Die Geschichte von Vallelunga reicht bis ins Jahr 1951 zurück. Ursprünglich befand sich auf dem Gelände eine Pferderennbahn. Ende November 1951 wurden dort die ersten Automobilrennen auf einer Sandpiste ausgetragen. Der entscheidende Schritt zu einer permanenten Rennstrecke folgte 1957: Nach Plänen des italienischen Rennfahrers und Ingenieurs Piero Taruffi entstand eine asphaltierte Strecke. Die zunächst nur 1,746 Kilometer lange Club-Variante wurde am 1. Dezember 1957 erstmals für einen offiziellen Wettbewerb genutzt.
Anfang der 1960er-Jahre wurde Vallelunga erheblich erweitert. 1963 eröffnete der 3,222 Kilometer lange internationale Kurs mit dem Gran Premio di Roma. In den folgenden Jahrzehnten gastierten zahlreiche hochklassige Rennserien in Vallelunga. Formel 1, Formel 2, Formel 3000 und Formel 3 gehörten ebenso zum Programm wie Sportwagen- und Motorradrennen. Gleichzeitig entwickelte sich die Strecke aufgrund ihres anspruchsvollen Layouts zu einem wichtigen Testkurs.
1967 ging das Autodrom in den Besitz des Automobile Club d'Italia (ACI) über. Eine weitere bedeutende Änderung erfolgte 1970: Die Fahrtrichtung wurde umgedreht. Seitdem wird Vallelunga im Uhrzeigersinn befahren. Gleichzeitig entstanden unter anderem ein neues Fahrerlager, Garagen und eine neue Haupttribüne.
Seine heutige Form erhielt das Autodromo im Jahr 2005. Durch umfangreiche Umbauten wurde der Kurs um rund einen Kilometer verlängert. Die internationale Automobilvariante misst seitdem 4,085 Kilometer. Am 12. Oktober 2006 erhielt die Rennstrecke offiziell den Namen Autodromo Vallelunga Piero Taruffi und erinnert damit an den Rennfahrer und Ingenieur, der die Entwicklung des Kurses maßgeblich geprägt hatte.
Technisch anspruchsvolle Strecke
Vallelunga gehört nicht zu den extrem schnellen europäischen Rennstrecken, verlangt den Fahrern aber viel ab. Schnelle und mittelschnelle Kurven wechseln sich mit engen Passagen ab. Dazu kommen unterschiedliche Kurvenradien und Richtungswechsel. Ein Auto muss deshalb sowohl bei schnellen Kurven stabil liegen als auch genügend mechanischen Grip für die langsameren Streckenabschnitte besitzen.Besonders charakteristisch sind der schnelle erste Streckenabschnitt und die Cimini-Passage. Zu den bekannten Kurven und Streckenabschnitten gehören außerdem Campagnano, Soratte, Semaforo, Tornantino und die Roma-Kurve, die zurück auf die Start-und-Ziel-Gerade führt.
Für die Fahrer kommt es vor allem darauf an, einen guten Rhythmus zu finden. Fehler beim Einlenken können sich durch aufeinanderfolgende Kurven bis weit in den nächsten Streckenabschnitt hinein auswirken. Gleichzeitig bieten die starken Bremszonen Möglichkeiten für Überholmanöver.
Die offizielle technische Dokumentation weist für die aktuelle Strecke eine Länge von 4.085,01 Metern aus. Die längste Gerade misst 547,22 Meter. Insgesamt bestehen rund 2.333 Meter des Kurses aus geraden Abschnitten, etwa 1.752 Meter entfallen auf Kurvenbereiche. Der Höhenunterschied beträgt gut 16 Meter, die maximale Steigung 2,32 Prozent. Die Fahrbahnbreite liegt je nach Streckenabschnitt zwischen rund 10,5 und 14 Metern.
Rennsport mit langer Tradition
Vallelunga hat im internationalen Motorsport eine lange Geschichte. Bereits in den 1960er-Jahren wurden Formelrennen ausgetragen. Fahrer wie Jochen Rindt, Clay Regazzoni, Arturo Merzario und die Brüder Vittorio und Ernesto Brambilla traten auf dem italienischen Kurs an. Später kamen unter anderem Formel 3000, Formel 3, Sportwagenrennen und internationale Motorradveranstaltungen hinzu.Auch die Sportwagen-Weltmeisterschaft gastierte in den 1970er-Jahren in Vallelunga. Über viele Jahre gehörte zudem das Langstreckenrennen „6 Ore di Vallelunga“ beziehungsweise „6 Stunden von Vallelunga“ zum Veranstaltungskalender. In den Jahren 2007 und 2008 war die Strecke Austragungsort der Superbike-Weltmeisterschaft.
Heute wird das Autodromo nicht nur für Rennen genutzt. Die Anlage ist gleichzeitig Teststrecke und Standort eines ACI-Fahrsicherheitszentrums. Schon in den frühen Jahren spielte die Ausbildung von Fahrern eine Rolle: Ende 1957 beziehungsweise Anfang 1958 entstand in Vallelunga die erste italienische Rennfahrerschule, die später von Giuseppe „Nino“ Farina, dem ersten Formel-1-Weltmeister, geleitet wurde.
Vallelunga auf einen Blick
Strecke: Autodromo Vallelunga Piero Taruffi
Ort: Campagnano di Roma, Italien
Eröffnung: 1951
Asphaltierte Rennstrecke: seit 1957
Aktuelle Streckenführung: seit 2005
Länge: 4,085 km
Fahrtrichtung: im Uhrzeigersinn
Längste Gerade: 547,22 m
Höhenunterschied: 16,22 m
Maximale Steigung: 2,32 Prozent
Streckenbreite: ca. 10,5 bis 14 m
Club-Strecke: 1,746 km
Boxen: 24
Gesamtkapazität: bis zu 32.000 Zuschauer
Eigentümer: Automobile Club d'Italia (ACI)
Mit seiner Mischung aus schnellen Passagen, engen Kurven und technisch anspruchsvollen Kombinationen gehört Vallelunga zu den klassischen italienischen Rennstrecken. Der Kurs verzeiht wenig und stellt sowohl die Fahrer als auch die Fahrzeugabstimmung vor Herausforderungen – eine Kombination, die Vallelunga bis heute zu einer interessanten Strecke für Rennen und Testfahrten macht.





