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Polo Cup
23.06.2026

Benny Leuchter: „Diese Autos bereiten die Fahrer perfekt auf den nächsten Schritt vor“

Der Polo Cup Germany erlebte am Nürburgring ein spektakuläres Rennwochenende – und mittendrin: Max Kruse Racing. Bei schwierigen Witterungsbedingungen in der Eifel holte das Team um Profi-Rennfahrer und Teamchef Benjamin „Benny“ Leuchter seinen ersten Saisonsieg in der neuen Breitensport-Rennserie. Nachwuchspilot Franco Fahrbach gewann das zweite Rennen des Wochenendes, nachdem er zusammen mit Teamkollege Luca Wieninger bereits im ersten Lauf auf das Podium gefahren war.

Bei Debüt von Max Kruse Racing in Oschersleben wurde die Mannschaft noch deutlich unter Wert geschlagen. Beim zweiten Event auf dem Nürburgring gelang dem Team der ersehnte Befreiungsschlag nach einem von Pech geprägten Saisonauftakt in Oschersleben, bei dem eine aberkannte Pole-Position sowie eine späte Kollision ein mögliches Podium verhindert hatten. Am Nürburgring zeigte sich nun, dass die akribische Arbeit von Ingenieuren, Mechanikern und Fahrern Früchte trägt: ein perfekt vorbereitetes Paket, konsequentes Coaching und eine beeindruckend geschlossene Teamleistung.

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Im Anschluss an das Rennwochenende sprach der Polo Cup Germany mit Teamchef Benny Leuchter über den „Eifel-Krimi“, seine drei Rookies Franco und Carlos Fahrbach sowie Luca Wieninger, das nachhaltige Technikkonzept der Serie und die Rolle von Team-Mitbesitzer Max Kruse.
Benny, herzlichen Glückwunsch zum ersten Saisonsieg im Polo Cup! Das Wochenende in der Eifel war ein echter Krimi. Wie nervenaufreibend war es für dich am Kommandostand, vor allem bei diesen extremen Wetterbedingungen?
„Ganz ehrlich? Es hat mir richtig in den Fingern gejuckt! Besonders bei den super schwierigen Bedingungen im Qualifying am Sonntagmorgen oder im nassen Samstagsrennen. Das sind eigentlich genau meine Bedingungen, wenn es richtig knifflig wird. Aber ich habe versucht, den Jungs im Vorfeld alles mitzugeben, was ich weiß. Wir haben ein sehr intensives Coaching gemacht und sie haben es überragend umgesetzt. Platz zwei am Samstag durch Luca war stark und Franco hat am Sonntag im zweiten Rennen alles perfekt auf den Punkt gebracht: Er hat sich die Reifen perfekt eingeteilt, im richtigen Moment attackiert und den verdienten Sieg geholt.”
Nach dem Pech beim Saisonauftakt in Oschersleben, wo ihr ein Podium durch eine unverschuldete Disqualifikation und eine Kollision verpasst habt, war das sicher eine enorme Erleichterung für das gesamte Team, oder?
„Absolut. In Oschersleben hatten wir viel Pech. Carlos hatte eigentlich die Pole-Position für das Samstagsrennen eingefahren. Am Sonntag lag Luca dann auf Podestkurs, wurde kurz vor Schluss ins Gras gedrängt und fiel zurück. Die Leistung war also von Anfang an da, aber das Glück hat gefehlt. Umso schöner war es jetzt am Nürburgring. Das zeigt einfach, dass sich unsere harte Arbeit am Ende auszahlt.”
Die Fahrer haben mir erzählt, dass ihr teilweise bis tief in die Nacht an den Autos geschraubt habt. Was war am Ende der Schlüssel, um diesen Schritt nach ganz vorne zu machen?
„Es sieht in den Ergebnissen jetzt natürlich nach einem riesigen Sprung aus. In Wahrheit war es kontinuierliche, harte Arbeit. Wir haben uns sukzessive herangearbeitet. Ein großer Faktor ist unsere akribische Datenanalyse. Nico Otto macht bei uns die Datenarbeit mit den Fahrern. Wir schauen uns gemeinsam Onboard-Videos und Telemetriedaten an. Da gebe ich mein komplettes Know-how weiter – von der Bremsbalance über das Setup bis hin zum Reifenmanagement. Am Ende müssen die Jungs die Entscheidungen aber selbst im Cockpit treffen und daraus lernen. Das ist ein fortlaufender Prozess.”
Eure drei Piloten – die Brüder Franco und Carlos Fahrbach sowie Luca Wieninger – wirken extrem ausgeglichen und fahren auf einem sehr hohen Niveau. Wo habt ihr die drei eigentlich aufgetrieben?
„Lustigerweise wie die Jungfrau zum Kind! Wir wollten am Anfang gar nicht im Polo Cup antreten, um Vorurteilen aus dem Weg zu gehen, wir kämen als „Volkswagen-Werksteam“ mit einem unfairen Erfahrungsvorsprung. Aber die Jungs sind aktiv auf uns zugekommen. Wir haben letztes Jahr am Nürburgring einen Test mit den Fahrbach-Brüdern im TCR-Golf gemacht. Ihre akribische, professionelle Arbeitsweise hat uns sofort begeistert. Carlos macht jeden Morgen Sport, geht laufen, trainiert viel im Simulator; Franco ist etwas lockerer, aber er weiß genau, wann er voll da sein muss. Und Luca packt ebenfalls voll mit an, ist extrem wissbegierig und will jedes Detail am Setup verstehen. Alle drei kommen aus dem BMW 318ti Cup und kennen sich von dort gut. Dass wir uns für diese drei Autos entschieden haben, war absolut die richtige Entscheidung.”
Im Polo Cup sind alle Autos technisch identisch. Was macht für dich den Reiz dieser Meisterschaft aus?
„Ein riesiges Kompliment an die Organisatoren, die diese Serie mit unglaublichem Mut und Herzblut auf die Beine gestellt haben. Das Paket und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen einfach. Die Autos sind echte Rennwagen: Waagebalken-Bremssystem, sequentielles Getriebe, Linksbremsen. Das bereitet die Fahrer perfekt auf den nächsten Schritt im Motorsport vor, und das zu einem unschlagbar günstigen Preis. Da die Autos absolut identisch sind, entscheidet am Ende wirklich nur das beste Zusammenspiel aus Fahrer, Team und harter Arbeit an den Daten.”
Wo siehst du den Polo Cup in ein paar Jahren?
„Ich hoffe sehr, dass die Serie in Zukunft weiter wächst. Es wäre beispielsweise fantastisch, wenn wir irgendwann ein großes Europa-Finale austragen könnten oder es zu einem sportlichen Austausch mit den Kollegen aus Südafrika kommt, wo ebenfalls extrem starke Fahrer und Teams im Polo Cup unterwegs sind. Ein Finale mit 40 oder 45 Autos und echten Ausscheidungs-Heats – das wäre ein absoluter Traum!”
Ein wichtiges Thema im Polo Cup ist die Nachhaltigkeit. Die Serie wird komplett mit eFuels betrieben. Wie wichtig ist dieser Schritt für dich?
„Extrem wichtig. Wir setzen bei Max Kruse Racing auf der Langstrecke ja schon länger auf alternative Kraftstoffe. Im Polo Cup fahren wir mit eFuels. Beide Kraftstoffe zeigen: Nachhaltigkeit und absolute Spitzen-Performance stehen nicht im Widerspruch zueinander. Das sind unkomplizierte „Drop-In-Fuels“: Du tankst das eFuel ohne technische Umbauten am Motor und fährst Rennen. Das ist der einzige Weg, wie wir den Motorsport mit Verbrennungsmotoren in Deutschland noch sehr lange und zukunftssicher betreiben können.”
Aktuell läuft die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika. Wenn man einen ehemaligen Fußballstar als Namensgeber und Team-Mitbesitzer hat, schlägt das Thema sicher auch bei euch richtig durch. Wie intensiv verfolgt ihr das Geschehen?
„Wir sind mittlerweile ein ziemlich großes Team geworden, das über ganz Deutschland verteilt ist. Gemeinsame WM-Teamabende gibt es deshalb leider nicht – es sei denn, Deutschland schafft es ins Finale, dann überlegen wir uns das nochmal! Aber natürlich drücken wir alle die Daumen. Max ist ohnehin voll im Thema. Er fährt ja selbst auf der Langstrecke und ist richtig schnell. Er ist Profisportler durch und durch, will immer wissen, was bei seinen Autos passiert, und fordert regelmäßig Feedback ein. Er hat das Polo-Cup-Projekt fest im Blick.”
Gibt es aus dem Fußball eigentlich Dinge, die Max ins Team einbringt?
„Ja, vor allem seine Siegermentalität und die Erfahrung, wie wichtig es ist, mental auf den Punkt da zu sein. Aber wir arbeiten im Team ohnehin mit guten Leuten zusammen, auch mit Sportphysiologen. Unsere Junioren bekommen das komplette Paket, um sich bestmöglich weiterzuentwickeln.”
Hat er nach dem Sieg am Nürburgring direkt gratuliert? Und sehen wir ihn vielleicht bald selbst mal im Polo Cup?
„Absolut, Max ist trotz allem immer nah dran und freut sich riesig mit dem Team. Zum Thema Gaststart: Der Polo ist im Grunde ein „TCR Light“. Max kennt solche Autos gut. Das VIP-Auto wäre sicher etwas für ihn. Wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja irgendwann mal als Gaststarter im Polo Cup.”
Nach dem Befreiungsschlag am Ring: Schielt ihr mit euren drei Talenten bereits auf die Meisterschaft, oder geht es primär um die Entwicklung?
„Wir gehören jetzt definitiv zum Kreis der Anwärter, die Konkurrenz hat uns auf dem Zettel. Aber wir müssen realistisch bleiben: Einige Konkurrenten haben noch einen kleinen Erfahrungsvorsprung. Unsere Jungs müssen weiter lernen. Wichtig ist, dass wir an jedem Wochenende von der ersten Minute an fokussiert in den Rhythmus finden. Wenn uns das gelingt, haben wir hervorragende Chancen. Für die restliche Saison habe ich ein ganz klares Ziel vor Augen: Franco hat im Interview mal gesagt, dass er sich ein Dreifach-Podium wünscht. Ein Doppelpodium hatten wir jetzt schon – ein Dreifach-Podium mit allen unseren drei Fahrern auf dem Treppchen wäre mein absoluter Traum für dieses Jahr!”

Das nächste Rennwochenende in Zolder hält einige Neuerungen bereit. Erstmals werden drei Wertungsläufe ausgetragen, die auch drei einzelne Qualifyings erforderlich machen. Zudem wächst das Starterfeld deutlich, da immer weitere Rennfahrzeuge ausgeliefert wurden. Mehr Informationen werden demnächst bekannt gegeben.
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