DTM
14.09.2026
Rainer Dörr: „Das war wirklich außergewöhnlich“
Im ersten freien Training am Freitagmorgen auf dem Sachsenring fuhr Ben Dörr auf die siebte Position, Timo Glock erreichte den 15. Platz. Am Nachmittag war Dörr Achtschnellster, Glock wurde erneut als Fünfzehnter klassiert. Auf der reifenmordenden Strecke warteten die Fahrer im ersten Qualifying bis gegen Ende der Session, um auf Zeitenjagd zu gehen. Gut drei Minuten vor Schluss wurde das Qualifying wegen eines Unfalls jedoch mit der roten Flagge unterbrochen. Bis dahin war Ben Dörr auf der neunten Position klassifiziert, Timo Glock auf der sechzehnten. Die Entscheidung musste innerhalb der letzten drei Minuten des Qualifyings fallen. Beide Doerr McLaren Fahrer brachten ihre Reifen nicht mehr optimal auf Temperatur: Ben Dörr qualifizierte sich schließlich als Fünfzehnter, Teamkollege Timo Glock landete eine Position dahinter. Für das Rennen war also eine Aufholjagd angesagt.
Das Samstagsrennen startete bei idealen Bedingungen und trockenem Wetter. Dennoch kam es gleich nach dem Start zu mehreren Kollisionen, die eine Safety-Car-Phase erforderlich machten. Zu den Leidtragenden zählte Timo Glock. Sein McLaren 720S GT3 Evo wurde heftig getroffen. Auch das Auto seines Teamkollegen Ben Dörr wurde in Mitleidenschaft gezogen. Während der McLaren Junior jedoch auf der Strecke blieb, musste Glock seinen stark beschädigten Rennwagen an der Box abstellen. „Alle Frontsplitter waren zerstört. Es machte für Timo keinen Sinn, weiterzufahren", erklärte Doerr GT3-Projektleiter Volker Strycek. Das Rennen wurde wieder freigegeben. Nach harten Positionskämpfen bog Ben Dörr zum ersten Pflichtstopp in die Boxengasse ab. Nach nur 6,9 Sekunden Standzeit ging er wieder zurück auf die Strecke. Nachdem alle Fahrer ihren Stopp absolviert hatten, wurde der McLaren Junior Driver zunächst auf dem 15. Platz geführt. Mit hohem Einsatz arbeitete er sich Position um Position nach vorne. Bei einem besonders spektakulären Überholmanöver presste sich Ben Dörr sogar mit zwei Rädern auf dem Gas am Streckenrand fahrend an einem Konkurrenten vorbei. Der zehnte Rang im Ziel und hart erkämpfte drei Meisterschaftspunkte waren der verdiente Lohn.
Am Sonntag präsentierte sich Ben Dörr im Qualifying mit seinem Doerr McLaren 720S GT3 Evo in Topform. Bei feuchter Strecke belegte er zunächst den dritten Platz. Im Verlauf des Qualifyings wurde die Strecke jedoch immer rutschiger. Am Ende hatte Dörr die viertschnellste Zeit im Qualifying erzielt. Sein Teamkollege Glock ging von Position 13 ins Rennen. Auch vor dem Rennen war der 3,671 Kilometer lange Sachsenring noch feucht. Die Frage für Fahrer und Teamtaktiker lautete: Auf eine abtrocknende Strecke setzen und profillose Slicks montieren lassen? Oder mit Regenreifen auf Nummer Sicher gehen? Das Fahrerduo von Doerr Motorsport wählte beide Optionen: Ben Dörr startete mit Slicks, Timo Glock mit profilierten Reifen. Der Start verzögerte sich um zehn Minuten, aufkommender Wind trocknete den Asphalt zusätzlich.
Ben Dörr erwischte einen guten Start und lag zunächst auf dem dritten Platz. Timo Glock stürmte trotz einer Rangelei auf den ersten Metern auf den sechsten Platz nach vorne. Jetzt wurde die Strecke von Minute zu Minute trockener. Während die Regenreifen von Timo Glocks spürbar abbauten, ging der Slick-bereifte Ben Dörr in Führung und fuhr mit der schnellsten Rennrunde der Konkurrenz auf und davon. Timo Glock bog früh zum ersten Pflichtboxenstopp ab und wechselte auf Slicks. Ben Dörr dagegen zögerte seinen ersten Stopp so lange wie möglich heraus und baute seinen Vorsprung auf zwischenzeitlich über dreizehn Sekunden aus. Auch nach seinem Boxenstopp, bei dem ihn die Mechaniker in hervorragenden 6,7 Sekunden abfertigten, kehrte er als Führender wieder auf die Strecke zurück.
Der zweite Stopp funktionierte bei Timo Glock mit 6,9 Sekunden sehr gut. Ben Dörr stand 7,2 Sekunden und verteidigte erneut die Führung. Eine erste Safety-Car-Phase ließ den Vorsprung auf Wagenlänge zusammenschmelzen. Für drei verbleibende Runden wurde das Rennen zunächst neu gestartet. Ben Dörr konnte dabei nervenstark seine Führung behaupten. Doch eine zweite Safety-Car-Phase mischte die Karten noch einmal neu. Nur eine Rennrunde blieb übrig. Ben Dörr behielt erneut einen kühlen Kopf, blieb an der Spitze und feierte seinen vielumjubelten zweiten DTM-Sieg. Der 21-Jährige wurde außerdem von den TV-Zuschauern zum „Driver of the Day" gewählt. Routinier Timo Glock wurde schließlich auf Position 15 gewertet.
„Was Ben an Schnelligkeit und vor allem Nervenstärke gezeigt hat, war wirklich außergewöhnlich. Wir sind alle ungeheuer stolz", freute sich Rainer Dörr, Gründer und Inhaber der Doerr Group. Ben Dörr fasste seine Freude so zusammen: „Ich bin einfach nur sprachlos. Vielen Dank an das Team, das mir so ein tolles Auto vorbereitet hat. Die Entscheidung, mit Slick-Reifen bei der anfänglich nassen Strecke zu pokern, war goldrichtig." Das Finale der DTM geht vom 9. bis 11. Oktober 2026 auf dem Hockenheimring über die Bühne.





