Insgesamt weist die offizielle Übersicht der FIA Änderungen an 14 Bereichen des Autos aus. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine Anpassung an die besonderen Anforderungen des schnellen Stadtkurses, sondern um eine umfangreiche aerodynamische Weiterentwicklung des Formel-1-Autos.
Das Paket zieht sich praktisch durch das gesamte Fahrzeug. Überarbeitet wurden unter anderem Nase, Frontflügel und dessen Endplatten sowie die Verkleidungen der Vorderachse. Besonders umfangreich fallen die Änderungen am Unterboden aus. Bodenfläche, Kanten und Diffusor wurden neu gestaltet, um über einen möglichst großen Arbeitsbereich einen konstanteren aerodynamischen Lastgewinn zu erzielen.
Auch im hinteren Bereich des R26 hat Audi angesetzt. Änderungen gibt es an der Halo-Verkleidung und Motorabdeckung sowie an den Verkleidungen der Hinterradaufhängung und im Bereich der hinteren Bremsbelüftung. Hinzu kommen ein neuer Beam-Wing sowie Änderungen am Heckflügel und dessen Endplatten. Ziel ist es, die Luftströmung vom Frontflügel bis zum Heck des Autos als Gesamtpaket zu optimieren.
Für Audi ist dabei nicht allein der unmittelbare Zeitgewinn entscheidend. Das Team will insbesondere überprüfen, ob die auf der Strecke gemessenen Werte mit den Daten aus Windkanal und Simulation übereinstimmen. Teamchef Mattia Binotto zeigte sich nach den ersten Trainingsdaten zufrieden: Nach seiner Einschätzung arbeitet das Paket bislang so, wie Audi es erwartet hatte.
Baku – zwischen Altstadt und Vollgas
Um einen direkten Vergleich zu ermöglichen, verfolgte Audi im ersten Freien Training unterschiedliche Programme. Gabriel Bortoleto war bereits mit dem neuen Paket unterwegs, während Nico Hülkenberg zunächst die bisherige Spezifikation fuhr. Bortoleto belegte mit einer Zeit von 1:46.688 Minuten den zehnten Platz, Hülkenberg folgte mit 1:46.871 Minuten auf Position elf.Zum zweiten Training wurde auch Hülkenbergs R26 auf die neuen Komponenten umgerüstet. Die reinen Platzierungen lieferten allerdings noch keinen sichtbaren Leistungssprung. Bortoleto kam mit 1:45.794 Minuten auf Rang 14, Hülkenberg lag mit 1:45.854 Minuten nur 0,060 Sekunden dahinter auf Platz 15.
„Ich bin im ersten Freien Training mit der bisherigen Spezifikation gefahren, bevor ich für das zweite Training auf die neuen Teile gewechselt habe. Deshalb gab es viele Informationen zu sammeln und einiges für uns zu verstehen“, erklärte Hülkenberg. Die Trainings seien nicht völlig problemlos verlaufen, das grundlegende Bild bezeichnete der Deutsche jedoch als ermutigend.
Nun müsse Audi die gesammelten Daten über Nacht auswerten und einige Bereiche verbessern. „Wenn uns das gelingt, denke ich, dass wir konkurrenzfähig sein können“, sagte Hülkenberg.
Auch Bortoleto sprach von einem Testtag für das neue Paket. Audi habe umfangreiche Daten gesammelt, die nun analysiert werden müssten. Noch fehle dem R26 etwas Grip. Der Brasilianer verwies dabei auch auf die Bedingungen in Baku mit wenig Haftung und einer sehr staubigen Strecke.
Das Baku-Paket besitzt für Audi über das aktuelle Wochenende hinaus große Bedeutung. Es ist die erste größere aerodynamische Ausbaustufe seit dem Österreich-Grand-Prix in Spielberg. Gleichzeitig dient sie als wichtiger Test dafür, wie gut die Entwicklungswerkzeuge des neuen Formel-1-Projekts inzwischen funktionieren. Weitere Erkenntnisse über das Paket erwartet Audi auch bei den folgenden Rennen in Malaysia und Singapur.
Nach dem ersten Trainingstag steht deshalb weniger die Position in der Zeitenliste als die technische Auswertung im Mittelpunkt. Die erste entscheidende Nachricht für Audi ist positiv: Die bislang ausgewerteten Streckendaten deuten darauf hin, dass die neue Aerodynamik grundsätzlich mit den Erwartungen aus der Entwicklung übereinstimmt.





