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ADAC GT4 Germany
19.12.2025

Springob über die Gründung, Gegenwart und Zukunft von COSY Racing by ESM

Im Verlauf der 2025er Saison debütierte COSY Racing by ESM in der ADAC GT4 Germany und konnte direkt mit starken Leistungen überzeugen. Jan Philipp Springob blickt auf die Teamgründung und die diesjährigen Rennen zurück und wagt einen Ausblick auf das kommende Rennjahr.
Zu dieser Saison habt ihr mit COSY Racing ein neues Team gegründet – wie kam es dazu und warum habt ihr euch für diesen mutigen Schritt entschieden?
„Dirk und ich kennen uns seit rund drei Jahren über das wöchentliche BNI-Unternehmerfrühstück. Anfang 2025 habe ich dort die Möglichkeiten und Vorteile einer Hauptpartnerschaft erläutert. Eine Woche später kam Dirk auf mich zu: „Ich habe mit meinem Bruder gesprochen – wir machen das.“ Unser Ziel war klar: ein Auftritt, der zu 100 % nach COSY Systeme aussieht und Aufmerksamkeit erzeugt. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen”
Die COSY Systeme GmbH ist ein Unternehmen aus dem IT-Bereich – warum hat es sich gerade für ein Engagement im Motorsport entschieden und wie sehr profitiert COSY von der reichweitenstarken DTM Plattform?
„Motorsport steht für Tempo, Zuverlässigkeit, Präzision und dem Verhindern von Ausfällen unter Druck. Und das Planbar – genau das liefert COSY. BCDR (Business Continuity Desaster Recovery) stellt nicht nur Daten, sondern auch ganze lauffähige Server im Crash-Fall schneller wieder her, als wir eine Runde auf der Rennstrecke fahren können. Ausfallzeit minimieren in jeder nur denkbaren Situation. Dabei symbolisiert „Hacker Kaito“ auf dem Auto, das auch ein Hacker-Angriff in kürzester Zeit behoben ist und das Unternehmen ohne nennenswerten Daten- und Arbeitszeitverlust weiterarbeiten kann. Auf der DTM-Plattform wollen wir Bekanntheit und Wertigkeit des Unternehmens steigern und eine adäquate Bühne für unser Leistungsversprechen nutzen. Da die Technologie von BCDR in der Weise wie die COSY es bieten, den meistens Unternehmen immer noch unbekannt ist.”
Als Einsatzteam habt ihr euch für EastSide Motorsport entschieden, die ja im Vorjahr mit dem Aston Martin auch ein Rennen in der ADAC GT4 Germany gewinnen konnten. Was zeichnet das Team für euch aus?
„Wir haben verschiedene Einsatzteams geprüft und uns aus mehreren Gründen für EastSide Motorsport entschieden: Der Fahrzeugeinsatz funktioniert auf Top-Niveau, zugleich gibt es eine sehr professionelle Gästebetreuung an der Strecke – das rundet das Projekt ideal ab. Zudem kenne ich Florian und Virginia seit Jahren und schätze ihre Arbeit. Sie gehören zu den wenigen im Paddock, die ihren Kunden und Partnern konsequent offen, ehrlich und transparent begegnen.”
Wie hattet ihr die Wartezeit vor dem ersten Einsatz auf dem Nürburgring überbrückt?
„Von „Überbrücken“ konnte keine Rede sein: Durch das Auslassen der ersten beiden Wochenenden hatten wir zwar mehr Puffer, aber die To-do-Liste war lang – vom ersten Designentwurf für Fahrzeug, LKW und Auftritt vor Ort bis zur finalen Umsetzung. Gleichzeitig konnten wir mehrere Tests fahren und das Auto besser verstehen. EastSide war mit dem Aston Martin zwar 2024 mit einem Sieg am Red Bull Ring erfolgreich, hatte aber auch set-up-seitige Herausforderungen. Vieles davon konnten wir vor unserem „ersten“ Wochenende aussortieren.”
Im August am Nürburgring war es dann endlich so weit, hättest du damit gerechnet, dass ihr direkt im Spitzenfeld der ADAC GT4 Germany mitkämpfen könnt?
„Das ist im Vorfeld schwer einzuschätzen. Wir hatten Vergleichswerte aus Tests und Rennwochenenden aus dem Vorjahr, aber die neue Reifenmischung hat die Prognose erschwert. Wir haben Top-Ergebnisse erhofft, vielleicht ein Stück weit erwartet – umso zufriedener waren wir, dass es direkt im Spitzenfeld funktioniert hat.”
Am Sachsenring und am Red Bull Ring hattest du die Pole-Positions einfahren können und in Österreich habt ihr ein Gesamtpodium einfahren können. Wie hat sich dies für dich angefühlt, dass ihr euch mit dem Team in so kurzer Zeit im Spitzenfeld der Serie etablieren konntet?
„Ein großartiges Gefühl, wenn sich harte Arbeit auszahlt. Gerade im Qualifying müssen Team, Fahrzeug und Fahrer perfekt zusammenspielen. Zwei Pole-Positions an aufeinanderfolgenden Wochenenden sind die beste Bestätigung dafür. Das Gesamtpodium in Spielberg war das i-Tüpfelchen.”
Du bist einer der erfahrensten GT4-Piloten im Feld der ADAC GT4 Germany, während Storm der jüngste Fahrer im Feld war. Wie lief die Zusammenarbeit mit ihm und konntest du ihm viel Wissen über den GT4-Sport und die Rennserie vermitteln oder war dies gar nicht nötig?
„Die Zusammenarbeit war sehr gut. Wir hatten viel Spaß – eine wichtige Grundlage für Erfolg. Storm setzt Feedback schnell um und ist angenehm selbstkritisch. Für sein Alter ist er bemerkenswert reif und bereits auf gutem Niveau. Die größte Herausforderung war, ihn ausschließlich über Testtage auf das erste Rennwochenende vorzubereiten – mit Platz sieben ist das sehr ordentlich gelungen.”
Wie sieht die Planung von COSY Racing by ESM 2026 aus? Die Einsätze 2025 waren für euch ja auch ein wichtiger Test unter Rennbedingungen für einen geplanten Angriff auf den Titel 2026.
„Das Projekt ist grundsätzlich startklar; nur die zweite Fahrerposition ist noch nicht final. Seit dem letzten Rennwochenende haben wir einiges angepasst, um uns weiter zu verbessern. Die positiven, wie auch die weniger guten Ereignisse aus 2025 wurden detailliert analysiert. Wir sind in vielversprechenden Gesprächen mit ein paar Fahrern und rechnen mit einer zeitnahen Entscheidung.”
Habt ihr mit COSY Racing by ESM auch langfristige Pläne? Bei der Präsentation des Teams hieß es, dass es Pläne gibt, das Team zukünftig auch im GT3-Sport im ADAC GT Masters und der DTM zu etablieren.
„Wir denken perspektivisch über den nächsten Schritt nach und sondieren verschiedene Optionen. Konkrete Entscheidungen hängen von mehreren Faktoren ab, unter anderem von Partnern, Ressourcen und den Rahmenbedingungen der Serien. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre alles Weitere Spekulation. Unser Fokus liegt nun erst einmal auf der sauberen und erfolgreichen Durchführung der anstehenden Saison, auch wenn wir bereits separat an zukünftigen Projekten arbeiten.”
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