Eingebettet in den Nesselgraben östlich von Salzburg verbindet der 4,255 Kilometer lange Kurs lange Vollgaspassagen mit schnellen Kurven, engen Schikanen und vergleichsweise geringen Auslaufzonen. Gerade dieser Charakter der alten Schule macht den Salzburgring bis heute zu einer besonderen Herausforderung.
Zwischen Koppl, Plainfeld und Hof folgt die Rennstrecke weitgehend der natürlichen Landschaft. Ihr ungewöhnlicher Grundriss erinnert aus der Vogelperspektive an einen Hockeyschläger. Lange Geraden und schnelle Passagen bestimmen die Runde, während die Schikanen für die notwendigen Tempowechsel sorgen.
Highspeed als Markenzeichen
Der Salzburgring ist vor allem eine Hochgeschwindigkeitsstrecke. Nach der Nockstein-Kehre beschleunigen die Fahrzeuge auf die lange Passage auf der gegenüberliegenden Seite des Fahrerlagers. Leichte Richtungsänderungen werden mit leistungsstarken Rennfahrzeugen weitgehend mit Vollgas gefahren.Damit spielen neben der Motorleistung auch Luftwiderstand und Windschatten eine wichtige Rolle. Wer sich am Ausgang einer Kurve dicht genug an einen Konkurrenten heranarbeitet, kann den Windschatten nutzen und sich für einen Angriff positionieren.
Eine Schlüsselstelle ist die Fahrerlagerkurve. Geschwindigkeiten von mehr als 240 km/h sind dort je nach Fahrzeug möglich. Gleichzeitig gibt es deutlich weniger Sicherheitsreserven als auf vielen modernen Rennstrecken. Gras, Kies und nahe Streckenbegrenzungen sorgen dafür, dass Fehler schnell Konsequenzen haben können.
Präzision in den Schikanen
Den Gegenpol zu den schnellen Passagen bilden die Schikanen. Sie wurden im Laufe der Geschichte des Salzburgrings auch aufgrund steigender Sicherheitsanforderungen verändert beziehungsweise ergänzt. Größere Umbauten sind aufgrund der Lage im engen Tal nur eingeschränkt möglich.Für die Fahrer bedeuten die Schikanen einen abrupten Wechsel vom Highspeed- zum Präzisionsmodus. Ein sauberer Bremspunkt und ein gutes Einlenkverhalten sind entscheidend, gleichzeitig muss das Fahrzeug beim Überfahren der Randsteine ruhig bleiben.
Besonders wichtig ist der Kurvenausgang: Jeder Fehler kostet Geschwindigkeit für die anschließende Beschleunigungsphase.
Ein Setup als Kompromiss
Auch bei der Fahrzeugabstimmung verlangt der Salzburgring einen Kompromiss. Auf den schnellen Passagen ist geringer Luftwiderstand von Vorteil. Gleichzeitig benötigen die Fahrer genügend Abtrieb und eine stabile Balance, um in den schnellen Kurven Vertrauen zum Fahrzeug aufzubauen.Hinzu kommen harte Bremsmanöver vor den langsameren Streckenabschnitten. Bremsstabilität und mechanischer Grip dürfen deshalb trotz des hohen Vollgasanteils nicht vernachlässigt werden.
Gerade diese Kombination macht die Abstimmung interessant: Ein ausschließlich auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegtes Fahrzeug kann in den Schikanen Zeit verlieren, während zu viel Abtrieb auf den langen schnellen Passagen Geschwindigkeit kostet.
Eine Rennstrecke der alten Schule
Der Salzburgring wurde 1968 gebaut und im September 1969 mit einem kombinierten Auto- und Motorradrennen eröffnet. Trotz verschiedener Sicherheitsmaßnahmen hat sich die Strecke einen großen Teil ihres ursprünglichen Charakters erhalten.Im Laufe der Jahrzehnte gastierten zahlreiche internationale Rennserien auf dem Kurs. Dazu gehörten unter anderem die Motorrad-Weltmeisterschaft, Formel 2, Formel 5000, die Superbike-Weltmeisterschaft sowie später die Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC und die TCR International Series.
Heute wird die rund 42 Hektar große Anlage längst nicht ausschließlich für klassischen Motorsport genutzt. Rund 100 Betriebstage im Jahr entfallen auf Fahrsicherheit. Unter anderem trainieren dort Motorrad- und Zivilpolizisten aus Österreich, auch die bayerische Polizei nutzt die Strecke. Hinzu kommen Racing Schools, Fahrerlebnisse, Trackdays und weitere Veranstaltungen.
Damit ist der Salzburgring auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Eröffnung eine aktive Motorsport- und Veranstaltungsstätte. Vor allem aber ist er eine Rennstrecke, deren Charakter sich deutlich von vielen modernen Anlagen unterscheidet: schnell, schmal, eingebettet zwischen den Bergen – und mit wenig Raum für Fehler.
STRECKENDATEN
Streckenlänge: 4,255 kmKurven: 12 – 6 links, 6 rechts
Maximale Steigung: 3,8 Prozent
Maximales Gefälle: 1,8 Prozent
Höhenunterschied: 22,3 Meter
Eröffnung: September 1969
Lage: Nesselgraben, östlich von Salzburg
Streckencharakter: Highspeedkurs mit langen Vollgaspassagen und engen Schikanen
Boxen: 31





