Dienstag, 8. September 2026
MXL täglich aktuell
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Kartsport Allgemein
01.09.2026

Wenn der Formel-1-Star zum Kartmarken-Namen wird

Alonso, Leclerc, Norris, Sainz, Ricciardo, Barrichello – und Ralf Schumacher. Immer mehr Formel-1-Fahrer beziehungsweise ehemalige Grand-Prix-Piloten sind oder waren mit eigenen Kartmarken unterwegs. Manche Projekte existieren bis heute, andere sind längst Geschichte. Doch warum geben Rennfahrer ihren Namen überhaupt für ein Kartchassis her? 

Die Antwort ist überraschend einfach: Für viele dieser Fahrer beginnt die eigene Motorsportgeschichte im Kart. Eine eigene Marke verbindet deshalb persönliche Leidenschaft, Nachwuchsförderung, Marketing und das technische Know-how etablierter Kartproduzenten.

Jarno Trulli: Einer der frühen Pioniere

Die Geschichte der Fahrer-Kartmarken reicht deutlich weiter zurück, als viele vermuten. Ein frühes und besonders interessantes Beispiel ist Jarno Trulli. Der Italiener war bereits als Kartfahrer außergewöhnlich erfolgreich. 1991 gewann er die Weltmeisterschaft in der Formel K, 1994 folgte ein weiterer Weltmeistertitel in der Klasse 125 FC. Trulli war damit nicht einfach ein Formel-1-Fahrer, der später seinen Namen auf ein Kart schrieb – er gehörte schon vor seinem Aufstieg in die Königsklasse zur absoluten Spitze des internationalen Kartsports. Bereits in den 1990er-Jahren arbeitete Trulli mit Tony Kart zusammen. Unter dem Namen Trulli Kart wurden Chassis angeboten. Zeitgenössische Berichte bestätigen, dass Trulli seinen Namen schon damals mit einer Kartmarke verbunden hatte. 2006 folgte ein weiteres eigenes Trulli-Projekt. Gemeinsam mit Swiss Hutless präsentierte der damalige Toyota-F1-Pilot neue Trulli-Karts. Damit gehört Trulli zu den wichtigen Vorläufern der heutigen Fahrer-Kartmarken.

Ralf Schumacher: RS Kart aus Deutschland

Ein besonders interessantes Beispiel für den deutschen Kartsport ist Ralf Schumacher. Der ehemalige Formel-1- und DTM-Pilot war nach seiner aktiven Karriere zunehmend als Teamchef und Förderer im Kartsport aktiv. 2018 ging Schumacher noch einen Schritt weiter und präsentierte mit RS Kart eine eigene Chassismarke. Für die technische Entwicklung und Produktion arbeitete er mit IPK zusammen – dem italienischen Hersteller hinter Marken wie Praga, Formula K und OK1. Die RS-Chassis wurden im IPK-Werk in Salizzole entwickelt und gefertigt, während der Vertrieb über Schumachers Unternehmen in Deutschland erfolgte. Das Projekt war dabei ausdrücklich mehr als ein Logo auf einem vorhandenen Kart. Schumacher suchte laut eigener Aussage einen Hersteller, der ihm die nötige Flexibilität für ein „eigenes“ Produkt bot. Die ersten RS-Karts basierten auf der damaligen Praga-Dragon-Evo-Homologation. Das Chassis wurde von IPK gefertigt und sollte von Beginn an ein breites Spektrum von Mini bis KZ abdecken. Damit ist RS Kart ein gutes Beispiel dafür, wie ein ehemaliger Formel-1-Fahrer seine Erfahrung mit der industriellen Kompetenz eines etablierten Kartproduzenten verbindet.

Fernando Alonso: Von der Rennstrecke zur eigenen Marke

Auch Fernando Alonso ging unter die „Kart-Bauer“. Der zweifache Weltmeister gründete FA Alonso Kart und verbindet damit seine persönliche Geschichte mit dem Kartsport und die Förderung junger Fahrer. Technisch arbeitete das Projekt zunächst mit der OTK-Gruppe zusammen. Mittlerweile werden sie von Dino Chiesa und Kart Republic gefertigt. Das ist kein Zufall: Chiesa gehört zu den erfahrensten Persönlichkeiten im internationalen Kartsport und war bereits an zahlreichen erfolgreichen Fahrerprojekten beteiligt. Alonso selbst begann seine Karriere im Kart und hat diese Verbindung nie vollständig aufgegeben. Seine eigene Kartmarke soll deshalb nicht nur ein Produkt sein, sondern auch seine Erfahrung an die nächste Generation weitergeben.

Lewis Hamilton: LH Kart

Lewis Hamilton hatte bereits als Nachwuchsfahrer eine enge Verbindung zu CRG. 2000 wurde er auf einem CRG-Chassis Europameister in der Formel A – noch lange bevor er Formel-1-Weltmeister wurde. Nach seinem Aufstieg in die Formel 1 kehrte Hamilton mit einer eigenen Kartmarke zu seinen Wurzeln zurück. Ende 2008 wurde das neue LH-Chassis vorgestellt, 2009 ging die Marke offiziell an den Start. „LH“ steht dabei für die Initialen des Briten. Optisch orientierte sich das Kart an den charakteristischen Farben seines damaligen Helmdesigns. Das Projekt war allerdings keine dauerhaft bestehende Marke. LH Kart ist heute nicht mehr aktiv.

Robert Kubica: Erfahrung für junge Fahrer

Auch Robert Kubica hat seinen Namen einer Kartmarke gegeben. Gemeinsam mit BirelART entstand die Marke RK – Robert Kubica Kart. Kubica hatte bereits als Kind und Jugendlicher eine enge Verbindung zum Kartsport und wollte diese Erfahrung später an Nachwuchsfahrer weitergeben. Hinter dem Projekt stand deshalb der Gedanke, ein leistungsfähiges Chassis mit der Erfahrung eines ehemaligen Formel-1-Fahrers zu verbinden. Damit war Kubica einer der frühen Fahrer, die das Prinzip etablierten, das heute bei mehreren aktuellen Marken zu beobachten ist.

Daniel Ricciardo: Ricciardo Kart

Daniel Ricciardo blieb dem Kartsport ebenfalls eng verbunden. Gemeinsam mit BirelART entstand Ricciardo Kart. Ricciardo war selbst bereits als Kind im Kart unterwegs und stieg von dort über verschiedene Nachwuchsserien in die Formel 1 auf. Birel ART übernimmt dabei die industrielle Basis und Produktion, während Ricciardo seine sportliche Perspektive einbringt.

Charles Leclerc: CL Kart

Ein besonders erfolgreiches aktuelles Beispiel ist Charles Leclerc. Gemeinsam mit BirelART entwickelte der Monegasse die Marke CL – Charles Leclerc Kart. Leclerc verbindet mit dem Projekt eine sehr persönliche Motivation: Karting sei die Grundlage seiner eigenen Karriere gewesen, weshalb er dem Sport etwas zurückgeben möchte. Die Marke umfasst inzwischen verschiedene Chassis für unterschiedliche Klassen. Produziert werden die Karts bei Birel ART in Italien. Damit zeigt CL Kart sehr deutlich, warum diese Kooperationen funktionieren: Der Fahrer liefert Erfahrung, Persönlichkeit und Markenwert – der Hersteller liefert Konstruktion, Produktion, Homologation und weltweite Infrastruktur.

Lando Norris: LN Racing Kart

Auch Lando Norris hat seinen Namen inzwischen fest mit dem Kartsport verbunden. Gemeinsam mit OTK Kart Group gründete er LN Racing Kart. Norris selbst war als Kartfahrer extrem erfolgreich und gewann unter anderem 2014 die Weltmeisterschaft in der KF-Kategorie. Die Karts werden von OTK entwickelt und produziert. Das erste Modell, der LN Four, entstand in Zusammenarbeit mit Norris. Interessant ist die Entwicklung der Marke: Sie ist nicht nur ein Nebenprojekt aus der Zeit vor der Formel 1. LN Racing Kart wird weiterhin aktiv vermarktet und weiterentwickelt.

Carlos Sainz: CS55 Racing Kart

Auch Carlos Sainz setzt auf die Zusammenarbeit mit OTK. 2024 entstand CS55 Racing Kart. Die Bezeichnung kombiniert die Initialen des Spaniers mit seiner Startnummer 55. Sainz besitzt selbst eine lange Karting-Geschichte und war bereits als Nachwuchsfahrer eng mit OTK beziehungsweise Tony Kart verbunden. Das Projekt ist deshalb eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Rubens Barrichello: Barrichello-Kart

Ein besonders aktuelles Beispiel ist Rubens Barrichello. Der ehemalige Ferrari-, Jordan- und Williams-Pilot arbeitet mit BirelART an der Barrichello-Kart-Linie. Die Marke wurde Ende 2025 erstmals bei den Rotax Grand Finals eingesetzt und anschließend offiziell vorgestellt. Die Chassis sind für unterschiedliche Klassen ausgelegt und tragen deutlich die persönliche Handschrift Barrichellos.

Warum geben Formel-1-Fahrer ihren Namen dafür her?

Die Frage ist natürlich berechtigt: Warum sollte ein Formel-1-Fahrer seinen Namen auf ein Kartchassis schreiben? Dafür gibt es mehrere Gründe. 

Anzeige
Für fast alle dieser Fahrer begann die Karriere im Kart. Das Kart ist deshalb mehr als ein Rennfahrzeug. Es steht für die ersten Rennen, die ersten Erfolge, die ersten Niederlagen und den Beginn einer Motorsportkarriere. Eine eigene Kartmarke ist für viele Fahrer eine Möglichkeit, diese Verbindung aufrechtzuerhalten.

Viele Fahrer möchten ihre Erfahrungen an junge Piloten weitergeben. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig gutes Material, professionelle Betreuung und die richtige Ausbildung für den späteren Weg in den Motorsport sind. Eine eigene Marke bietet die Möglichkeit, genau dort Einfluss zu nehmen.

Natürlich spielt auch der kommerzielle Aspekt eine Rolle. Ein Chassis mit dem Namen Leclerc, Alonso oder Norris erzeugt sofort Aufmerksamkeit. Für Eltern und Nachwuchsfahrer ist der Name bekannt und mit professionellem Motorsport verbunden. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Kart besser ist als ein Chassis ohne prominenten Namen. Der Fahrername ist vor allem ein Vertrauens- und Marketingfaktor.

Erfahrung aus dem Rennsport

Der entscheidende Punkt ist: Bei den seriösen Projekten wird nicht einfach ein Formel-1-Name auf ein beliebiges Kart geklebt. Der Fahrer bringt seine Erfahrung ein. Er kennt die Anforderungen an ein Rennfahrzeug, weiß, wie sich ein Kart unter verschiedenen Bedingungen verhalten sollte und kann seine Sichtweise in die Entwicklung einbringen.

Der Hersteller wiederum kennt die Konstruktion, die Fertigung und die Homologationsvorschriften.

Vom Formel-1-Star zum Markenbotschafter – und zurück

Bei frühen Projekten wie Trulli Kart war die Verbindung zwischen Fahrer und Hersteller teilweise noch stärker eine klassische Kooperation. Trullis Name wurde mit Chassis etablierter Hersteller verbunden. Bei heutigen Projekten geht die Zusammenarbeit häufig weiter. Fahrer wie Leclerc, Norris oder Alonso bringen ihre eigene sportliche Identität gezielter in die Produktentwicklung und Markenstrategie ein. Gleichzeitig bleibt die Produktion in den Händen spezialisierter Kartunternehmen.

Das ist auch sinnvoll: Ein Formel-1-Fahrer kann ein Kart sehr gut beurteilen – aber er braucht eine Fabrik, Ingenieure, Schweißer, Homologationsexperten, Händler und Ersatzteilstrukturen, um daraus eine weltweit verfügbare Marke zu machen. Der Formel-1-Fahrer wird vom reinen Namensgeber immer stärker zum Mitgestalter einer Marke. Und gleichzeitig schließt sich ein Kreis: Ein Fahrer, der einst im Kart saß, bevor er Formel-1-Rennen fuhr, kehrt später wieder zu genau diesem Fahrzeug zurück.

Vielleicht ist das sogar der wichtigste Grund für die Popularität dieser Marken: Für einen Formel-1-Fahrer ist ein Kart nicht einfach ein kleines Rennfahrzeug. Es ist der Anfang seiner eigenen Geschichte. Und genau diese Geschichte lässt sich mit dem eigenen Namen auf dem Chassis an die nächste Generation weitergeben.
Anzeige