24h Le Mans
15.06.2026
Julian Hanses: „Das Racing war einfach überragend”
Schon die Tage vor dem Rennen hinterließen bei Hanses bleibenden Eindruck. Der 28-Jährige sammelte beim Test und in den Trainings erste intensive Erfahrungen auf dem 13,626 Kilometer langen Circuit des 24 Heures. Besonders die Nachtfahrten im dichten Multiclass-Verkehr sorgten für Gänsehaut. „Le Mans war die schönste Motorsport-Erfahrung, die ich bisher im Racing hatte“, fasste Hanses zusammen. „Die Strecke, das Umfeld, das Niveau – das war einfach unglaublich. Genau dieses Multiclass-Racing im Dunkeln ist das, was ich liebe.“
Sportlich begann das Wochenende vielversprechend. Das Fahrertrio qualifizierte den Mercedes-AMG LMGT3 für die Hyperpole und ging aus dem vorderen Mittelfeld der stark besetzten LMGT3-Kategorie ins Rennen. Nach einem guten Start entwickelte sich für Team Qatar by Iron Lynx zunächst ein konkurrenzfähiger Lauf. Hanses übernahm das Fahrzeug in einer starken Phase und fuhr das Team in der Nacht zwischenzeitlich bis auf Rang zwei der Klasse nach vorne.
Über weite Strecken bewegte sich die Startnummer 62 im Bereich der Top-Fünf. In einem hochprofessionellen Feld mit zahlreichen Werksfahrern und international erfahrenen GT-Spezialisten zeigte Hanses eine fehlerfreie Leistung und überzeugte mit starker Pace. „Auf diesem Niveau zu fahren, ist etwas ganz Besonderes. Jeder weiß genau, was er tut, die Autos sind teilweise Zentimeter nebeneinander unterwegs – aber alles auf einem extrem hohen Level“, erklärte Hanses. „Das Racing war einfach überragend.“
Der entscheidende Rückschlag folgte am frühen Sonntagmorgen. Aufgrund eines Problems mit einem Befestigungselement musste der Mercedes-AMG LMGT3 außerplanmäßig länger an der Box abgestellt werden. Rund zehn Runden gingen dabei verloren, wodurch das Team aus dem Kampf um ein Top-Ergebnis zurückfiel. Dennoch entschied sich die Mannschaft, das Rennen fortzusetzen und den Le-Mans-Auftritt sauber zu Ende zu bringen.
„Natürlich war das bitter, weil wir bis dahin sehr gut im Rennen lagen und die Pace hatten, um vorne mitzufahren“, so Hanses. „Aber Le Mans ist ein 24-Stunden-Rennen. Es geht auch darum, nach Rückschlägen weiterzumachen, das Auto ins Ziel zu bringen und diese Erfahrung mitzunehmen. Für die vielen Fans und für Katar, das hinter diesem Projekt steht, war es wichtig, die Zielflagge zu sehen.“
Am Ende überwog trotz des verpassten Spitzenresultats der Stolz auf einen besonderen Meilenstein. Für Hanses war der erste Start bei den 24 Stunden von Le Mans nicht nur sportlich, sondern auch emotional ein Höhepunkt. Bereits als Kind hatte er das Rennen gemeinsam mit seinem Vater verfolgt, nun stand er selbst am Start des traditionsreichsten Langstreckenrennens der Welt.
„Dieses Event ist schwer in Worte zu fassen. Mein Handy stand nach dem Rennen nicht mehr still, so viele Nachrichten kamen rein“, sagte Hanses. „Ich habe versucht, alles aufzusaugen. Le Mans ist die geilste Strecke, auf der ich je gefahren bin. Auch wenn das Ergebnis nicht zeigt, was möglich gewesen wäre, nehme ich unglaublich viel mit. Ein großer Dank an Iron Lynx, Team Qatar und Mercedes-AMG für die Unterstützung an diesem Wochenende.“





