Donnerstag, 23. Januar 2020
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Rallye DM
20.03.2012

Rallye-Gipfeltreffen im hohen Norden

Der zweite Lauf zur DRM verspricht ein Rallye-Fest: 105 Fahrzeuge aus sechs Nationen nehmen die Asphaltprüfungen der ADAC Wikinger-Rallye (22. bis 24. März) unter die Räder. Für die Teams des höchsten sportlichen Prädikats im deutschen Rallyesport geht es diesmal nicht nur um Punkte im eigenen Championat, sondern auch um einen Ländervergleich.

Neben der DRM starten auch die Teams der Dänischen Rallye-Meisterschaft, sodass ein bestens besetztes Feld und hochkarätiger Sport gesichert sind. Für die amtierenden Meister und Tabellenführer Sandro Wallenwein / Marcus Poschner wird der Auftritt im Subaru Impreza also nicht einfach: Wikinger-Vorjahressieger Felix Herbold wechselt zurück auf seinen Ford Fiesta Super2000 und führt alleine in der Top-Division 1 eine Gruppe von sieben S2000-Boliden und drei Porsche GT3 an.

Anzeige
In der Region Angeln rund um das schleswigsche Süderbrarup betreten alle Teilnehmer Neuland, denn die Organisatoren haben im Vergleich zum vergangenen Jahr erneut eine vollständig neue Streckenführung ausgearbeitet. Auf den abwechslungsreichen 14 Prüfungen mit über 162 Bestzeitkilometern (376 km Gesamtdistanz) starten allein in der Königsdivision 1 zehn Boliden. Favorit ist dabei Vorjahressieger Felix Herbold, der zum Saisonauftakt noch in der Division 3 um die 2WD-Wertung kämpfte, nun aber wieder in dem aus dem Vorjahr bekannten Fiesta S2000 antritt: „Die Erwartungen sind nach dem Fahrzeugwechsel und dem deutlichen Sieg im Vorjahr natürlich sehr hoch. Ich habe zwar lange nicht mehr im Fiesta gesessen, aber wir werden alles geben, den Sieg zu wiederholen“, sagt er. Allerdings muss sich Herbold gegen jede Menge Verfolger wehren. So etwa Porsche-Pilot Ruben Zeltner, der im vergangenen Jahr knapp ein Top-Ergebnis verfehlte: „Ich Depp habe mein Auto auf der letzten WP weggeschmissen. Das darf eigentlich nicht passieren“, ärgert sich der Österreicher mit Wahlheimat am Sachsenring noch heute. „Das Besondere an der Wikinger-Rallye sind die traumhaften WPs“, beschreibt er den Charakter des Events. „Die Strecken sind schnell und doch kurvenreich über Kuppen. Das gibt es in dieser Form bei keiner anderen Rallye in Deutschland. Dazu kommt die perfekte Organisation unserer norddeutschen Rallyekollegen.“

So viele Siegkandidaten wie nie
Die dänische Fraktion wird von Landesmeister Brian Madsen (Peugeot 207 S2000) angeführt. Der wurde im vergangenen Jahr hinter Herbold Zweiter, für ihn ist jedoch beim Auftaktlauf des dänischen Championats im Rahmen der Wikinger-Rallye vor allem eines wichtig: „Bester Däne zu werden. Und wenn es dann reicht, um die Gesamtwertung zu gewinnen: umso besser!“ Heißer Kandidat für eine Topposition ist auch Mark Wallenwein (Stuttgart), der sich im Skoda Fabia S2000 beim Saisonauftakt seinem älteren Bruder Sandro nur um 3,1 Sekunden geschlagen geben musste: „Ich komme mit dem Fabia immer besser zurecht, jetzt fängt es an Spaß zu machen.“ Mit einer Bestzeit auf der letzten WP verabschiedete sich Timo Bernhard (Bruchmühlbach-Miesau) von der letztjährigen Wikinger-Rallye. „Das war der Hammer, und die Bestzeit vor allem ein schönes Signal für mein Team“, grinst der Le-Mans-Sieger, der in der DRM ein rasantes Hobby pflegt. „Durch die neuen Prüfungen werden die Karten wieder neu gemischt. Die Charakteristik der Rallye mit vielen Kuppen, vielen kurzen, aneinander gereihten, mittelschnellen Kurven fordert eine extrem gute Zusammenarbeit von Fahrer und Beifahrer.“

Auftaktsieger Wallenwein ist frisch motiviert
Zum erweiterten Favoritenkreis gehören bei der Wikinger-Rallye die Teams der Divison 2. In ihren seriennahen Allrad-Boliden sind sie gegenüber den Porsche eher dann im Vorteil, wenn die Bedingungen - wie beim Saisonauftakt - rutschig sind. Auf den Asphaltprüfungen des „hügeligen Landes“ in Angeln führt Sandro Wallenwein diese Gruppe an: „Der Sieg beim ersten Lauf ist natürlich toll, und es gibt Selbstvertrauen, wenn man eine Saison so starten konnte und alles perfekt lief! Allerdings wird die Wikinger wohl schwieriger als die Pfalz-Westrich-Rallye, da uns die extrem saubere und griffige Strecke hier nicht so entgegenkommt. Andererseits müssen sich alle auf die neuen WP-Strecken erst einstellen, und das gelingt uns normalerweise sehr gut.“ Doch auch innerhalb seiner Division wird es Wallenwein keineswegs einfach haben. Der Subaru-Pilot bekommt es etwa mit dem vierfachen DRM-Champion Hermann Gaßner (Surheim) und seinem Mitsubishi-Markenkollegen Peter Corazza (Oelsnitz) zu tun, die nach verpatzen Auftakt-Ergebnissen ebenfalls auf ihre Chance lauern.

2WD-Wertung: Alle jagen Riedemann
Neu gemischt werden die Karten beim zweiten DRM-Lauf der Saison 2012 in der 2WD-Wertung. Die Meisterschaft der zweiradgetriebenen Fahrzeuge in den Divisionen 2 bis 6 ist in diesem Jahr so stark besetzt wie nie zuvor - und hat durch Umsteiger Felix Herbold ein zusätzliches Spannungsmoment: Schließlich konnte Herbold - er war beim Saisonauftakt noch im Citroën DS3 R3 unterwegs - gleich die zweite Position erobern, wechselte nun aber in Division 1. Damit wird nun ein neuer Verfolger des vorläufigen Klassenprimus der 2WD-Wertung gesucht: Christian Riedemann (Sulingen) legte beim ersten DRM-Lauf im Citroën DS3 R3 einen perfekten Start hin, gewann den Fight in der Division 3, übernahm damit die Führung der 2WD-Wertung und belegt Rang vier im DRM-Gesamtklassement.

„Bei der Wikinger-Rallye geht's wieder von vorne los“, so Riedemann vor dem zweiten DRM-Lauf. „Wir werden es dort nicht so einfach haben. Die Strecken werden sehr sauber sein, denn cutten wird dort traditionell unterbunden. Das ist genau richtig für Carsten (Mohe), der dann die volle Leistung seines Mégane auf die Straße bringen kann. Ich versuche natürlich wieder um den 2WD-Titel mitzukämpfen, denn die ‚Wikinger’ zählt zu meinen Lieblingsveranstaltungen in Deutschland.“ Hauptkontrahent Carsten Mohe (Crottendorf) will dem von der ADAC Stiftung Sport geförderten Youngster das Leben tatsächlich möglichst schwer machen. „Die Rallyes für mein Auto kommen noch“, so hatte der Erzgebirgler schon direkt nach dem Auftaktlauf klar gemacht, dass er sich nicht - wie in der Pfalz geschehen - mit einem dritten Platz in der 2-WD-Wertung abspeisen lassen will. Doch Riedemann und der amtierende 2WD-Meister Mohe treffen auf reichlich Konkurrenz. Denn die Zweirad-Wertung ist heiß umkämpft. Georg Berlandy (Stromberg) stimmte sich mit einem Gesamtsieg bei der nationalen Rallye-200-Veranstaltung in Kempenich im BMW M3 auf seinen zweiten Einsatz im neuen Peugeot 207 R3 ein. Der 20-jährige Däne Simon Vallentin (Peugeot 206 Super 1600) konnte schon in der Pfalz andeuten, warum er in Dänemark als bester Junior ausgezeichnet wurde. Er kämpft in der Deutschen und der Dänischen Meisterschaft um Punkte. Vor allem aus seinem Heimatland kommen noch weitere ambitionierte Teams, die um die 2WD-Krone kämpfen wollen.