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Sportwagen Allgemein
10.07.2024

Porsche Penske Motorsport tritt mit dem 963 erstmals in Brasilien an

Porsche Penske Motorsport will seine Führung in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft beim fünften Saisonlauf der WEC verteidigen. Erstmals seit zehn Jahren gastiert die Serie vom 12. bis 14. Juli wieder in Brasilien. Das Rennen im Autódromo José Carlos Pace in São Paulo führt über sechs Stunden. Das Werksteam setzt zwei 512 kW (696 PS) starke Porsche 963 ein. Die Kundenmannschaften Hertz Team Jota und Proton Competition gehen mit insgesamt drei weiteren Hybridprototypen aus Weissach in der Topkategorie Hypercar an den Start. In der LMGT3-Kategorie setzt Le-Mans-Klassensieger Manthey zwei Porsche 911 GT3 R ein.

Stuttgart. Porsche Penske Motorsport will in Südamerika an seine Stärke aus den ersten drei Saisonrennen anknüpfen. Der Sportwagenhersteller kehrt mit besten Erinnerungen nach Brasilien zurück: Vor zehn Jahren, beim bislang letzten WEC-Rennen in Interlagos, feierte das damalige Porsche Team den allerersten Sieg mit dem 919 Hybrid. Einen ähnlichen Erfolg peilt die Werksmannschaft am kommenden Wochenende an. Porsche geht als Führender in der Hersteller-Weltmeisterschaft an den Start, die Kundenmannschaft Hertz Team Jota und die Werkspiloten Kévin Estre aus Frankreich, André Lotterer aus Deutschland und Laurens Vanthoor aus Belgien stehen an der Spitze der Team- und Fahrerwertung.

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„Die Formel-1-Strecke in Interlagos nimmt in den Geschichtsbüchern von Porsche Motorsport einen besonderen Platz ein: Dort ging die unvergessene Erfolgsserie des Porsche 919 Hybrid so richtig los“, erinnert sich Thomas Laudenbach an den ersten Triumph mit dem dreimal in Le Mans siegreichen LMP1-Rennwagen. Der Leiter Porsche Motorsport ergänzt: „Ich bin sehr gespannt, wie sich unser Porsche 963 auf der traditionsreichen Strecke schlagen wird. Nach der Enttäuschung von Le Mans haben wir eine gründliche Analyse betrieben. Ab sofort müssen wir wieder das volle Potenzial unseres Autos ausschöpfen und ähnliche Ergebnisse einfahren, wie sie uns in den ersten drei Rennen des Jahres gelungen sind. Unser Ziel ist klar: Wir wollen Weltmeister werden. Dafür müssen wir in Brasilien möglichst maximal punkten.“

„Alle Teams und Hersteller der FIA WEC betreten mit ihren Fahrzeugen unbekanntes Terrain“, blickt Urs Kuratle, Leiter Werksmotorsport LMDh, voraus. „Wir können beispielsweise bezüglich Reifenverschleiß auf keine aktuellen Daten zurückgreifen. Entsprechend wichtig ist es, dass wir in den Freien Trainings viele Erkenntnisse gewinnen und diese schnell zur Optimierung des Setups nutzen. Die Strecke bietet von allem etwas: schnelle Passagen, enge Abschnitte sowie Steigungen und Gefälle. Ich gehe fest davon aus, dass wir um den Sieg mitkämpfen werden. Sehr gespannt bin ich darauf, wie uns die stets sehr enthusiastischen Motorsportfans in Brasilien empfangen werden.“

„Die Pause zwischen Le Mans und São Paulo war sehr kurz, aber das Team in Mannheim hat fantastische Arbeit geleistet und unsere Porsche 963 demontiert und neu aufgebaut“, so Jonathan Diuguid, Leitender Direktor Porsche Penske Motorsport. „Zwar waren einige unserer Fahrer und Team-Mitglieder schon einmal in Interlagos am Start, generell handelt es sich für uns aber um eine weitere neue Strecke im WEC-Kalender. Wir müssen also gut ausgeruht und mit frischem Ehrgeiz versuchen, schneller als unsere Konkurrenten das Beste aus den Bedingungen zu machen. Wir wollen unseren Vorsprung in den WM-Wertungen in Brasilien weiter ausbauen.“

Das 6-Stunden-Rennen vor den Toren der Millionenmetropole São Paulo findet auf dem Autódromo José Carlos Pace in Interlagos statt. Die 4,309 Kilometer lange Strecke war seit ihrem Bau im Jahr 1942 Schauplatz von 40 Grands Prix der Formel 1. Die FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft absolvierte zwischen 2012 und 2014 drei Läufe auf der permanenten Rennstrecke, die entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird.

Erstmals tritt die FIA WEC in São Paulo in einem Juli an. Während des Hochsommermonats in Mitteleuropa ist es im südamerikanischen Brasilien Winter. Im kältesten Monat des Jahres liegt die durchschnittliche Höchsttemperatur in Interlagos aber immer noch bei 23 Grad Celsius. Die Regenwahrscheinlichkeit ist statistisch erheblich geringer als bei den bisherigen Veranstaltungen im September (2012 und 2013) sowie im November (2014).


Die Porsche-Teams in der Übersicht

Hypercar (Porsche 963):
  • Porsche Penske Motorsport #5: Matt Campbell (AUS), Michael Christensen (DK), Frédéric Makowiecki (F)
  • Porsche Penske Motorsport #6: Kévin Estre (F), André Lotterer (D), Laurens Vanthoor (B)
  • Hertz Team Jota #12: Will Stevens (UK), Callum Ilott (UK), Norman Nato (F)
  • Hertz Team Jota #38: Jenson Button (UK), Phil Hanson (UK), Oliver Rasmussen (DK)
  • Proton Competition #99: Julien Andlauer (F), Neel Jani (CH)

LMGT3 (Porsche 911 GT3 R):
  • Manthey EMA #91: Yasser Shahin (AUS), Morris Schuring (NL), Richard Lietz (A)
  • Manthey PureRxcing #92: Alex Malykhin (UK), Joel Sturm (D), Klaus Bachler (A)


Fahrerstimmen vor dem Rennen

Michael Christensen (Porsche 963 #5): „Wir hätten in Le Mans liebend gern auf dem Podium gestanden. Leider ist uns das nicht geglückt. Wie macht man Enttäuschungen am besten vergessen? Ins Auto steigen, ein neues Rennen fahren und gewinnen! Ich reise zum ersten Mal nach São Paulo und bin sehr gespannt. Einige Teams waren bereits vor zehn Jahren schon einmal dort – aber nicht mit den aktuellen Autos und der neuesten Reifengeneration. Außerdem hat sich die Strecke innerhalb dieser Zeit sicherlich etwas verändert. Es gibt also viel Neues zu entdecken. Das ist gut.“

André Lotterer (Porsche 963 #6): „Ich war in der Anfangszeit der FIA WEC im LMP1-Auto von Audi in São Paulo unterwegs. 2013 habe ich sogar gewonnen, im Jahr zuvor stand ich als Zweiter auf dem Podium. Es ist schön, nun wieder dorthin zurückzukehren. Brasilien hat eine tolle Motorsportkultur. Von dort kommen sehr viele berühmte Fahrer. Die Fans sind immer gut drauf. Es macht sehr viel Spaß. Ich möchte gern noch einmal dort gewinnen – am liebsten am kommenden Wochenende gemeinsam mit meinen Kollegen Kévin Estre und Laurens Vanthoor sowie der gesamten Mannschaft. Wir wollen einen weiteren Schritt in Richtung Titel machen.“

Callum Ilott (Porsche 963 #12): „Sehr cool, dass wir den nächsten Lauf der Langstrecken-WM in Brasilien fahren. Interlagos ist eine ganz spezielle Strecke mit einer langen Geschichte. Die vielen begeisterten Fans leben und lieben Motorsport. Das Rennen wird bestimmt sehr spannend und ereignisreich, denn die Strecke ist recht schmal und herausfordernd. Die Fans dürfen sich vermutlich auf viel Action freuen – ich kann es auch kaum noch abwarten.“

Jenson Button (Porsche 963 #38): „Ich freue mich sehr auf die Rückkehr nach Interlagos. Auf dieser Strecke war ich vor acht Jahren zum letzten Mal, habe aber noch viele gute Erinnerungen daran – etwa, weil ich dort 2000 meine ersten Formel-1-Punkte mit einem sechsten Platz eingefahren habe, 2009 in São Paulo den F1-WM-Titel für mich entscheiden konnte und 2012 letztmals einen Grand Prix gewonnen habe. Das macht diesen Ort für mich persönlich so wichtig. Die brasilianischen Fans sind fantastisch leidenschaftlich, sie lieben Motorsport. Wir Fahrer mögen den flüssigen und sehr schnellen Kurs. In der Langstrecken-WM kommen durch die verschiedenen Fahrzeugklassen auf der Strecke zahlreiche Überholmanöver dazu. Das wird im positiven Sinne eine extreme Herausforderung.“

Neel Jani (Porsche 963 #99): „Vor genau zehn Jahren bin ich letztmals in São Paulo gefahren. Es war damals im LMP1-Auto ein unvergessliches Wochenende für mich und meine Kollegen Marc Lieb und Romain Dumas. Uns ist der allererste Sieg mit dem Porsche 919 Hybrid gelungen. Das sind ganz tolle Erinnerungen. Die Strecke hat ein sehr enges Infield. Besonders dort ist das Management des Überrundungsverkehrs schwierig. Wir hoffen, an unsere Leistung von Spa-Francorchamps anzuknüpfen. Le Mans war weniger gut, es soll wieder besser laufen.“

Richard Lietz (Porsche 911 GT3 R #91): „Ich gehöre zu denjenigen, die den Kurs in São Paulo schon kennen. Diese Erfahrung ist ebenso viel wert wie die Tatsache, dass wir vor einiger Zeit dort getestet haben. Das Auto und die Reifen werden enorm hohen Belastungen ausgesetzt. Auch für uns Fahrer wird es anstrengend – zum Beispiel, da wir gegen den Uhrzeigersinn fahren und somit mehr Linkskurven haben als sonst. Unser Klassensieg in Le Mans war großartig, allerdings bekommen wir nun als Führende in der Meisterschaft einiges an Erfolgsballast ins Auto. Das macht die Aufgabe in Interlagos noch schwieriger.“

Joel Sturm (Porsche 911 GT3 R #92): „Ich trete erstmals in São Paulo an, allerdings bin ich damit alles andere als allein. Für sehr viele Fahrer stellt die Strecke absolutes Neuland dar. Ich freue mich sehr darauf! Nach unserem Pech in Le Mans stehen wir in der Meisterschaft nicht mehr ganz so gut da wie zuvor. Nun müssen wir das Ruder wieder herumreißen – am besten mit einem weiteren Klassensieg. Wir liegen derzeit punktgleich mit unseren Markenkollegen in der Tabelle vorn. Unser Ziel ist die Meisterschaft. Also müssen wir in Brasilien maximal punkten.“
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