Donnerstag, 16. August 2018
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24h Spa
05.08.2018

Walkenhorst im Interview nach Sensationssieg mit dem BMW M6 GT3

Es ist der bisher größte Erfolg in der Geschichte von Walkenhorst Motorsport: der sensationelle Sieg beim legendären 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps (BE). Nach 24 Stunden und 511 Runden ließ das BMW Kundensport-Team aus Melle bei Osnabrück (DE) alle hochkarätig besetzten Mannschaften der verschiedenen Hersteller hinter sich. Der #34 BMW M6 GT3, pilotiert von den BMW Werksfahrern Philipp Eng (AT) und Tom Blomqvist (GB) sowie ihrem Teamkollegen Christian Krognes (NO) überquerte die Ziellinie als Sieger. Komplettiert wurde der BMW Erfolg durch den zweiten Platz für den #99 BMW M6 GT3 von ROWE Racing, ebenso wie Walkenhorst Motorsport ein von BMW Motorsport unterstütztes Kundensport-Team.

Teambesitzer von Walkenhorst Motorsport ist Henry Walkenhorst (DE). Er geht selbst als Rennfahrer auf die Strecke und war in Spa ebenfalls am Start. Mit seinen Fahrerkollegen Ralf Oeverhaus (DE), Anders Buchardt (NO) und Immanuel Vinke (DE) belegte er den fünften Platz im AM-Cup und den 38. Gesamtrang. Im Interview spricht Walkenhorst über den Sieg seines Teams, seine Emotionen in der Stunde des Erfolgs und die Faktoren, die solch ein Ergebnis überhaupt erst möglich gemacht haben.

Herr Walkenhorst, ein sensationeller Sieg in einem spannenden Rennen. Wie haben Sie die letzten Minuten vor dem Zieleinlauf erlebt?
Henry Walkenhorst: „Das war natürlich sehr aufregend. Eigentlich war geplant, dass ich auf unserem zweiten BMW M6 GT3 selbst den letzten Stint fahre. Das habe ich aber gelassen, weil ich wirklich sehr angespannt war. Ich glaube, wenn man kurz davor steht, so einen Erfolg einfahren zu können, dann geht es allen im Team gleich. Jeder bei uns hat so mitgezittert wie ich. Ich war sehr, sehr nervös und musste auf- und abgehen. Auf einem Stuhl hätte ich die Schlussphase sicher nicht durchgehalten.“

Haben Sie mittlerweile realisiert, was Ihr Team mit dem BMW M6 GT3 in Spa-Francorchamps erreicht hat?
„Realisiert habe ich das schon. Aber es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man etwas ganz Süßes im Mund. Und dann dauert es manchmal ein bisschen länger. Es ist in jedem Fall ein sehr schönes Gefühl. Mein Blick richtet sich jetzt schon wieder nach vorn. Als Teamchef ist es mein Job, bereits jetzt wieder an die nächsten Rennen und vielleicht sogar an die nächsten Saisons zu denken. Denn so lange ein Eisen heiß ist, muss man es auch schmieden. Jedem bei uns im Team bedeutet dieser Sieg extrem viel.“

Sie sind als privates Team erstmals in der PRO-Klasse angetreten und haben auf Anhieb die Werksteams verschiedener Hersteller geschlagen. Wie haben Sie das geschafft?
„Ich glaube, das kann man gar nicht in einem Satz zusammenfassen. Entscheidend ist einfach, keinen Fehler zu machen und eine gute Strategie zu haben. Dass jeder mit einem top-vorbereiteten Auto ins Rennen geht, das ist Standard. Ich denke, die Kombination, die wir in diesem Jahr hatten, war ausschlaggebend. BMW Motorsport hat uns ja sehr stark unterstützt, wir hatten super Fahrer, von denen keiner einen Fehler gemacht hat. Wir hatten perfekt vorbereitete Autos und eine andere Strategie, als sie viele von uns vielleicht erwartet hatten. Wir waren progressiv unterwegs und haben uns immer wieder einen Vorsprung von 10, 15 Sekunden herausgefahren. Allerdings wussten wir auch, dass das durch relativ viele Safety-Car-Phasen immer wieder aufgebraucht wird. Am Ende ist aber dieses fantastische Ergebnis dabei herausgekommen.“

Zu welchem Zeitpunkt im Rennen ist Ihnen klar geworden, dass der Sieg wirklich möglich ist?
„Das hofft man natürlich schon relativ früh und bibbert dann bis zur letzten Runde. Wir sind ja auch VLN-Spezialisten und kennen leider auch die Ergebnisse der letzten drei, vier oder fünf Jahre, wo durchaus das eine oder andere Auto auch in der letzten oder vorletzten Runde mal ausgefallen ist, es einen technischen Defekt gab, oder, oder, oder. So richtig Hoffnungen macht man sich in den letzten zwei Stunden, und das wird dann immer enger. Nach dem letzten Boxenstopp war uns klar, dass die Chance auf den Sieg sehr groß ist, wenn die Technik hält. Und sie hat gehalten.“

Sie haben die Unterstützung von BMW schon angesprochen. Wie genau sah diese aus und wie wichtig war sie?
„Man kann das gar nicht in Prozenten oder so ausdrücken. Wir fahren seit Jahren in einer engen Partnerschaft mit BMW. Unser kleines Team haben wir sukzessive über die vergangenen acht Jahre aufgebaut. In der Vergangenheit hatten wir das eine oder andere Mal schon ein bisschen Pech. Auf ein neues Level ist die Unterstützung dann noch einmal gekommen, als wir in den GT3-Sport eingestiegen sind. Das fing mit dem BMW Z4 GT3 an. Dieses Fahrzeug haben wir drei Jahre lang eingesetzt. Jetzt sind wir im dritten Jahr mit dem BMW M6 GT3 unterwegs. Das ist schon Spitzensport, und da braucht man natürlich einen guten Ingenieurs-Backup, den wir von BMW gestellt bekommen. Und in diesem Fall hat natürlich auch die super Fahrerbesetzung geholfen. Das Zusammenspiel und das Vertrauen ineinander sind wichtig. Man bekommt ja einen Philipp Eng oder auch einen Tom Blomqvist nicht mal eben so. Ich glaube schon, dass BMW genau weiß, wem sie solche Fahrer geben. Es muss schon eine sehr ordentliche und vertrauensvolle Partnerschaft da sein, um solche Möglichkeiten bekommen zu können.“

Philipp Eng, Tom Blomqvist und Christian Krognes: Wie lassen sich Ihre drei Siegfahrer beschreiben?
„Christians Licht wird ja immer so ein bisschen unter den Scheffel gestellt. Das liegt einfach daran, dass er bei solch speziellen Rennen wie gerade in Spa-Francorchamps oder beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring noch nicht die Ergebnisse eingefahren hat, die in der Presse für Aufsehen gesorgt hätten. Ansonsten ist Christian Krognes, was die Nordschleife angeht, der Rekordhalter mit unserem BMW M6 GT3. Er hat 2016 den Streckenrekord aufgestellt. Er ist einer der absoluten Top-Fahrer, sehr ausgeglichen, sehr fokussiert, aber ein Privatier, der natürlich nicht jede Woche oder alle 14 Tage im Auto sitzt und Rennen fährt oder Trainings absolviert. Dafür ist die Leistung, die er hier abgeliefert hat, ganz sicher genau so hoch zu bewerten wie die absolute Spitzenleistung von Tom Blomqvist und Philipp Eng. In diesen drei Tagen gab es keine anderen Themen für sie. Sie haben sich ausgetauscht, über den Daten gebrütet und konzentriert gearbeitet. Diese Bodenständigkeit und dieser Einsatzwille zeichnen Tom und Philipp besonders aus. Bei Christian wussten wir das vorher.“

Sie sind Teamchef und Rennfahrer. Sie sind aber auch BMW Händler. Was bedeutet dieser Sieg für Ihre alltägliche Arbeit?
„Ich bin natürlich hauptberuflich BMW Autohändler. Das darf man bei dem Ganzen nicht vergessen. Unsere Idee war ja vor Jahren zu sagen, wir verbinden das professionelle Fahren auf der Rennstrecke mit unserem Geschäft, so dass mehr Leute bei uns sportliche BMW kaufen. Veredelte Modelle mit M Performance Teilen. Das ist das Entscheidende für mich, nicht nur als Teamchef, sondern als BMW Händler, dass ich diese Brücke geschlagen bekomme. Und das klappt sehr gut. Die Kunden sagen: Wenn der Walkenhorst im Motorsport aktiv unterwegs ist und das gut läuft, dann kann er das wahrscheinlich besser als andere. Das ist also so ein bisschen unsere Herangehensweise. In den vergangenen Jahren hat das gut geklappt. Wir konnten unserer Kundschaft glaubhaft rüberbringen: Wir können das im Motorsport, wir sind da erfolgreich. In der Folge konnten wir den Verkauf unserer M Fahrzeuge, zum Beispiel des M240, des M3, M4 und M5 steigern. Mit diesem Sieg werden wir diese Karte natürlich noch stärker spielen.“

Was steht für Ihr Team nun als nächstes auf dem Programm?
„Wir fahren jetzt am Wochenende sofort das Bergrennen in Borgloh, eines der größten Hill-Climbing-Rennen, das in diesem Jahr zum 51. Mal ausgetragen wird. Das ist unser Heimrennen direkt vor der Haustür, nur drei Kilometer vom Teamsitz entfernt. Dort werden wir mit dem BMW M6 GT3, dem BMW M4 GT4 und dem BMW M235i Racing in den einzelnen Klassen antreten. Wir stellen auch das Renn-Taxi. Dafür haben wir einen BMW Z4 GT3 umgebaut und mit einem Beifahrersitz ausgestattet. Das ist natürlich komplett ausgebucht, wobei wir die Plätze verlosen. Unsere Jungs sind Montagnacht wiedergekommen, haben am Dienstag die Autos wieder zusammengeschraubt, und am Donnerstag geht es dann zum Bergrennen, wo am Samstag und Sonntag die beiden Wertungsläufe sind. Danach kommt dann Mitte August das nächste VLN-Rennen, bei dem wir mit kompletter Mannschaft und zwei BMW M6 GT3, einem BMW Z4 GT3, einem BMW M4 GT4 und zwei BMW M235i Racing antreten.“