Formel 1
30.03.2026
Aston Martin: Wo sind die Probleme und wie kommt man weiter?
„Das Rennen hier in Suzuka heute zu beenden, zeigt klare Fortschritte“, so der Spanier, der gerade frischgebackener Vater geworden ist, was ja eigentlich (laut Rennfahrer-Aberglaube) ein paar Zehntel kosten soll. „Es ist ein stark positiver Aspekt, den wir aus dem Wochenende mitnehmen sollten“, erklärte er weiter und bringt damit genau das zum Ausdruck, was oben beschrieben ist: sich gegenseitig Mut machen und auch kleine Fortschritte bewusst als Erfolg werten.
Auch der momentane Einsatzleiter, Mike Krack, gibt sich hoffnungsvoll: „Das Ziel heute war es, eine Renndistanz zu absolvieren. Das ist ein bedeutender Moment für das Team und unseren technischen Partner Honda bei ihrem Heimrennen.“
Beide betonen aber auch, dass immer noch die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit fehlt: „Es ist klar, dass das Leistungsniveau unseres Gesamtpakets noch weit von dem entfernt ist, wo es sein muss – wir müssen hart daran arbeiten, Verbesserungen zu liefern“, so zunächst Krack. Und Alonso weiß: „Auch wenn uns das Tempo fehlt, so war es wichtig wertvolle Kilometer zu sammeln.“
Man möchte nach und nach die Themen abarbeiten. Dazu zählt auch das ominöse Vibrieren im Auto, das laut Alonso zu Nervenschäden in der Hand führen könnte. „Bis Miami haben wir hier einen Schritt weiter gemacht und werden nicht mehr darüber reden. Zusammen mit Honda wollen wir so ein Unterthema in den Griff bekommen und abstellen“, gab Krack zu Protokoll.
Nicht ins Ziel kam dagegen Lance Stroll. Er musste das Rennen nach 30 Runden beenden. Der Kandier hatte trotzdem „Spaß am Rennen – auch wenn wir nicht konkurrenzfähig waren.“ Den Grund für den Ausfall konnte man zunächst nicht klar mitteilen. Später gab man bekannt, dass es ein Problem mit dem Wasserdruck am Verbrennungsmotor gewesen sei. Auch Stroll gab die Geschwindigkeitsprobleme an. Klar, das war offensichtlich!
Aber wie kommt man nun aus dem Schlamassel raus? Die frische Partnerschaft von Aston Martin und Honda wird schon in der ersten Saison auf eine harte Probe gestellt. Schon Adrian Newey hatte früh darauf hingewiesen und angedeutet, dass er bei Honda kaum noch bekannte Strukturen oder Personen vorfindet. Gemeint war wohl, dass Honda sein Formel-1-Programm nach dem offiziellen Ausstieg 2021 stark zurückgefahren und später neu aufgebaut hat. Auch die zwischenzeitliche Motorenfertigung für Red Bull Racing in Japan konnte diese Lücke offenbar nicht vollständig schließen. Dachte sich Newey wohl!
Entscheidend ist jetzt vor allem eines: öffentliche Zurückhaltung. Weitere kritische Aussagen helfen weder der Zusammenarbeit noch der Außendarstellung. Für Honda war das Ergebnis beim Heimrennen in Suzuka ohnehin alles andere als zufriedenstellend. Die klare Linie lautet daher: Fokus auf die Arbeit. Prozesse stabilisieren, Kommunikation verbessern und das Projekt konsequent weiterentwickeln.
Aber der Motor und die rätselhaften Vibrationen sind sicher nicht das einzige Problem. Das neue Reglement mit dem komplexen Zusammenspiel von Verbrenner und elektrischen Systemen stellt viele Ingenieure in der Formel 1 vor große Herausforderungen. Einige Teams haben dafür bereits tragfähige Lösungen gefunden, andere arbeiten sich schrittweise heran.
Auch auf Fahrerseite herrscht teils noch Unsicherheit: Wann wird Energie optimal zurückgewonnen, wie wird sie effizient eingesetzt, und wie lässt sich das System konstant im idealen Betriebsfenster halten?
Bei Aston Martin F1 Team kann man derzeit ohne große Gegenwehr festhalten: Diese Abstimmung ist bislang nicht gelungen. Es fehlt an Verständnis, Konstanz und Systemeffizienz – und damit auch an der Grundlage, um regelmäßig bessere Ergebnisse einzufahren.
Das ist kein kleines „Unterthema“. Offensichtlich ist man hier bislang noch keinen entscheidenden Schritt weitergekommen. Möglicherweise helfen nun zusätzliche Daten sowie die Zeit bis zum 1. Mai 2026 in Miami, um ein klareres Bild zu gewinnen.
Die nächste Frage ist, wie es auf der Position des Teamchefs weitergeht. Wird Jonathan Wheatley tatsächlich hinzustoßen oder nicht? Damit verbunden ist unmittelbar das Thema Know-how, das er bei Audi im Aufbau des Formel-1-Projekts gesammelt hat. Dort dürfte man wenig Interesse daran haben, dass dieses Wissen unmittelbar in ein Konkurrenzteam abfließt.
Unabhängig davon gilt: Auch ein erfahrener Manager wird die grundlegenden Defizite nicht kurzfristig beheben können. Die Probleme liegen tief im technischen Gesamtpaket und in den Prozessen. Das deckt sich mit der Einschätzung von Fernando Alonso, der in Japan bereits klargestellt hat: „Das wird auch bei den nächsten zehn Rennen so weitergehen – mal etwas besser, mal etwas schlechter.“
Die Personalie könnte mittelfristig Struktur und Richtung geben, kurzfristig aber kaum den entscheidenden Unterschied machen.
Was kann man nun tun? Die Verantwortlichen rund um Aston Martin wissen selbst am besten, dass jetzt Ruhe gefragt ist – und man die Abstimmung mit Honda noch einmal verstärken muss. Jeder im Projekt muss seinen Beitrag leisten, um das Gesamtpaket voranzubringen. Es geht nicht nur um den Motor, sondern um das gesamte Fahrzeug.
Themen wie Vibrationen, Wasserdruck oder thermische Stabilität sind keine Nebensächlichkeiten, sondern zentrale Baustellen. Entscheidend wird sein, in kleinen, strukturierten Schritten vorzugehen: Fehler systematisch identifizieren, priorisieren und abstellen. Erst dann lässt sich die Lücke zum Mittelfeld schrittweise schließen.
Und wer weiß? Manchmal geht es in der Formel 1 doch schneller als vermutet. Vielleicht gelingt es Aston Martin, bis zur Mitte des Jahres die Wende zu schaffen?






