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Kartsport Allgemein
21.08.2026

Kartmarken: Die großen Namen des Kartsports

Wer sich erstmals intensiver mit Rennkarts beschäftigt, stößt schnell auf eine ganze Reihe von Markennamen: Tony Kart, BirelART, CRG, Sodi, Parolin, Kart Republic, Kosmic, Exprit oder Formula K. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Woher kommen die Marken, welche Hersteller sind besonders groß – und welcher Name blickt auf die längste Geschichte zurück?

Eine wichtige Unterscheidung vorweg: Bei Rennkarts spricht man meist von Chassis- oder Fahrgestellmarken. Das bedeutet nicht automatisch, dass hinter jedem Markennamen ein eigenständiger Hersteller steckt. Gerade die großen Kartgruppen verkaufen teilweise mehrere Marken, deren Chassis aus derselben Produktionsstätte kommen.

Italien ist das Zentrum des Chassisbaus

Wenn es um Rennkart-Chassis geht, führt kaum ein Weg an Italien vorbei. Zahlreiche der bekanntesten Marken stammen aus dem Land, das seit den Anfangsjahren des Kartsports eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Rennsports auf vier kleinen Rädern spielt.

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Eine der traditionsreichsten Marken ist Birel aus Lissone bei Mailand. Umberto Sala begann Ende der 1950er-Jahre mit dem Bau eigener Karts. 1959 wurde Birel offiziell gegründet. Damit gehört das Unternehmen zu den ältesten Kartmarken überhaupt. Im modernen Kartsport tritt die Marke als BirelART auf. Die heutige Struktur entstand durch die Verbindung von Birel und ART Grand Prix. Neben Rennchassis ist Birel ART auch stark im Rental-Kart-Bereich vertreten. Neben BirelART laufen in Lissone auch Marken wie CL Charles Leclerc Kart oder Barichello Kart vom Band.

Auch Tony Kart blickt bis in die Anfangszeit des europäischen Kartsports zurück. Die offizielle Unternehmensgeschichte beginnt 1958. Heute ist Tony Kart allerdings Teil einer wesentlich größeren Unternehmensstruktur, der OTK Gruppe. Diese produziert neben Tony Kart auch die baugleichen Marken Exprit, Redspeed, Kosmic, EOS, Gillard, LN oder CS55.

Eine weitere italienische Traditionsmarke ist CRG. Die Wurzeln reichen bis in die 1970er-Jahre zurück, zunächst unter dem Namen Kalì Kart. Anfang 1986 wurde das Unternehmen in CRG umbenannt – nach den Initialen der Gründer Carlo Vanaria, Roberto Vanaria und Giancarlo Tinini. Kalì Kart wird weiterhin von CRG gebaut. Bekannte Namen, die ihre Sporen mit CRG verdient haben sind unter anderem Lewis Hamilton und Max Verstappen.

Auch Parolin kommt aus Italien. Die Geschichte begann 1986, als der ehemalige Kartfahrer Albino Parolin eine kleine Werkstatt gründete. Zunächst fertigte das Unternehmen Rahmen und Motoren für andere Anbieter. Anfang der 1990er-Jahre brachte Parolin schließlich eigene Chassis unter dem eigenen Namen auf den Markt. Die Marke entwickelte sich anschließend international weiter und ist heute im Rennsport ebenso wie im Nachwuchsbereich etabliert. Parolin ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, dass ein Hersteller nicht zwangsläufig auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken muss, um international erfolgreich zu werden.

Deutlich jünger ist Kart Republic. Hinter der Marke steht der italienische Kartsportexperte Dino Chiesa, der bereits seit den 1980er-Jahren in der internationalen Szene aktiv ist. Chiesa arbeitete unter anderem bei Kalì Kart/CRG und war später im Nachwuchsbereich maßgeblich an der Entwicklung von Fahrern beteiligt. Kart Republic entstand als neues Projekt mit dem Ziel, moderne Chassis-Technologie mit den Erfahrungen aus Jahrzehnten im internationalen Kartsport zu verbinden. Obwohl Kart Republic deutlich jünger ist als BirelART, Tony Kart oder CRG, konnte sich die Marke schnell an der internationalen Spitze etablieren.

IPK zählt zu den jüngsten Unternehmen und wurde erst 2010 gegründet. Heute vereint das Unternehmen mehrere Chassismarken (Formula K, Praga, OK1, RS Kart) und hat sich damit vergleichsweise schnell zu einem bedeutenden Anbieter entwickelt.

Nicht alle großen Karthersteller kommen aus Italien. Ein besonders bedeutender Name ist Sodi aus Frankreich. Die Geschichte von Sodikart begann 1981. Gildas Mérian gründete das Unternehmen zunächst im Bereich Teilevertrieb und Motorenpräparation. Anschließend entwickelte sich daraus die eigene Kartmarke Sodi. Heute gilt Sodikart besonders durch seine breite Leihkartangebot und die Zubehörproduktion als weltweit größter Karthersteller.  Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in mehr als 100 Ländern vertreten.

Auch Deutschland hat eine echte Traditionsmarke hervorgebracht: Mach1 Kart. Hinter der Marke steht die Hetschel GmbH & Co. KG aus Brackenheim-Meimsheim in Baden-Württemberg. Dort werden bis heute Rennkarts und Kartsport-Komponenten entwickelt und gefertigt. Die Geschichte begann 1968 in Stuttgart-Zuffenhausen. Die Brüder Lothar und Wilhelm Hetschel bauten im Keller ihres Vaters zunächst Karts für den Eigenbedarf. Aus dem Hobby wurde schnell mehr: Wilhelm Hetschel setzte die selbst entwickelten Karts auch im Wettbewerb ein und feierte mehrere deutsche Meistertitel. Heute fertigt mach1 neben Rennkarts auch Jugend-, Slalom- und Mietkarts sowie Kartsport-Zubehör.

Neben den großen Namen gibt es zahlreiche weitere Chassishersteller und Marken. Dazu gehören beispielsweise:
 
  • TbKart
  • Energy Corse
  • Alonso Kart
  • DPE
  • Haase
  • Tecno
  • Intrepid
  • Mad Croc
  • TopKart
  • Maranello
  • DR Kart
  • Swiss Hutless
  • CompKart
  • MacMinarelli
  • MS Kart
  • Gold Kart
     

Warum gibt es überhaupt so viele Marken?

Die große Zahl an Marken hat einen einfachen Grund: Ein Kart ist kein Auto mit selbsttragender Karosserie. Das Chassis beeinflusst das Fahrverhalten unmittelbar. Rohrdurchmesser, Material, Geometrie, Flexverhalten, Achsen und zahlreiche Details bestimmen, wie das Kart auf unterschiedliche Strecken und Reifen reagiert. Deshalb entwickeln Hersteller eigene technische Philosophien. Gleichzeitig steckt hinter vielen Marken heute ein größerer Konzern. OTK ist dafür das beste Beispiel: Wer Tony Kart, Kosmic oder Exprit fährt, fährt zwar unterschiedliche Marken, die technische Basis kommt aber aus demselben Unternehmensverbund.

Die Welt der Kartmarken ist wesentlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Hinter den bekannten Logos stehen teilweise jahrzehntelange Familienunternehmen, teilweise große internationale Konzerne und teilweise junge Marken, die aus der Erfahrung etablierter Kartsport-Größen entstanden sind.

Italien bleibt dabei das Herz des internationalen Rennkartbaus. BirelART, Tony Kart, CRG, Parolin, Kart Republic und zahlreiche weitere Marken haben von dort aus die Entwicklung des Sports geprägt. Frankreich bringt mit Sodi einen weiteren Weltmarktführer hervor.

Und wenn es um die Frage nach der Geschichte geht, ist eine Marke besonders bemerkenswert: Birel – gegründet 1959 und damit bis heute einer der ältesten Namen im Kartsport. Die vielleicht spannendste Erkenntnis ist aber eine andere: Auf vielen Rennstrecken stehen heute mehr verschiedene Markennamen als tatsächlich unterschiedliche Hersteller dahinter. Denn im modernen Kartsport zählt nicht nur das Logo auf der Verkleidung, sondern zunehmend die Unternehmensstruktur hinter dem Chassis.
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