Formel 1
14.06.2026
Triumph für Lewis Hamilton in Barcelona
Dennoch stand nach Rennende nicht nur der Ferrari-Sieg im Mittelpunkt. Die Schlussphase wurde von einem dramatischen Ausfall von WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli sowie dem Ausscheiden von Charles Leclerc geprägt.
Dabei hatte das Rennen zunächst einen vergleichsweise geordneten Verlauf genommen. Hamilton übernahm früh die Kontrolle und setzte sich im Laufe der Distanz immer weiter von seinen Verfolgern ab. Während Ferrari an der Spitze die Pace bestimmte, entwickelte sich dahinter ein immer intensiverer Kampf zwischen den beiden Mercedes-Piloten George Russell und Kimi Antonelli.
Der junge Italiener hatte bereits mehrere Runden zuvor am Funk signalisiert, dass er das Tempo seines Teamkollegen mitgehen, teilweise sogar übertreffen könne. Russell verteidigte seine Position jedoch clever und ließ Antonelli zunächst keine Möglichkeit zum Angriff. Mehrere Runden lang bewegten sich die beiden Silberpfeile innerhalb weniger Sekunden.
Als die Schlussphase begann, spitzte sich die Situation zu. Antonelli erhöhte den Druck Runde um Runde und zwang Russell immer häufiger in die Defensive. In Runde 60 folgte schließlich das Manöver, das zu den Höhepunkten des Rennens zählte. Über mehrere Kurven hinweg kämpften die beiden Mercedes-Fahrer Rad an Rad. Keiner wollte nachgeben, beide ließen sich jedoch ausreichend Platz. Nach einem sehenswerten Duell setzte sich Antonelli schließlich durch und übernahm den zweiten Platz.
Besonders bemerkenswert war, dass sich der Italiener unmittelbar nach dem Überholmanöver absetzen konnte. Innerhalb kurzer Zeit öffnete er eine Lücke zu Russell und bestätigte damit eindrucksvoll seine zuvor geäußerte Einschätzung, über die höhere Rennpace zu verfügen. Alles deutete darauf hin, dass Antonelli den zweiten Platz sicher nach Hause bringen und wichtige Punkte für die Weltmeisterschaft sammeln würde.
Doch nur zwei Runden später folgte die dramatische Wendung.
Plötzlich verlor Antonelli an Geschwindigkeit. Sein Mercedes rollte aus und blieb auf der Strecke stehen. Die Hoffnungen auf ein weiteres Podium waren innerhalb weniger Sekunden zerstört. Die Rennleitung reagierte mit Gelben Flaggen und anschließend einem Virtual Safety Car. Aus einem scheinbar sicheren zweiten Platz wurde für den WM-Führenden ein schmerzhafter Nuller.
Für Russell bedeutete der Ausfall seines Teamkollegen eine emotionale Achterbahnfahrt. Noch wenige Minuten zuvor hatte er seinen Platz auf der Strecke verloren, nun rückte er wieder auf Rang zwei vor und sicherte Mercedes wichtige Punkte.
Auch Ferrari blieb von Problemen nicht verschont. Charles Leclerc hatte bereits im Verlauf der zweiten Rennhälfte über Schwierigkeiten mit der Lenkung geklagt. Der Monegasse musste zwischenzeitlich sogar einen Ausflug ins Kiesbett hinnehmen. Zunächst schien er das Problem unter Kontrolle zu haben und hielt sich weiterhin in den Top Sechs. Doch während der VSC-Phase verschlechterte sich die Situation offenbar. Leclerc steuerte die Box an, wo die Mechaniker das Fahrzeug schließlich in die Box zurückschoben. Das Rennen war für ihn in Runde 64 beendet.
Damit erlebte Ferrari einen Nachmittag mit zwei völlig unterschiedlichen Geschichten. Auf der einen Seite stand Hamiltons souveräner Sieg, auf der anderen Seite der Ausfall des zweiten Fahrzeugs. Teamchef Frédéric Vasseur durfte sich über den Erfolg seines Spitzenfahrers freuen, musste gleichzeitig aber analysieren, warum Leclerc das Ziel nicht erreichte.
Von den Turbulenzen profitierte vor allem McLaren. Lando Norris erbte Rang drei und komplettierte das Podium. Max Verstappen kam für Red Bull auf Platz vier ins Ziel. Oscar Piastri sicherte als Fünfter weitere wichtige Punkte für McLaren. Isack Hadjar überzeugte nach einem späten Boxenstopp mit Rang sechs. Pierre Gasly und Franco Colapinto sorgten mit den Plätzen sieben und acht für ein starkes Alpine-Ergebnis. Liam Lawson und Arvid Lindblad komplettierten die Top Ten für Racing Bulls.
Ein Drama gab es erneut für Audi. Nach einem starken Wochenende stand Nico Hülkenberg kurz vor seinen ersten Punkten, als er beim Boxenstopp stehenblieb und nicht weiterfahren konnte. Eine abschließende Analyse woran es lag, gab es von Audi bislang nicht.
Für die Weltmeisterschaft könnte das Rennen noch erhebliche Folgen haben. Antonelli bleibt zwar mit 156 Punkten an der Spitze der Fahrerwertung, doch Hamilton verkürzt mit seinem Sieg auf 115 Zähler. Der Rückstand schrumpft damit von 66 auf 41 Punkte. Russell verbessert sich auf 106 Punkte und hält den Kontakt zur Spitzengruppe. Leclerc bleibt nach seinem Ausfall bei 75 Punkten.
Die Zielflagge wurde vom serbischen Tennisstar Novak Djokovic geschwenkt. Sie markierte das Ende eines Rennens, das zunächst nach einer kontrollierten Vorstellung von Mercedes aussah, in den letzten Runden jedoch noch einmal für reichlich Drama sorgte. Vor allem das Mercedes-Duell zwischen Russell und Antonelli sowie der anschließende Ausfall des WM-Spitzenreiters dürften noch lange Gesprächsthema im Fahrerlager bleiben.
Ergebnis Großer Preis von Barcelona-Katalonien
1. Lewis Hamilton (Ferrari) – 1:32:28,000 Std.
2. George Russell (Mercedes) – +19,561 Sek.
3. Lando Norris (McLaren) – +23,719 Sek.
4. Max Verstappen (Red Bull) – +40,497 Sek.
5. Oscar Piastri (McLaren) – +58,661 Sek.
6. Isack Hadjar (Red Bull) – 1 Runde zurück
7. Pierre Gasly (Alpine) – 1 Runde zurück
8. Franco Colapinto (Alpine) – 1 Runde zurück
9. Liam Lawson (Racing Bulls) – 1 Runde zurück
10. Arvid Lindblad (Racing Bulls) – 1 Runde zurück
11. Gabriel Bortoleto (Audi) – 2 Runden zurück
12. Carlos Sainz (Williams) – 2 Runden zurück
13. Esteban Ocon (Haas) – 2 Runden zurück
14. Sergio Perez (Cadillac) – 3 Runden zurück
15. Charles Leclerc (Ferrari) – Ausfall (62 Runden)
16. Andrea Kimi Antonelli (Mercedes) – Ausfall (61 Runden)
17. Oliver Bearman (Haas) – Ausfall (60 Runden)
Ausfälle
Alexander Albon (Williams) – Ausfall (55 Runden vor Ende)
Fernando Alonso (Aston Martin) – Ausfall (37 Runden)
Nico Hülkenberg (Audi) – Ausfall (29 Runden)
Valtteri Bottas (Cadillac) – Ausfall (15 Runden)
Lance Stroll (Aston Martin) – Ausfall (5 Runden)





