Beginn des Rennwochenendes nicht sicher, wo wir im Vergleich zu BMW und Audi stehen. Budapest war in der Vergangenheit ja keine Strecke, auf der wir stark waren. Dann kam das erste Qualifying und du siehst, wir sind bei der Musik, wir können hier was holen. Der Doppelsieg und die Meisterschaftsführung von Gary waren sicher das Highlight des Wochenendes. Die Freude währte aber leider nicht lange, da ja gleich die Diskussionen über die angebliche Teamorder anfingen. Nach dem historisch starken Qualifying-Ergebnis mit den ersten fünf Startplätzen plus Startplatz sieben am Sonntag dachten wir dann alle: „Wow, heute kann ein richtiger toller Tag werden.“ Leider war genau das Gegenteil der Fall. In dem Moment, wenn Menschen verletzt werden, ist das sportliche Ergebnis nur noch sekundär. Es war sicher ein Schock für alle Beteiligten, als es zu den Situationen in der Boxengasse kam. Wir hoffen alle, dass die verletzten Personen schnellstmöglich wieder gesund werden. Das ist das Allerwichtigste. Zum sportlichen Ergebnis will ich eigentlich gar nicht viel sagen. Aber klar, ist es sehr frustrierend, wenn man eigentlich auf dem Weg ist, viele Punkte einzufahren und am Ende des Tages die stärksten Konkurrenten auf dem Podium stehen. Dass Marco, Timo und Philipp auf dem Podium auf die Champagnerdusche verzichtet haben, zeigt einen tollen Charakter. Wir werden jetzt sicher nicht den verlorenen Punkten nachtrauern, sondern uns darauf konzentrieren, am Norisring zurückzuschlagen.“

Seit Sonntag gibt es große Diskussionen, ob zumindest die Unfälle nach Lucas hätten verhindert werden können. Deine Meinung? 
„Die Rennleitung hat in Situationen wie am Sonntag einen sehr, sehr schweren Job. Hier müssen Entscheidungen in Sekunden getroffen werden. Die Tragweite dieser Entscheidungen beeinflusst aber nicht nur die Sicherheit aller Beteiligten sowie das Renngeschehen, sondern auch Meisterschaften und eventuell sogar Karrieren. Natürlich wäre es im Nachhinein richtig gewesen, die rote Flagge früher zu zeigen. Aber sowas lässt sich mit dem Wissen von heute auch einfach sagen. Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam die Ereignisse adäquat aufarbeiten müssen und besprechen, wie wir so etwas in Zukunft vermeiden können. Diese Diskussion haben wir bereits direkt nach den Ereignissen in Budapest gestartet.“

Wenn wir noch einen Blick auf den Sport werfen. Wie siehst du die Leistung deiner Mannschaft bisher? 
„Rein von der Performance war vor allem das Wochenende in Budapest schon extrem stark für uns. Die Autos sind ja über die Marken hinweg sehr eng beieinander. Das zeigt umso mehr, was für einen super Job unsere Ingenieure beim Setup und unsere Fahrer auf der Strecke abliefern. Es ist ein sehr gutes Gefühl, wenn du weißt, dass du um Siege mitfahren kannst und Chancen hast, im Titelkampf ein Wort mitzusprechen. Timo führt zwar im Moment, aber wir haben einige Fahrer in Schlagdistanz. Es wird bei den nächsten Rennen also alles andere als langweilig werden.“