Im Gegensatz zu den über mehrere Läufe ausgetragenen Europameisterschaften fällt die Entscheidung auf WM-Ebene an nur einem Wochenende. Ein Fehler im Zeittraining, eine Kollision im Vorlauf oder eine Strafe kann deshalb bereits das Ende aller Titelhoffnungen bedeuten.
Le Mans bildet die Bühne für die Schaltkart-Elite
Den Auftakt macht vom 17. bis 20. September 2026 der Kartódromo von Le Mans. Auf der französischen Strecke wird der offizielle FIA-Karting-Weltmeistertitel in der KZ vergeben. Gleichzeitig finden dort der FIA Karting World Cup der KZ2 und der International Masters’ Super Cup für die KZ2 Masters statt. Der FIA-Kalender unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen der Weltmeisterschaft der KZ und den Cup-Prädikaten der beiden weiteren Kategorien. FIA-Karting-Kalender 2026In der KZ führt bei der Favoritensuche kaum ein Weg an Emilien Denner (FR/Formula K SRP Factory Team) vorbei. Der Franzose gewann Anfang Juli in Sarno nicht nur das Finale, sondern sicherte sich mit einer eindrucksvollen Aufholjagd auch den Europameistertitel. Als Lokalmatador dürfte er in Le Mans zusätzlich motiviert sein. Allerdings ist die Konkurrenz groß: Vize-Europameister Danilo Albanese (IT/KR Motorsport) gehört ebenso zum engsten Favoritenkreis wie Victor Gustafsson (SW/CRG Racing Team), der die EM auf Rang drei beendete.
Ebenfalls ganz oben auf der Rechnung steht Senna van Walstijn (NL/CPB Sport). Der Niederländer reist als amtierender KZ-Weltmeister nach Frankreich und weiß somit genau, wie man ein solches Entscheidungsrennen gewinnt. Zu den weiteren Kandidaten zählen Giuseppe Palomba (IT/Maranello Kart), Matteo Spirgel (FR/Sodikart) und Jean Nomblot (FR/Sodikart). Gerade in der KZ kann neben der reinen Geschwindigkeit auch die Erfahrung entscheidend sein. Ein perfekter Start, taktisches Geschick und der richtige Umgang mit den Reifen spielen bei der Vergabe des Titels eine große Rolle. Van Walstijns WM-Triumph 2025
KZ2: Ein World Cup mit WM-Niveau
Die KZ2 tritt in Le Mans nicht um einen offiziellen Weltmeistertitel an. Die FIA schreibt für die Klasse einen World Cup aus. Sportlich steht die Veranstaltung einer Weltmeisterschaft allerdings kaum nach: Bis zu 144 Fahrer können zugelassen werden, und zahlreiche Werksteams sowie internationale Spitzenpiloten werden erwartet.Als erster Anwärter gilt Kimi Tani (LA Motorsport). Der Finne dominierte das EM-Finale in Sarno und sicherte sich dort gleichzeitig den Europameistertitel. Seine Stärke über das gesamte Wochenende hinweg macht ihn auch in Le Mans zu einem der Fahrer, die es zu schlagen gilt.
Direkt dahinter wartet Matheus Morgatto (BR/CPB Sport). Der Brasilianer beendete die Europameisterschaft als Zweiter und verfügt bereits über große Erfahrung bei internationalen Entscheidungsrennen. Genis Civico Espona (ES/Tony Kart Racing Team), Sem Knopjes (NL/Birel Art Racing) und der Deutsche Maximilian Schleimer (Tony Kart Racing Team) zeigten ebenfalls, dass sie jederzeit um die Spitze kämpfen können.
La Conca übernimmt die WM für OK und Junior
Die Weltmeisterschaft der Direktantriebsklassen findet vom 5. bis 8. November 2026 auf dem World Circuit La Conca im süditalienischen Muro Leccese statt. Ursprünglich war eine Austragung in Bahrain vorgesehen, Ende Juli verlegte die FIA die Veranstaltung jedoch nach Italien. In La Conca werden die offiziellen Weltmeistertitel der Klassen OK und Junior vergeben.In der OK geht Noah Baglin (GB/KR Motorsport) als einer der klaren Favoriten ins Rennen. Der Brite wechselte nach seinem Junior-Weltmeistertitel 2025 in die nächsthöhere Klasse und setzte seine Erfolgsserie ohne lange Eingewöhnungszeit fort. Bereits beim EM-Auftakt in La Conca gewann er das Finale, ließ in Valencia einen weiteren Sieg folgen und krönte sich schließlich in Kristianstad zum Europameister. Die Rückkehr nach La Conca dürfte ihm daher besonders liegen.
Zu seinen stärksten Gegnern zählt Zac Drummond (GB/Fusion Motorsport), der Baglin während der Europameisterschaft lange unter Druck setzte und in Mülsen gewann. Auch Dean Hoogendoorn (NL/Parolin Motorsport), William Calleja (AU/Parolin Motorsport) und Niklas Schaufler (AT/DPK Racing) haben 2026 bereits bewiesen, dass sie auf höchstem Niveau siegfähig sind. Calleja entschied das EM-Finale in Kristianstad für sich, während Hoogendoorn dort als Dritter auf das Podium fuhr.
Spannend wird zudem, welche etablierten Piloten tatsächlich in La Conca antreten. Titelverteidiger Thibaut Ramaekers (BE/VDK Racing 2025) ist inzwischen in den Formelsport gewechselt. Sollte er zur Titelverteidigung noch einmal ins Kart zurückkehren, wäre er automatisch zu beachten. Auch der WM-Zweite des Vorjahres, Joe Turney (GB/KR Motorsport), und der damalige Dritte Lev Krutoholov (UR/Energy Corse) verfügen über die Erfahrung und Geschwindigkeit, um bei einem WM-Einzelrennen eine entscheidende Rolle zu spielen.
Will Green führt die Junior-Favoriten an
In der Junior-Kategorie trägt Will Green (GB/KR Motorsport) die Favoritenrolle. Der Brite dominierte die Europameisterschaft mit großer Konstanz, stand bei allen ersten drei Veranstaltungen auf dem Podium und sicherte sich den Titel bereits vor dem abschließenden Finale in Kristianstad. Als Mitglied der Williams Driver Academy zählt er zugleich zu den derzeit interessantesten Nachwuchsfahrern im internationalen Kartsport.Daniel Miron Lorente (ES/Fusion Motorsport) und Many Nuvolini (FR/KR Motorsport) gehören ebenfalls zum Kreis der Titelkandidaten. Beide waren Greens engste Verfolger in der Europameisterschaft. Nuvolini wird zudem im Nachwuchsprogramm des Mercedes-AMG Petronas F1 Teams gefördert.
Hinzu kommen Emerson MacAndrew-Uren (GB/Tony Kart Racing Team), der das EM-Finale in Schweden gewann, sowie Leon Chelidze (GE/Forza Racing), Zack Zhaoqi Zhu (FR/VictoryLane Karting) und Gioele Girardello (IT/Parolin Motorsport). Gerade die Junior-Klasse ist traditionell schwer vorherzusagen: Viele Fahrer befinden sich mitten in einer starken Entwicklung und können innerhalb weniger Wochen einen deutlichen Leistungssprung machen. Entscheidung der Europameisterschaft 2026
Zwei Wochenenden, vier große Entscheidungen
Die offiziellen FIA-Karting-Weltmeistertitel 2026 werden somit in drei Klassen vergeben: KZ in Le Mans sowie OK und Junior in La Conca. Der KZ2 World Cup ist formal keine Weltmeisterschaft, besitzt aufgrund seiner internationalen Besetzung und des einmaligen Entscheidungsformats aber nahezu den gleichen sportlichen Stellenwert.Auf dem Papier gehen die Europameister Emilien Denner (FRA/Formula K SRP Factory Team), Noah Baglin (GB/KR Motorsport) und Will Green (GB/KR Motorsport) ebenso als Favoriten in ihre Rennen wie KZ2-Europameister Kimi Tani (FI/LA Motorsport) in den World Cup. Doch gerade die Geschichte der Kart-Weltmeisterschaften zeigt, dass sich Favoritenrollen schnell relativieren können. Am Ende zählen nicht die über eine Saison gesammelten Punkte, sondern vier nahezu fehlerfreie Tage – und ein perfektes Finale.





