Seit 2016 gastiert die Formel 1 in Baku. Die Premiere wurde damals noch als Großer Preis von Europa ausgetragen. Seit 2017 trägt das Rennen den Namen Großer Preis von Aserbaidschan. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung damit ihr zehnjähriges Jubiläum.
Einer der längsten Kurse der Formel 1
Der Baku City Circuit ist 6,003 Kilometer lang und besitzt 20 Kurven. Damit gehört die Strecke zu den längsten Kursen im aktuellen Formel-1-Kalender. Das Rennen führt über 51 Runden und eine Gesamtdistanz von 306,049 Kilometern.Anders als klassische permanente Rennstrecken nutzt Baku größtenteils öffentliche Straßen. Leitplanken und Mauern stehen entsprechend nah an der Strecke. Fehler werden unmittelbar bestraft, gleichzeitig wechseln sich sehr unterschiedliche Streckenabschnitte miteinander ab.
Der erste Teil besteht überwiegend aus 90-Grad-Kurven. Hier sind vor allem Bremsstabilität, Traktion und ein präzises Einlenkverhalten gefragt.
Durch die historische Altstadt
Das spektakulärste Bild des Baku City Circuit liefert der Abschnitt durch die historische Altstadt Icheri Sheher. Rund um die Kurven 8 und 9 führt die Strecke unmittelbar an der mittelalterlichen Stadtmauer vorbei.An der engsten Stelle ist der Kurs lediglich 7,6 Meter breit. Damit gehört dieser Bereich zu den schmalsten Passagen im gesamten Formel-1-Kalender. Für die Fahrer bleibt kaum Raum für Korrekturen.
Hinzu kommt die Steigung in diesem Abschnitt. Die Fahrzeuge schlängeln sich praktisch im Gänsemarsch zwischen den Mauern hindurch, bevor sich die Strecke anschließend wieder öffnet.
Gerade im Qualifying verlangt dieser Bereich höchste Präzision. Wenige Zentimeter können über eine schnelle Runde oder einen Einschlag in die Streckenbegrenzung entscheiden.
2,2 Kilometer Vollgas
Der größte Gegensatz zur engen Altstadt wartet im letzten Streckenabschnitt. Nach den schnellen Kurven 16 bis 20 beschleunigen die Fahrzeuge entlang der Küste des Kaspischen Meeres auf die Start-Ziel-Gerade.Zusammen mit dem vorausgehenden Vollgasabschnitt entsteht eine rund 2,2 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitspassage. Sie gehört zu den längsten Vollgasabschnitten der Formel 1.
Die Fahrzeuge erreichen hier Geschwindigkeiten von deutlich über 300 km/h. Gleichzeitig spielt der Windschatten eine enorme Rolle. Ein Fahrer kann auf der Geraden erheblich von einem vorausfahrenden Fahrzeug profitieren.
Das macht auch einen Neustart nach einer Safety-Car-Phase schwierig. Wer das Feld anführt, muss genau überlegen, wann er beschleunigt. Erfolgt der Neustart zu früh, kann der Verfolger den Windschatten nutzen und auf dem Weg zu Kurve 1 angreifen.
Abstimmung als schwieriger Kompromiss
Für die Ingenieure stellt Baku eine besondere Herausforderung dar. Im engen und kurvenreichen Mittelteil wäre möglichst viel Abtrieb hilfreich. Auf der extrem langen Geraden kostet zusätzlicher Luftwiderstand dagegen Höchstgeschwindigkeit.Die Teams müssen deshalb einen Kompromiss zwischen Abtrieb und Topspeed finden.
Eine zu stark auf die Gerade ausgelegte Abstimmung kann das Fahrzeug in den langsameren Kurven schwieriger kontrollierbar machen. Zu viel Abtrieb wiederum macht das Auto auf der langen Vollgaspassage verwundbar.
Hinzu kommt die Bedeutung der Bremsen. Mehrfach werden die Fahrzeuge aus hoher Geschwindigkeit für langsame 90-Grad-Kurven stark verzögert. Besonders vor Kurve 1 bietet sich gleichzeitig eine der wichtigsten Überholmöglichkeiten.
Wind als zusätzlicher Faktor
Baku trägt den Wind bereits in seiner Geschichte. Der Name der Stadt wird unter anderem mit den persischen Bezeichnungen „Bad-kuye“ beziehungsweise „Bad-kube“ in Verbindung gebracht, die sinngemäß auf eine „Stadt des Windes“ beziehungsweise einen „vom Wind getroffenen“ Ort verweisen.Für die Fahrer kann der Wind tatsächlich eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Zwischen Gebäuden und auf den offenen Abschnitten entlang des Kaspischen Meeres können sich Windrichtung und Windstärke bemerkbar machen.
Besonders beim Anbremsen und in schnellen Passagen kann sich dadurch das Verhalten des Fahrzeugs verändern. Auch der Windschatten auf der langen Geraden wird davon beeinflusst.
Baku sorgt immer wieder für Überraschungen
Seit seinem Formel-1-Debüt hat sich Baku den Ruf erarbeitet, für ungewöhnliche Rennverläufe gut zu sein. Die Kombination aus hohen Geschwindigkeiten, engen Mauern und zahlreichen harten Bremszonen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fahrfehlern, Unfällen und Safety-Car-Phasen.2016 gewann Nico Rosberg die Premiere, die damals noch als Großer Preis von Europa ausgetragen wurde. Ein Jahr später gewann Daniel Ricciardo den ersten offiziellen Großen Preis von Aserbaidschan.
Mercedes feierte anschließend mit Lewis Hamilton 2018 und Valtteri Bottas 2019 zwei weitere Siege. Auch George Russell kennt das Gefühl eines Erfolges in Baku: 2018 gewann er hier das Sprintrennen der Formel 2.
2023 wurde Baku zudem zum bislang einzigen Mal als Formel-1-Sprint-Wochenende ausgetragen. Seit 2024 findet der Grand Prix im September statt, nachdem das Rennen zuvor überwiegend im Frühjahr ausgetragen worden war.
Streckendaten Baku City Circuit
Ort: Baku, Aserbaidschan
Streckentyp: Stadtkurs
Erster Formel-1-Grand-Prix: 2016 (Großer Preis von Europa)
Streckenlänge: 6,003 km
Kurven: 20
Formel-1-Renndistanz: 51 Runden / 306,049 km
Formel-1-Rundenrekord: 1:43,009 Minuten – Charles Leclerc, 2019
Wussten Sie schon?
• Der Große Preis in Baku feiert 2026 sein zehnjähriges Jubiläum. Die Formel 1 fuhr hier erstmals 2016.
• Der Baku City Circuit ist mit 6,003 Kilometern 2026 die viertlängste Strecke im Formel-1-Kalender.
• Der Name Baku wird unter anderem auf persische Begriffe zurückgeführt, die sich auf die starken Winde in der Region beziehen.
• Baku war 2023 bislang zum einzigen Mal Austragungsort eines Formel-1-Sprint-Wochenendes.
• 2024 wurde das Rennen erstmals in den September verlegt. Zuvor fand der Grand Prix überwiegend im April oder Mai statt.
• 2016 gastierte die Formel 1 erstmals in Baku. Das Rennen hieß damals noch Großer Preis von Europa. Seit 2017 wird der Große Preis von Aserbaidschan ausgetragen.
Der Baku City Circuit vereint Gegensätze wie kaum eine andere Rennstrecke. Auf der einen Seite stehen enge Kurven und Mauern, die keinen Fehler verzeihen. Auf der anderen Seite wartet eine extrem lange Vollgaspassage, auf der Höchstgeschwindigkeit und Windschatten entscheidend sind. Genau diese Kombination macht Baku für Fahrer und Ingenieure zu einer der ungewöhnlichsten Herausforderungen der Formel 1.





