Formel 1
06.04.2026
Max Verstappen: Zwischen Frust und Fluchtpunkt Nordschleife
Für die Medien ist das Thema natürlich perfekt. Es vergeht nicht eine Woche, wo Zeitschriften, TV-Sender oder Social Media seine Wörter aufnehmen und das Ganze erneut Fahrt aufnimmt. Doch mittlerweile nervt das sicherlich nicht nur einige seiner Fahrerkollegen, sondern auch die Formel 1-Chefs oder die FIA.
Den Niederländer kümmert das scheinbar wenig. Er bleibt bei seiner Meinung und stellt nicht seine Karriere infrage, wohl aber die Richtung der Formel 1.
Und da wird es schwierig. Verstappen legt in einigen Punkten den Finger auf die Wunde. Für ihn ist „pures Racing“ wichtiger als die neuen Show-Elemente mit den vielen Überholmanövern. Das ist für ihn „Jo-Jo-Racing.“
Lewis Hamilton, der Anfang der Saison ebenfalls noch ein Kritiker des neuen Reglements war, sieht das mittlerweile etwas differenzierter: „Es ist nun wie beim Kartfahren. Es geht hin und her. Niemand hat das jemals als Jo-Jo-Racing bezeichnet.“ Für den siebenmaligen Weltmeister, der mit Ferrari wieder Erfolge feiert, ist Kartsport die beste Form des Rennsports und die Formel 1 kehre nun zurück zu ihren Wurzeln.
Am Ende bleibt die Bewertung subjektiv: Was richtig oder falsch ist, hängt stark vom eigenen Verständnis der Formel 1 ab.
Dass Verstappen seine Position in nahezu jedes Mikrofon trägt, sorgt für maximale Aufmerksamkeit, verstärkt aber auch die Polarisierung. Während ein Teil des Fahrerlagers ähnliche Punkte intern teilt, wählen viele bewusst einen diplomatischeren Ton. Auch George Russell (Mercedes) gehört dazu: "Alle sind immer sehr schnell dabei, Dinge zu kritisieren. Ich finde, wir sollten dem Ganzen eine Chance geben und nach ein paar weiteren Rennen schauen.“
Die Frage ist daher weniger, ob Verstappens Kritik berechtigt ist, sondern ob die Art der Kommunikation zielführend ist.
Seine Offenheit erzeugt Gegenwind und das könnte das Produkt Formel 1 beschädigen. Auf der anderen Seite kann das eine Serie stärken. Viele Fahrer teilen intern scheinbar die Kritik – kommunizieren dies aber vorsichtiger.
Dabei gibt es sicherlich Ansatzpunkte, die man diskutieren muss. Fernando Alonso (Aston Martin) gab hier seine Meinung nach dem Japan-GP ab: „Der gefährlichste Part ist meiner Meinung nach das Qualifying. Wenn jemand auf der Aufladerunde ist und jemand auf der schnellen Runde, ist der Geschwindigkeitsunterschied wahnsinnig.“
Und der Unfall zwischen Oliver Bearman (Haas) und Franco Colapinto (Alpine) macht deutlich, dass man diskutieren sollte. Bearman war mit über 50 km/h mehr zu Colapinto aufgeschlossen und danach mit 50g eingeschlagen, nachdem Colapinto kurz die Richtung veränderte.
Hier war sich später das Fahrerlager einig, dass dies so nicht mehr passieren dürfe. Aber wie soll die Lösung aussehen? Die FIA kündigte an, dass man die Zwangspause im April nutzen möchte, um die Situation zu analysieren und zu besprechen. Wie das aussehen soll, ist nicht so einfach zu beantworten.
Max Verstappen flieht aus dieser Frust-Situation zu einem neuen Betätigungsfeld. Er hat Spaß am Racing auf der Nordschleife. Schon beim zweiten Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie konnte er im Mercedes-AMG GT3 zeigen, dass er ein echter Racer ist. Zwar wurde der Sieg später annulliert, da dem Team ein peinlicher Fehler mit der Anzahl der Reifen passiert war, doch das schien ihn nicht zu stören. Der Spaß war da!
Für den viermaligen Formel 1-Weltmeister ist das auch keine reine PR-Veranstaltung. Er sieht hier das fahrerische Können ohne künstliche Eingriffe. Dabei hat man lange Zeiten im Fahrzeug und muss sich zum einen mit den GT3-Spezialisten auseinandersetzen aber auch die Überholmanöver mit PS-schwächeren Fahrzeugen bewältigen. Nicht unerwartet kam daher die Ankündigung, dass er zu den 24h-Qualifiers (18./19. April 2026) wieder mit dabei ist.
Es könnte sein, dass dies das Ventil ist, was Verstappen gerade braucht, um wieder Energie für die Formel 1 zu entwickeln. Doch gleichzeitig baut er ein neues Programm auf, dass ihm viele zukünftige Optionen bietet.
Es ist nicht anzunehmen, dass Max Verstappen der Formel 1 den Rücken kehrt. Aber der GT3-Einsatz könnte ein Frühindikator für langfristige Planungen sein.





