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Automobilsport
11.08.2026

Renee Gracie: Vom Motorsport-Talent zur ungewöhnlichen Comeback-Geschichte

Renee Gracie (05. Januar 1995 in Kuraby, Australien) gehört zu den ungewöhnlichsten Persönlichkeiten des australischen Motorsports. Ihre Karriere begann früh im Kartsport, führte sie über den Porsche Carrera Cup Australia und die Dunlop Series bis zum legendären Bathurst 1000. In der Saison 2015 und 2016 schrieb sie dort gemeinsam mit Simona de Silvestro Motorsportgeschichte. Doch nur wenig später war ihre erste Karriere beendet.

Für sechs lange Jahre sollte der Motorsport keine aktive Rolle mehr in ihrem Leben spielen: "Zu diesem Zeitpunkt tatsächlich glaubte ich, dass ich meine Leidenschaft für den Motorsport verloren habe", so die 31-Jährige rückblickend. Aber das war nicht der Fall. Mit zunehmendem Erfolg abseits der Rennstrecke begann Gracie, ihre frühere Motorsportkarriere aus einer anderen Perspektive zu betrachten. „Heute weiß ich, dass dieser Funke tief in mir nie erloschen ist.“

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In den Jahren baute sich Gracie eine neue berufliche Existenz auf und wurde über OnlyFans international bekannt. Gleichzeitig entstand eine große Fangemeinde, die sie immer wieder zur Rückkehr auf die Rennstrecke ermutigte. 2023 saß sie schließlich wieder in einem Rennwagen. Heute ist aus dem Comeback eine zweite Motorsportkarriere geworden. Und das erfolgreich, wie wir später noch sehen werden.
Bildergalerie Renee Gracie in der GT World Challenge Australia von 2023 bis 2026

Mit zwölf Jahren ins Kart

Renee Gracie wurde am 5. Januar 1995 in Queensland, Australien, geboren. Wie sie immer wieder betont, begann sie im Alter von 12 Jahren mit dem Kartsport. Das legte den Grundstein für ihre Leidenschaft. "Der Motorsport wurde zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens", erklärte sie in einem TV-Interview in der Saison 2015 im Alter von 20 Jahren. 
 

Über den Porsche Carrera Cup in den Tourenwagensport

2013 gelang Gracie der Schritt vom Kartsport in den Automobilsport. Sie startete im Porsche Carrera Cup Australia im Team von McElrea Racing und machte sich dort als junge Rennfahrerin schnell einen Namen. 2014 zeigte sie eine kontinuierliche Entwicklung und sammelte weitere Erfahrungen im Feld der leistungsstarken Porsche-Rennwagen. Der nächste Schritt folgte 2015 mit dem Wechsel in die Dunlop Series, die damalige Nachwuchsmeisterschaft unterhalb der australischen Supercars. Gracie trat für Paul Morris Motorsport an und fuhr einen Ford Falcon. Doch richtige Erfolge oder Siege gab es noch nicht.
 

Bathurst 1000: Motorsportgeschichte mit Simona de Silvestro

2015 erhielt Renee Gracie ihre große Chance beim Bathurst 1000. Gemeinsam mit der Schweizer Rennfahrerin Simona de Silvestro bildete sie eine rein weibliche Fahrerpaarung. Das war beim traditionsreichen Langstreckenklassiker auf dem Mount Panorama etwas Besonderes. Gracie und de Silvestro waren die erste rein weibliche Fahrerpaarung beim Bathurst 1000 seit 1998.

Der Nissan Altima des Duos erreichte das Ziel auf Rang 21. Für Gracie war es dennoch ein wichtiger Meilenstein ihrer Karriere: Sie hatte auf einer der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt ihr Debüt beim bedeutendsten australischen Tourenwagenrennen gegeben. 

2016 kehrte das Duo zurück. Dieses Mal lief das Rennen deutlich besser und sie kamen auf Platz 14 ins Ziel.  
 

2016: Erste Zweifel

Zwar sah sie den Motorsport als Teil ihres Lebens, wie sie im Interview berichtete, doch sie merkte auch, dass es nicht ganz richtig war. Die Wahrnehmung hinter den Kulissen änderte sich.  "Ich hatte zunehmend das Gefühl, als Frau anders behandelt zu werden als meine männlichen Kollegen. Insbesondere mein Aussehen hat dabei eine Rolle gespielt." Man erwartete von ihr keine Ergebnisse auf der Rennstrecke aber andere Dinge sollte sie bevorzugt behandeln: "Von mir wurde deutlich mehr Medienarbeit erwartet. Ich wurde über Jahre wegen meines Aussehens und meiner Erscheinung anders behandelt als die Männer.“

Dieser Druck führte dann dazu, dass sich ihre Liebe zum Racing verönderte: "Ich merkrte, dass ich meine Leidenschaft für den Sport verlor. Denn es ging irgendwann nicht mehr nur ums Rennfahren.“
 

Der Rückzug 2017

So war es dann irgendwann intern nicht mehr überraschend, dass sie 2017 ihre professionelle Motorsportkarriere beendete. Im nachhinein müsste man noch ergänzen... vorläufig beendete.
Für die damals erst 22-Jährige war dies ein bemerkenswerter Einschnitt. Wenige Jahre zuvor hatte der Rennsport noch einen großen Teil ihres Lebens ausgemacht. Nun zog sie sich vollständig zurück.


Ein neues Leben abseits der Rennstrecke

Fortan begann sich Gracie auf ein völlig anderes Geschäftsfeld zu konzentrieren. Sie wurde als Creatorin auf der Plattform OnlyFans erfolgreich und baute sich dort innerhalb weniger Jahre eine erhebliche Reichweite und eine große Fangemeinde auf. "Hier konnte ich eine wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein neues Selbstbewusstsein entwickeln. Im Nachheinin war das vollkommen richtig so."

Wahrscheinlich kann jeder Rennfahrer den Gedanken nachvollziehen: Eine budgetmäßige Unabhängigkeit ist der beste Weg zum Erfolg.
 

2023: Der Funke war nie erloschen

Mit zunehmendem Erfolg abseits der Rennstrecke begann Gracie, ihre frühere Motorsportkarriere aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sie erkannte, dass sie den Rennsport nicht wirklich aufgegeben hatte. Vielmehr hatte sie sich von den Umständen entfernt, unter denen sie ihre erste Karriere erlebt hatte. „Jetzt weiß ich, dass dieser Funke tief in mir nie erloschen ist.“

Gerade Ihre Begleiter bei OnlyFans ermutigten sie: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich ohne meine Fans niemals zum Rennsport zurückgekehrt wäre.“

Gracie wollte allerdings nicht einfach in das alte System zurückkehren. Sie wollte selbst bestimmen, wie ihre zweite Motorsportkarriere aussehen sollte. „Keine Manager, keine Teams, die mir sagen, was ich tun soll.“ Ihr Ziel war es, wieder das zu tun, was ursprünglich der Grund für ihren Einstieg in den Motorsport gewesen war: Rennen zu fahren und dabei Spaß zu haben.

Und so war es 2023 sschließlich so weit. Renee Gracie kehrte in den professionellen Motorsport zurück. Ihr Comeback erfolgte in der GT World Challenge Australia. Sie ging mit einem Audi R8 LMS GT3 an den Start, der aufgrund der Finanzierung und ihrer neuen beruflichen Identität auch optisch unübersehbar mit ihrer OnlyFans-Marke verbunden war.

Gracie selbst beschrieb den Wiedereinstieg später mit einem einfachen Vergleich: Es sei wie Fahrradfahren – wenn man es einmal gelernt habe, vergesse man es nicht.
Natürlich habe sie einige Dinge wieder neu lernen müssen. "Doch bereits nach den ersten Runden im Rennwagen wusste ich, dass ich wieder am richtigen Ort war. Die Rennstrecke war der Ort, an den ich gehöre.“
 

Vom Comeback zum sportlichen Erfolg

Die Rückkehr war nicht nur eine PR-Geschichte. Gracie entwickelte sich auch sportlich weiter. 2023 gewann sie den GT Trophy Cup. Damit war bereits in ihrer ersten Comeback-Saison klar, dass sie nicht ausschließlich wegen der Aufmerksamkeit zurückgekehrt war. Ihr Ziel war es Erfolg zu haben. 2025 gewann sie den Am Cup der GT World Challenge Australia.
 

2026: Der nächste Schritt mit Ferrari

Für 2026 folgte der nächste große Schritt. Gracie wechselte in der GT World Challenge Australia vom Audi R8 LMS GT3 EVO II zum Ferrari 296 GT3 und trat in der Pro-Am-Kategorie an.
Als Teamkollegen erhielt sie einen der erfahrensten australischen Rennfahrer: Will Davison. Der ist zweifacher Sieger des Bathurst 1000 und gehört seit vielen Jahren zu den etablierten Größen des australischen Motorsports. Für Gracie bedeutete die Kombination aus Ferrari 296 GT3 und einem erfahrenen Profi eine neue sportliche Perspektive. Das Duo tritt mit dem #181 Ferrari an.
Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Beim Saisonlauf in Queensland Raceway gelang Gracie und Davison der erste Gesamtsieg. Gracie legte mit ihrem ersten Stint die Grundlage für den Erfolg, anschließend brachte Davison den Ferrari ins Ziel.Für Gracie war es ein besonderer Erfolg: Ausgerechnet in Queensland, ihrer Heimatregion, konnte sie nach ihrer Rückkehr einen Gesamtsieg feiern.

In der Pro-AM-Klasse liegt Gracie nach acht Rennen in der Saison 2026 auf dem siebten Platz. Die Rennen in Sydney (18. bis 20. September 2026) und Adelaide (26. - 29. November 2026) stehen noch an.


Was Renee Gracie anderen Frauen rät

Gracie sieht ihre Geschichte auch als Beispiel für Frauen, die einen Einstieg in den Motorsport suchen. Ihr Rat ist eindeutig: „Mach, was du willst, und lass dir von niemandem etwas in den Weg stellen.“ Ihre eigene Karriere zeigt dabei, wie unterschiedlich ein Weg im Motorsport verlaufen kann. Gracie schaffte als Jugendliche den Aufstieg in den professionellen Rennsport, fuhr beim Bathurst 1000, verlor anschließend den Bezug zu ihrer Karriere, verließ den Sport für sechs Jahre und fand schließlich über einen völlig anderen beruflichen Weg zurück auf die Rennstrecke.

Eine beeindruckende Geschichte, die jedem Hoffung machen kann, der glaubt den richtigen Weg verloren zu haben. Manchmal nutzt ein längere Auszeit, um wieder den richtigen Fokus zu erhalten. 
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