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GTC
05.06.2013

12-Stunden-Rennen in Cheb: Die Unglaublichen

Cheb zum Sommeranfang 2013 – Seit Donnerstag trainierten die GTC-Piloten auf der eigentlich genialen Anlage nur wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze. Aber die Regenmassen, die für eine Jahrhundertflut sorgen sollten, verwandelten die Strecke, Boxen und das Fahrerlager in ein Feuchtgebiet – Der Rennstart stand auf der Kippe.

34 Mannschaften stellten sich der Herausforderung, obwohl der Wetterbericht Schlimmes erahnen ließ. Nach zwei Tagen Regen, Kälte und Wind wollte am Samstag eigentlich keiner mehr so gern noch ein 12-Stunden-Rennen fahren. Alles war nass und klamm, die Vergaser spuckten literweise Wasser aus und sorgten immer wieder für Pace-Kart-Phasen, um die Karts zu bergen.

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Wer von der Strecke abkam, versank im Schlamm. Streckensicherung und Rennleitung hatten auch keine richtige Lust mehr. Und dann gab es Teams, die bereits nach einer Rennstunde hoffnungslos zurücklagen, weil die Motoren nicht mehr laufen wollten, Unfälle für verbogene Chassis sorgten oder die Technik einfach streikte. Aufgeben? Dies wäre verständlich gewesen. Es hätte keinen gewundert, wenn so mancher fluchtartig das nasse Element verlassen hätte, um es mit einer warmen Stube zu tauschen. Den Sonntag dann entspannt vor der Glotze zu verbringen, wäre zu verlockend gewesen, doch da kennt man die GTC-Teams aber schlecht: Wenn man zum Beispiel an „Wlen Next Generation“ oder den „DK-Kartshop“ denkt, die so viel schrauben mussten, dass man Gefahr lief, weniger Runden zu schaffen als das Pace-Kart und dennoch nicht zusammenpackt, sieht man wie wahre Langstrecken-Racer ticken. Nicht eines der 34 Teams legte die Waffen nieder. Alle kämpften sich durch die Fluten – egal was kam. Solange sich noch ein einziges Rad dreht, wurde weiter gefahren. Unglaublich!

Unglaublich auch, dass es richtigen Rennsport zu sehen gab. Wer dachte, eine Top-Platzierung zu ergattern, indem er einfach nur durchkommt, lag gründlich daneben. Man musste richtig „angasen“, um es auf das Podest zu schaffen. Am besten gelang dies dem GTC-Rekord-Team, den „Zehn Geboten“ aus Hagen, die damit ihren Vorjahreserfolg aus Cheb wiederholen konnten. Leicht wurde es ihnen aber nicht gemacht.

Das „Zehn Gebote“-Team hat man immer auf der Liste der Sieganwärter, im Gegensatz zu den Neueinsteigern. Wer hätte gedacht, dass mit H&R HBDL by ATB dann ausgerechnet ein Rookie-Team der engste Verfolger war. Das verwunderte nicht nur das gesamte Fahrerlager. Unglaublich war der Speed der neuen Mannschaft aus Siegen. Unglaublich auch, dass eine neue Truppe mit einem ebenfalls neuen Chassis (Cosmic) die Technik im Griff hatte und bei den extremen Bedingungen keine technischen Probleme bekam. Der zweite Platz, was auch den Sieg in der ADAC-Trophy-Wertung bedeutete, war sensationell, wenn man bedenkt, dass das H&R HBDL by ATB-Team erst ihr drittes GTC-Rennen bestritten hatte.

Während das „Zehn Gebote“-Team am Ende drei Runden Vorsprung hatte, tummelten sich von Platz zwei bis acht alle mehr oder weniger in einer Rennrunde. Entsprechend spannend ging es zur Sache. Das Team „Honda Spirit“ aus Offenbach hatte hingegen Pech: Eine halbe Stunde vor Rennende fing auch ihr Twin-Kart an zu stottern und das Team musste tatenlos mit ansehen, wie man vom dritten Platz auf Rang acht durchgereicht wurde. Das „MSC O Junior“-Team „erschwamm“ sich so den dritten Rang, knapp vor „Shark Endurance Racing“, die sich mit einer Sekunde Vorsprung auf ATW-Racing ins Ziel retten konnten. Die ATW-Mannschaft, mit ihrem neuen MG-Chassis, hatten ebenfalls nur eine Sekunde Vorsprung auf den „MCS Stuttgart“, die ihr Mach1-Kart damit auch zum zweiten Rang in der ADAC-Trophy-Wertung steuerten. Drei Sekunden dahinter das Team „Messebau-Racing“ aus Sinsheim.

Unglaublich: Nach insgesamt zwölf Stunden kreuzte dann der Vierer-Verfolgerpack innerhalb von nur fünf Sekunden die Ziellinie! Ein weiterer Rookie enterte die Top-Ten und damit auch den dritten Platz in der Trophy. Die Jungs vom „KSF Bosch“-Team aus Bamberg präsentierten sich stark und konnten dabei noch das „Live-Strip.com“-Team knapp hinter sich halten. Unglaublich: Mit H&R HBDL by ATB, dem MCS Stuttgart und dem KSF Bosch lagen gleich drei Trophy-Teams in den Top-Ten und der Kampf um den vierten Rang in der Trophy war ebenfalls eine Sekundensache. „Wlen by BPR Racing“ aus Osterburken rettete sich knapp vor den „Hausexperten.de II“ aus Wiesbaden ins Ziel.

Extrem gut aufgelegt präsentierte sich der Sieger im BEBA-Cup. Der Auftaktsieger von Hahn gewinnt somit auch in Cheb. Dem „Sensory-Minds“-Team aus Offenbach gelang dies vom 13. Gesamtrang aus. Nebenbei fuhren sie auch noch den Sieg in der Senior-Masters-Klasse ein. „LPoint Racing“ aus Sinsheim und „Ixetic Racing“ aus Bad Homburg sicherten sich die Ränge zwei und drei, vor der „Scuderia Kempten“ und „MBS Racing“ aus Köln.

Alle Mannschaften, die es nicht auf das Podest geschafft haben, fuhren dennoch als Gewinner nach Hause. Sie haben es geschafft, den Fluten getrotzt, bei der Kälte ausgehalten und den inneren Schweinehund besiegt. Von diesem Rennen werden die Teilnehmer wohl noch lange sprechen. Unglaublich!