Freitag, 23. Januar 2026
MXL täglich aktuell
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Sportwagen Allgemein
20.12.2025

Christoph Sagemüller: „2026 ist mehr denn je mit uns zu rechnen“

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Für Mercedes-AMG Motorsport war es ein intensives, emotionales und zugleich besonderes Jahr. Neben sportlichen Erfolgen und Herausforderungen prägte das 15-jährige Bestehen des Mercedes-AMG Kundensportprogramms das Jahr. Weltweit absolvierten rund 100 Kundensportteams mit Mercedes-AMG GT3, GT2 und GT4 bei 435 Rennen insgesamt 1.368 Rennstarts. Die Bilanz: 61 Siege, 209 Podestplätze, 50 Meistertitel sowie 3 Gesamtsiege und 15 Klassensiege bei Langstreckenrennen.

Über das sportliche Geschehen hinaus prägten zahlreiche Meilensteine und strategische Entwicklungen das Jahr. Im Interview spricht Christoph Sagemüller, seit 2021 Leiter Mercedes-AMG Motorsport, über sein Fazit, besondere Momente und den Blick nach vorne.
Wenn man die Statistiken betrachtet: Wie fällt Dein Fazit für das Motorsportjahr 2025 aus?
„2025 war ein extrem intensives Jahr, in dem wir einige Höhen, aber leider auch ein paar Tiefen erlebt haben. Natürlich erfreuen wir uns in erster Linie an den Erfolgen: der 16. DTM-Herstellertitel, womit Mercedes-AMG weiterhin der erfolgreichste Hersteller dieser weltweit renommierten und prestigeträchtigen Serie ist. Dazu kommt die Titelverteidigung aller drei GTD-Meisterschaften in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship in den USA. Besonders stolz sind wir darauf, zum siebten Mal in Folge den interkontinentalen Herstellertitel der GT World Challenge nach Affalterbach geholt zu haben. Das ist seit Einführung der Wertung 2019 keinem anderen Hersteller gelungen. Weitere Titelgewinne in der International GT Open, der British GT, aber auch in Asien in der Super GT und Super Taikyu unterstreichen die globale Stärke unseres Programms. Auch unsere Teams, die den Mercedes-AMG GT2 und den Mercedes-AMG GT4 eingesetzt haben, waren sehr erfolgreich und konnten verschiedene Titel holen. Blickt man auf die weiteren Säulen von Mercedes-AMG Motorsport, gelang es uns in der Formel 1 beim Saisonfinale in Abu Dhabi den zweiten Platz in der Teamwertung zu sichern. Und auch im virtuellen Motorsport war die Mercedes-AMG Motorsport Virtual Championship Season One mit über 275.000 Teilnehmern weltweit ein voller Erfolg. Gleichzeitig mussten wir jedoch auch einige herbe Rückschläge verkraften. Allen voran den schwierigen Start in der FIA WEC, gefolgt von den enttäuschenden Ergebnissen bei den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und in Spa. Besonders schmerzlich war der Ausgang der DTM-Saison: Lucas Auer punktete als einziger Fahrer in jedem Rennen, führte die Meisterschaft nach jedem Rennwochenende und verlor den Titel dennoch im entscheidenden Lauf chancenlos – das beschäftigt mich bis heute und sorgt weiterhin für großes Unverständnis. In der GT World Challenge Europe und America wurden wir Vizemeister. Das ist ein gutes Ergebnis, entspricht aber nicht unserem Anspruch. Wir lernen aus unseren Fehlern, analysieren sie und wachsen daran. Unser Ziel ist es, ganz oben zu stehen. Diesen Anspruch leben wir jeden Tag – unsere Fahrer, unsere Teams, die gesamte World’s Fastest Family. 2026 ist daher mehr denn je mit uns zu rechnen.“
Abseits der Rennstrecke war 2025 ebenfalls ein ereignisreiches Jahr. Was war besonders prägend?
„Definitiv die Vielzahl an strategischen und organisatorischen Meilensteinen. Sehr fordernd war der Last-Minute-Entry in der FIA WEC gemeinsam mit unserem Team Iron Lynx. Die kurzfristige Umsetzung zusätzlicher technischer Anforderungen, etwa der Torque-Sensoren, mit denen wir bis dato keine Erfahrung hatten, war extrem anspruchsvoll. Gleichzeitig bedeutete dies die Rückkehr der Marke mit dem Stern nach Le Mans nach 26 Jahren. Dass wir die schwierige Saison im letzten Rennen mit einem zweiten Platz abschließen konnten, war ein wichtiges Signal, auf dem wir 2026 aufbauen wollen. Im April haben wir den Mercedes-AMG GT4 bis 2029 neu homologiert, ein etabliertes und sehr gefragtes Fahrzeug unseres Kundensportportfolios. Nahezu zeitgleich erfolgte die Auslieferung des 300. Mercedes-AMG GT3. Ein weiteres Highlight: In Monza haben wir im September den Mercedes-AMG GT2 Edition W16 vorgestellt, unser erstes Kundensportfahrzeug mit direktem Formel-1-Bezug, mit Kimi Antonelli als Paten. Auch der 500. Einsatz des Safety Car beim Formel-1-Grand-Prix in Austin im Oktober war ein besonderer Meilenstein und zeugt von einer langen und für AMG sehr bedeutenden Zusammenarbeit. Hinzu kamen neue Partnerschaften, unter anderem mit der Racing Force Group und ihren Marken OMP und Bell Helmets sowie mit adidas, mit denen wir bereits die erste gemeinsame Kollektion – die adidas Consortium for Mercedes-AMG Motorsport Collection – präsentiert haben. Eine aus meiner Sicht sehr coole Kollektion. Darüber hinaus wurde mit dem exklusiven Elite Racing Circle von GruppeM Racing, einem AMG Clubsport Programm für einen elitären Kreis von Motorsport-Enthusiasten, ein neues Kapitel aufgeschlagen, das in diesem Jahr seine ersten Veranstaltungen in Fuji und Suzuka feierte. Auch im Bereich Nachwuchsförderung haben wir uns beim ADAC Motorsport Team Germany und der SRO GT Academy engagiert, wo wir bereits jetzt einige Cockpit-Anfragen für die GT2 European Series powered by Pirelli 2026 haben.“
Der Blick nach vorn: Wie ist Mercedes-AMG Motorsport für 2026 aufgestellt?
„Die Basis unseres Kundensportprogramms ist sehr stabil, das macht mich enorm stolz. Wir gehen mit 13 Fahrern in die neue Saison – ein Kader, der durch Kontinuität, Erfahrung und zugleich neue Talente überzeugt. Ab Januar 2026 wird die Affalterbach Racing GmbH vollumfänglich operativ tätig sein und die Rolle des Entwicklungsdienstleisters übernehmen. An dieser Stelle möchte ich mich auch ausdrücklich bei der HWA AG für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bedanken. Mit Tigani haben wir einen neuen After-Sales-Partner für Australien und Neuseeland etabliert. Sportlich wollen wir wieder an unsere großen Erfolge anknüpfen: Wir wollen am Nürburgring und in Spa zurück an die Spitze, in den unterschiedlichen Rennserien bis zum Schluss eine faire Chance im Titelkampf haben und unsere weltweite Erfolgsserie weiter ausbauen. Und natürlich arbeiten wir intensiv an der Zukunft. Die Weiterentwicklung des Nachfolgers unseres Mercedes-AMG GT3 geht 2026 in die nächste entscheidende Phase.“
Anzeige