Mittwoch, 25. November 2020
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ADAC GT Masters
08.10.2015

Selfmade-Profi Weishaupt ist Gentlemen-Champion

Eine Profi-Laufbahn im Motorsport beginnt man im Go-Kart mit sieben Jahren – so lautet die landläufige Meinung. Dass es auch ganz anders geht, beweist Andreas Weishaupt, der seinen persönlichen Traum in einem außergewöhnlichen Alter und mit ganz anderen Schritten als üblich wahr-gemacht hat: In seiner Debütsaison im ADAC GT Masters holte er auf Anhieb den Titel in der Gentlemen-Wertung.

Weishaupt war bereits 38 Jahre und spielte leidenschaftlich Golf, als er seine Leidenschaft für schnelle Autos entdeckte: „Ich hatte damals einen Porsche GT3 RS. Als ich damit auf die Rennstrecke ging, eröffnete sich eine ganz neue Welt. Alles war neu, aber ich merkte, dass ich ganz schnell große Fortschritte machte.“ Der Selfmade-Profi machte sogar so große Fortschritte, dass er kurzerhand beschloss, bei dem Team a-workx anzuheuern und 2011 im Porsche Sports Cup startete.

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Noch im selben Jahr entdeckte er seine Leidenschaft für die legendäre Nordschleife und nahm sich vor, auch dort erfolgreich an den Start zu gehen. „Ich rief Markus Gedlich an und bat ihn um Rat. Er war sofort begeistert von meiner Idee und wir trafen uns am Ring, um einen ganzen Tag lang gemeinsam über die Nordschleife zu jagen.“ Gedlich, selbst Coach und Geschäftsführer der GEDLICH Racing GmbH, die sich mit Fahrerausbildung beschäftigt, ist noch heute begeistert, wenn er an diese Begegnung zurückdenkt: „Ich habe sofort gemerkt, dass bei Andreas Talent, Einsatzwillen und Fleiß zusammenfallen. Das sind die drei Eigenschaften, die du haben musst, um ganz nach oben zu kommen.“

Im selben Jahr startete Weishaupt in der Deutschen Langstreckenmeisterschaft (VLN) auf einem seriennahen Aston Martin des Teams Mathol Racing und beeindruckte aus dem Stand mit Top-Leistungen. „Markus Gedlich empfahl mich nach nur wenigen Einsätzen bei Dörr Motorsport – so saß ich in meiner ersten Nordschleifen-Saison auf einem Ex-Werks-BMW Z4 und fuhr in einem richtigen Flügelauto mit sequentiellem Getriebe“, schwärmt Weishaupt.

In den beiden Folgejahren arbeitete sich der gebürtige Ulmer an die Spitze der VLN. Auf dem Cup-Porsche von Black Falcon fuhr er rund 20 VLN-Rennen und drei 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Dubai. Nicht selten war er dabei schneller als langgediente Profis, die mit ihm auf demselben Auto starteten.

Es folgte der Sprung in den Spitzensport: der Start im ADAC GT Masters 2015. Weishaupt und sein Mentor und Berater, Markus Gedlich, wurden sich mit dem Team rund um Christian Abt aus Kempten einig. Der Teamchef war begeistert von der Idee, aus einem Gentleman-Fahrer einen Profi-Rennfahrer zu formen. Weishaupts Teamkollege in einem Audi R8 LMS ultra bei C.Abt Racing wurde Christer Jöns.

Nach einer Top-Vorbereitung von insgesamt sechs Testtagen, zwei davon während der Endless Summer Trackdays von Gedlich Racing, hatte Weishaupt seine Feuerprobe bestanden. Bereits beim Auftaktwochenende der Sportwagenserie in Oschersleben konnte er sein Potenzial nutzen. „Das hier ist eine ganz andere Liga als alles andere, was ich bisher erlebt habe“, stellte Weishaupt schon am ersten Rennwochenende fest.

Im Fahrerfeld mit Namen wie Thiim, Engelhart oder Alzen schlug er sich gewohnt gut und stand Dank einer konstanten Leistung schon bei seinem ersten beendeten Sprintrennen in der Gentlemen-Wertung auf dem Podium. Im Laufe der Saison konnte Weishaupt mehr Klassensiege als seine Gegner und insgesamt 363 Punkte auf seinem Konto verbuchen. Nun freut sich der frisch gekürte Champion auf sein nächstes Vorhaben: „Endless Summer ist für mich die Plattform für Racing im Winter. Ich bereite mich dort perfekt auf die nächste Motorsportsaison vor.“