Im Laufe der Jahre durften zahlreiche Prominente einige Runden in einem Formel-1-Auto drehen. Die Bandbreite reicht von erfolgreichen Sportlern aus anderen Motorsportdisziplinen bis hin zu für den Oscar nominierten Schauspielern.
Wir werfen einen Blick zurück auf zehn dieser prominenten Gastfahrer, die am Steuer eines Formel-1-Autos Platz nehmen durften – und darauf, wie sie sich dabei geschlagen haben.
Brad Pitt
Wir beginnen mit einem der jüngsten Beispiele dafür, dass ein prominenter Name die Gelegenheit bekam, einen Formel-1-Boliden zu fahren. Brad Pitt ist seit vielen Jahren Motorsportfan und erhielt einen Eindruck davon, wie es sich anfühlen könnte, F1-Fahrer zu sein, als er in „F1 – Der Film“ die Rolle des Sonny Hayes übernahm. Der Film entwickelte sich nach seinem Kinostart im vergangenen Jahr zu einem weltweiten Erfolg.Zur Vorbereitung auf seine Rolle absolvierte Pitt ein Fahrtraining mit modifizierten Formel-2-Boliden, die im Film als Fahrzeuge des fiktiven Teams APXGP eingesetzt wurden.
Später ging der Schauspieler noch einen Schritt weiter: Bei einem privaten Testtag auf dem Circuit of The Americas steuerte er McLarens Formel-1-Boliden aus der Saison 2023.
Im Podcast „Beyond The Grid“ sprach Pitt anschließend über seine Erfahrungen und gab zu, dass er danach noch immer „auf Wolke sieben“ gewesen sei. Dabei erzählte er: „Ich habe diese Woche 197 Meilen pro Stunde erreicht. Ich wollte unbedingt die 200 schaffen. Das ärgert mich ein bisschen – drei Meilen pro Stunde haben mir auf der Geraden gefehlt. Das war in Austin.
Ich habe noch nie etwas erlebt, bei dem ich mich so sehr im Moment gefühlt habe. Man ist völlig fokussiert, aber man verkrampft nicht. Man befindet sich einfach in diesem perfekten Flow. Es ist wirklich außergewöhnlich.“
Valentino Rossi
Wie Brad Pitt weiß auch Valentino Rossi, dass das Fahren eines Formel-1-Autos etwas ganz Besonderes ist. Die MotoGP-Legende saß allerdings nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach am Steuer eines F1-Boliden.Seinen ersten Test für Ferrari absolvierte Rossi 2004 auf der hauseigenen Rennstrecke in Fiorano. Mehrfacher Weltmeister Michael Schumacher beobachtete die Fahrt. „Natürlich brauchte er eine gewisse Zeit, um sich daran zu gewöhnen, aber am Ende des Tages war er beeindruckend“, kommentierte Schumacher später.
In den folgenden Jahren absolvierte Rossi weitere Tests. Dadurch kamen immer wieder Spekulationen auf, ob der neunfache Motorrad-Weltmeister tatsächlich vom Motorrad- auf den Vierradsport wechseln könnte. Letztlich entschied sich Rossi gegen diesen Schritt – seine Verbindung zur Formel 1 blieb jedoch bestehen.
2019 kam es zu einem besonderen Fahrzeugtausch mit Lewis Hamilton. Rossi fuhr auf dem Circuit Ricardo Tormo in Spanien den Mercedes W08, mit dem Hamilton 2017 seinen vierten WM-Titel gewonnen hatte. Im Gegenzug stieg Hamilton auf Rossis Yamaha-MotoGP-Maschine aus der Saison 2019. Heute startet Rossi u.a. in der GT World Challenge.
Colin McRae
Der Fahrzeugtausch zwischen Valentino Rossi und Lewis Hamilton war nicht das einzige Beispiel für einen Wechsel zwischen zwei unterschiedlichen Motorsportdisziplinen. Auch die inzwischen verstorbene Rallye-Legende Colin McRae durfte 1996 einen Formel-1-Boliden pilotieren.Nur wenige Monate nach dem Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft 1995 erhielt McRae die Gelegenheit, einen Jordan-F1-Boliden in Silverstone zu fahren – ausgerechnet an seinem 28. Geburtstag. Im Gegenzug stieg Jordan-Fahrer Martin Brundle in McRaes Subaru Impreza 555 Rallyeauto.
McRae bezeichnete seine Fahrt im Formel-1-Auto als „unglaublich“. Abgesehen von der Geschwindigkeit sei „alles andere völlig anders als im Rallyesport“ gewesen. Der Schotte absolvierte 20 Runden und blieb mit seiner besten Zeit etwas mehr als zwei Sekunden hinter Brundle zurück – eine Leistung, die selbst Brundle als „sehr beeindruckend“ bezeichnete.
Auch Brundle bekam anschließend die Gelegenheit, McRaes Rallyeauto zu fahren, und stellte fest, dass dafür ganz andere Fähigkeiten gefragt waren. McRae saß als Beifahrer daneben und bescheinigte Brundle, „sehr schnell“ gewesen zu sein. Später scherzte er, dessen Zeit sei „beunruhigend nah an meiner eigenen“ gewesen.
Jeff Gordon
Das Thema Fahrzeugtausch setzt sich auch bei unserem nächsten Beispiel fort. Jeff Gordon feierte während seiner langen NASCAR-Karriere große Erfolge und gewann 2001 zum vierten Mal die Meisterschaft der Cup Series.Zwei Jahre später erhielt Gordon im Rahmen eines Fernsehbeitrags die Gelegenheit, einen Formel-1-Boliden zu fahren. Auf dem Straßenkurs des Indianapolis Motor Speedway tauschte er dafür mit Williams-Fahrer Juan Pablo Montoya die Fahrzeuge.
Gordons Leistung sorgte für Aufmerksamkeit. Mit seiner besten Runde lag er nur rund eine halbe Sekunde hinter Montoyas Zeit. Das führte später sogar zu „ernsthaften“ Gesprächen über einen möglichen Wechsel Gordons in die Formel 1.
Im F1-Podcast „Beyond The Grid“ erklärte Gordon 2021, dass es bereits einige Jahre zuvor Gespräche mit dem BAR-Team gegeben hatte. Dabei ging es um einen möglichen Einstieg zur Premierensaison des Rennstalls 1999. Der Wechsel kam jedoch nie zustande.
Montoyas Ausflug in Gordons NASCAR-Boliden sollte sich dagegen als durchaus richtungsweisend erweisen: Der Kolumbianer wechselte 2006 tatsächlich in die NASCAR.
Tom Cruise
Brad Pitt ist nicht der einzige Hollywood-Star, der zunächst einen Rennfahrer spielte und später zumindest kurzzeitig selbst zum Rennfahrer wurde. Viele Jahre nachdem Tom Cruise 1990 im Film Tage des Donners einen Stock-Car-Piloten verkörpert hatte, erhielt er 2011 die Gelegenheit, einen Formel-1-Boliden zu fahren.Der US-Amerikaner ist hohe Geschwindigkeiten gewohnt und wurde durch seine selbst ausgeführten spektakulären Stunts in Filmen wie der Mission: Impossible-Reihe bekannt. Das dürfte jedoch selbst für Cruise eine besondere Erfahrung gewesen sein: In einem Red-Bull-F1-Boliden erreichte er auf dem Willow Springs Circuit in Kalifornien rund 181 mph – umgerechnet etwa 291 km/h.
Betreut wurde Cruise an diesem Tag vom 13-fachen Grand-Prix-Sieger David Coulthard. Der Schotte zeigte sich beeindruckt davon, wie schnell der Schauspieler im Verlauf seiner Runden an Tempo gewann. Seine Höchstgeschwindigkeit lag lediglich rund 4 mph, also etwa 6 km/h, unter Coulthards Bestwert.
„Ich habe keinen Zweifel daran, dass er mit ein paar Tagen intensivem Training sehr schnelle Zeiten fahren könnte, wenn er wirklich ernsthaft in solchen Autos fahren wollte“, sagte Coulthard anschließend über Cruises Leistung.
Marc Márquez
2018 sorgte ein weiterer spektakulärer Wechsel zwischen den Motorsportwelten für Aufsehen. MotoGP-Weltmeister Marc Márquez bekam die Gelegenheit, sein Talent auf vier Rädern unter Beweis zu stellen. Der Spanier absolvierte einen Formel-1-Test mit dem damaligen Toro-Rosso-Team.Als Berater stand ihm Grand-Prix-Sieger Mark Webber zur Seite. Auch Red Bulls damaliger Motorsportberater Helmut Marko und der dreifache Weltmeister Niki Lauda beobachteten den Test. Márquez fuhr auf dem Red Bull Ring in Österreich einen Formel-1-Boliden aus dem Jahr 2012. Sein MotoGP-Kollege Dani Pedrosa durfte später am selben Tag ebenfalls ans Steuer.
Márquez bezeichnete die Erfahrung als „unglaublich“ und als einen „absoluten Höhepunkt meiner Karriere“. Webber, der den Spanier während des Tests coachte, sprach von einer „Ehre“ und lobte zugleich, wie schnell sich Márquez an das Auto angepasst hatte.
„Es ist beeindruckend. Marc ist auf zwei Rädern natürlich auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Und dann kommt er und fährt ein Formel-1-Auto – dabei ist die Art und Weise, wie wir die Rundenzeit erzielen, völlig anders“, erklärte Webber.
Sebastien Loeb
Mit neun Rallye-Weltmeistertiteln zählt Sébastien Loeb zu den erfolgreichsten Fahrern in der Geschichte des Rallyesports. Während dieser außergewöhnlichen Karriere wagte der Franzose auch einen Ausflug in die Formel 1.Im Dezember 2007 nahm Loeb im Rahmen einer Werbeveranstaltung an einem Fahrzeugtausch mit Renault-Fahrer Heikki Kovalainen teil. Dabei durfte er den Renault R26 fahren, mit dem das Team 2006 die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Für Loeb ging damit nach eigener Aussage ein „Traum in Erfüllung“.
Es sollte nicht sein letzter Einsatz in einem Formel-1-Auto bleiben. Ein Jahr später kehrte Loeb bei einem Red-Bull-Test auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya ins Cockpit zurück. Im RB4 belegte er unter 17 Teilnehmern einen beeindruckenden achten Platz.
Anschließend wurde Loeb sogar mit einem möglichen Formel-1-Renneinsatz für Toro Rosso beim Saisonfinale 2009 in Abu Dhabi in Verbindung gebracht. Der Franzose erhielt jedoch keine Superlizenz. Damit blieb sein sportlicher Schwerpunkt der Rallyesport, in dem er anschließend weitere Siege und Weltmeistertitel sammelte.
Guy Martin
Der ehemalige Motorradrennfahrer Guy Martin ist seit seinem Wechsel ins Fernsehen für außergewöhnliche Herausforderungen bekannt. 2018 stellte er sich dabei einer ganz besonderen Aufgabe mit Formel-1-Bezug.Für eine Folge seiner Serie Speed with Guy Martin arbeitete der Brite mehrere Monate gemeinsam mit dem Williams Heritage Team an der Restaurierung des Williams FW08C von 1983. Anschließend durfte er den historischen Formel-1-Boliden auf dem Silverstone Circuit selbst fahren.
Noch interessanter wurde der Vergleich durch seinen Gegner: Der Formel-1-Weltmeister von 2009, Jenson Button, trat mit dem sechsrädrigen Williams FW08B an. Der außergewöhnliche Bolide kam jedoch nie bei einem Rennen zum Einsatz, da eine Regeländerung für die Saison 1983 festlegte, dass Formel-1-Autos maximal vier Räder haben durften.
Button gewann wenig überraschend das kurze Rennen. Martin hinterließ bei den Beobachtern dennoch einen guten Eindruck. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Karun Chandhok, der den TV-Moderator während seiner Vorbereitung unterstützt hatte, lobte ihn: „Er war vernünftig und hat das Tempo Schritt für Schritt gesteigert. Auf der Strecke sah er gut aus.“
Mick Doohan
Der Name Doohan ist der Formel 1 auch in jüngerer Vergangenheit verbunden gewesen. Mick Doohans Sohn Jack fuhr zu Beginn der Saison 2025 für Alpine, bevor er vor der aktuellen Saison als Reservefahrer zu Haas wechselte.Sein Vater Mick Doohan war dagegen vor allem für seine Erfolge auf zwei Rädern bekannt. Der Australier gewann in den 1990er-Jahren fünf Mal in Folge die 500er-Weltmeisterschaft. Sein Ausflug in die Formel 1 fiel allerdings deutlich kürzer aus als der seines Sohnes: 1998 absolvierte die Motorradlegende im Rahmen eines Sponsorentermins lediglich einen Test.
Doohan saß dabei in einem Williams auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Bereits in seiner ersten Runde drehte er sich jedoch mit dem Auto. Genau das gleiche Schicksal ereilte nach seinen Angaben auch den finnischen Rallyefahrer Tommi Mäkinen, der den Williams im Rahmen der Veranstaltung ebenfalls fuhr.
Im F1-Podcast „Beyond The Grid“ blickte Doohan 2023 auf den Test zurück. Der Fehler habe seinen sportlichen Ehrgeiz trotz seines fehlenden Interesses an einer Karriere auf vier Rädern durchaus geärgert.
„Es war eine großartige Erfahrung, aber ich hatte nie die Absicht, Rennfahrer auf vier Rädern zu werden“, erklärte Doohan.
Carlos Sainz senior
Während Carlos Sainz junior seine Karriere in der Formel 1 verfolgte, feierte sein Vater Carlos Sainz senior seine größten Erfolge im Rallyesport. Der Spanier wurde zweimal Rallye-Weltmeister und gewann später auch mehrfach die Rallye Dakar. Seinen bislang letzten Dakar-Sieg feierte er 2024.Im selben Jahr kam es zu einem besonderen Familientreffen auf der Rennstrecke: Carlos Sainz senior erhielt die Gelegenheit, gemeinsam mit seinem Sohn einen Formel-1-Testtag zu absolvieren.
Auf dem Circuit von Fiorano drehte Sainz senior mehrere Runden im Ferrari F1-75 aus der Saison 2022 – jenem Auto, mit dem sein Sohn in Silverstone seinen ersten Formel-1-Sieg gefeiert hatte. Vater und Sohn absolvierten zudem einige gemeinsame Runden in Formation. Der besondere Moment war eine Art Abschiedszeremonie für die Familie, bevor Carlos Sainz junior Ferrari verließ und zu Williams wechselte.
Für Sainz senior war es zwar die erste Fahrt in einem Formel-1-Ferrari, nicht aber seine erste Erfahrung mit einem F1-Boliden. Bereits 2006 hatte er bei einer Werbeveranstaltung in Barcelona den Renault R25 gefahren, mit dem Fernando Alonso 2005 Weltmeister geworden war.
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